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Ästhetische Wahrnehmung: Schön ist relativ

Sehen Männer Formen und Farben anders als Frauen? Nach festen Geschlechtervorlieben im Schönheitsempfinden zu forschen, erschien Wissenschaftlern lange aussichtlos. ­Inzwischen gelten Unterschiede in der Verarbeitung von räumlichen Verhältnissen und Farbkontrasten zumindest als wahrscheinlich.
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Anfang des 20. Jahrhunderts verfolgte Wil­liam Henry Winch einen ehrgeizigen Plan. Der britische Pädagoge wollte das Wahrnehmungsvermögen von Kindern systematisch messen, um daraus auf ihren geistigen Entwicklungsstand zu schließen. Bei der Suche nach einer Art IQ des Sehens – ein Vorhaben, das letztlich scheiterte – befragte Winch unter anderem rund 2000 Londoner Schulkinder zwischen 7 und 15 Jahren nach ihren Lieblingsfarben.
Das 1909 veröffentlichte Votum fiel überraschend klar aus: Sowohl Mädchen als auch Jungen erkoren mehrheitlich Blau zu ihrem Favoriten, gefolgt von Rot. Auf den folgenden Plätzen rangierten bei den Mädchen Grün, Weiß und Gelb; bei den Jungen Grün, Gelb, Weiß. Das Schlusslicht bildete hier wie dort Schwarz. Von einem markanten Unterschied zwischen den Geschlechtern konnte kaum die Rede sein.
Dennoch begründete Winch eine Forschungsrichtung mit, die eine Fülle vergleichender Studien zu den ästhetischen Vorlieben der Geschlechter hervorbrachte ...
Januar/Februar 2011

Dieser Artikel ist enthalten in Gehirn&Geist Januar/Februar 2011

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  • Quellen
Bimler, D. L. et al.: Quantifying Variations in Personal Color Spaces: Are there Sex Differences in Color Vision? In: Color Research and Application 29, S. 128-134, 2004

Cela, C. J. et al.: Sex-Related Similarities and Differences in the Neural Correlates of Beauty. In: Proceedings of the National Academy of Sciences 106, S. 3847-3852, 2009

Chatterjee, A.: Neuroasthetics: Coming of Age Story. In: Journal of Cognitive Neuroscience 23, S. 53-62, 2011

Hurlbert, A. C., Ling, Y.: Biological Components of Sex Differences in Color Preference. In: Current Biology 17, S. 623-625, 2007

Di Dio, C., Gallese, V.: Neuroasthetics: a Review. In: Current Opinion in Neurobiology 19, S. 682-687, 2009