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Verhaltensbiologie: Schnitzeljagd bei der Waldmaus



Hänsel ließ Steinchen fallen, und so fanden die im Wald ausgesetzten Geschwister beim ersten Mal nach Hause zurück. Einen ganz ähnlichen Trick benutzt die Waldmaus (Apodemus sylvaticus). Bei der Nahrungssuche entfernt sie sich oft bis zu hundert Meter von ihrem Nest. Um trotzdem nicht die Orientierung zu verlieren, legt sie regelmäßig Wegmarken in Form von kleinen Häufchen aus Samenschalen, Zweigen oder Blättern an. Festgestellt haben dies David MacDonald von der Universität Oxford und Pavel Stopka von der Universität Prag. Um ihre Beobachtung abzusichern, machten die Forscher außerdem Tests in einem künstlichen Gehege, in dessen Mitte sie weiße Plastikscheibchen deponiert hatten. Und tatsächlich: Wann immer die Mäuse in größerer Entfernung vom Nest auf Nahrungssuche gingen, platzierten sie zunächst ein solches Scheibchen an ihrem neuen Erkundungsort und benutzten es als Ausgangsbasis für ihre Streifzüge. Auch wenn sie nach einem Alarm ins Loch zurückgeflitzt waren und dann erneut loszogen, peilten sie als Erstes die vorher angelegte Wegmarke an, um von dort aus ihre Suche fortzusetzen. Nach Meinung der Forscher haben solche optischen Orientierungshilfen gegenüber einer Duftmarkierung den Vorteil, dass sie von Räubern oder futterneidischen Artgenossen nicht so leicht erkannt werden und langlebiger sind. (BMC Ecology, Bd. 3, Nr. 3)

Aus: Spektrum der Wissenschaft 7 / 2003, Seite 40
© Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH
7 / 2003

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum der Wissenschaft 7 / 2003

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