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Gedächtnis

Diät der falschen Erinnerungen

Unser Gedächtnis ist fehleranfällig, wissen Rechtspsychologen. Das können wir nutzen, um unsere Lust auf Ungesundes zu zügeln.
Eine Frau sitzt vor einem Burger und einem Apfel, sie muss sich scheinbar entscheiden

Ein neues Jahr bricht an, und wie immer nehmen sich viele Menschen vor, endlich abzunehmen und sich gesünder zu ernähren. Diesmal könnte die Neujahrsdiät tatsächlich klappen, denn Hilfe naht von unerwarteter Stelle: Ausgerechnet Rechtspsychologen wollen nun Erkenntnisse aus der Gedächtnisforschung auf raffinierte Weise nutzen, um uns schlanker zu machen.

Elizabeth Loftus ist eigentlich berühmt für Experimente, die zeigen, wie leicht sich die Erinnerung an ein Ereignis im Nachhinein verändern lässt und wie fehleranfällig Zeugenaussagen deshalb sind. 1974 wies sie nach, dass sogar die Art der Befragung beeinflussen kann, woran sich ein Augenzeuge zu erinnern glaubt. Gemeinsam mit Daniel Bernstein von der University of Washington in Seattle gelang es ihr, diesen so genannten Falschinformationseffekt auf unsere Essgewohnheiten anzuwenden.

Die beiden versuchten, die Erinnerungen ihrer Versuchspersonen so zu manipulieren, dass sie eine Abneigung gegen bestimmte Nahrungsmittel entwickelten. Zunächst sollten die Teilnehmer Auskunft über ihre Lieblingsspeisen geben. Eine Woche später wurde ihnen mitgeteilt, dass ein Computer die Daten analysiert und dadurch festgestellt habe, was sie als Kinder mit ­bestimmten Lebensmitteln erlebt hätten. Dem angeblich ausgeklügelten Profil zufolge sei ihnen damals übel ­geworden, nachdem sie ein hart gekochtes Ei oder eine ­Essiggurke gegessen hatten. …

2/2017

Dieser Artikel ist enthalten in Gehirn&Geist 2/2017

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  • Quellen

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Bernstein, D. M. et al.: False beliefs about fattening foods can have healthy consequences. In: Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America, 102, S. 13724-13731, 2005


Bernstein, D. M. et al.: The false memory diet: False memories alter food preferences. In: Handbook of behavior, food and nutrition, 2011, S. 1645-1663


Clifasefi, S. L. et al.: “Queasy does it”: False alcohol beliefs and memories may lead to diminished alcohol preferences. In: Acta psychologica, 143, S. 14-19, 2013


Geraerts, E. et al.: Lasting false beliefs and their behavioral consequences. In: Psychological Science, 19, S. 749-753, 2008


Laney, C. et al.: Asparagus, a Love Story: Healthier Eating Could be just a False Memory away. In: Experimental Psychology 55, S. 291–300, 2008


Loftus, E. F., Palmer, J. C.: Reconstruction of automobile destruction: An example of the interaction between language and memory. In: Journal of verbal learning and verbal behavior, 13, S. 585-589, 1974


Martins, Y., Pliner, P.: »Ugh! That’s Disgusting!«: Identification of the Characteristics of Foods Underlying Rejections Based on Disgust. In: Appetite 46, S. 75–85, 2006


Scoboria, A. et al.: Suggesting childhood food illness results in reduced eating behavior. In: Acta Psychologica, 128, S. 304-309, 2008