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Kindesentwicklung: Schon im Mutterleib stehen Babys auf Gesichter

Noch bevor der Mensch auf die Welt kommt, hat er bereits eine Vorliebe für Gesichter. Das zeigten Wissenschaftler um Vincent Reid von der Lancaster University mit Hilfe von 3-D-Ultraschall und einer Lichterprojektion.

Wie die Forscher berichten, ist die Bauchdecke der Mutter zwar lichtdurchlässig, allerdings nicht genug, dass ein Fötus konkrete Dinge außerhalb erkennen könnte. Um die Reaktion der Ungeborenen zu über­prüfen, griffen Reid und seine Kollegen darum zu einem Trick: Sie bewegten rote Lichtpunkte über den Bauch – rotes Licht durchdringt am ehesten die Schichten mütterlichen Gewebes – und beobachteten dann mit Hilfe des Ultraschalls, ob das Kind per Kopfdrehung die Projektion verfolgte oder nicht.

Das taten die Ungeborenen in der Tat, bei fünf Versuchen im Schnitt einmal. Allerdings vor allem dann, wenn die Anordnung von drei Punkten an ein menschliches Gesicht erinnerte: zwei Punkte an Stelle der Augen und einer an der Stelle des Munds. Drehten die Forscher dieses Dreieck auf den Kopf, wies also die Spitze nach oben, stieß die Lichtershow auf nur mäßiges Interesse seitens der 20 getesteten Kinder. Sie schauten nur etwa halb so oft hin.

Reid und Kollegen machten die Untersuchungen mit Frauen im letzten Schwangerschaftsdrittel. Sie glauben damit die Ansicht widerlegt zu haben, dass die Vorliebe für das menschliche Antlitz durch Prägungen in den ersten Lebensstunden oder -tagen gesteuert wird.

9/2017

Dieser Artikel ist enthalten in Gehirn&Geist 9/2017

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  • Quelle
Curr. Biol. 10.1016/j.cub.2017.05.044, 2017