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Schrift: Buddhismus: Die Modernisierer der indischen Gesellschaft

Um die Lehre Buddhas in Krisenzeiten zu bewahren, schrieben Mönche sie nieder. Damit brachen sie mit der Tradition der mündlichen Weitergabe, wie sie die Brahmanen pflegten.

Die ältesten Schriftzeugnisse Indiens stammen aus dem 3. Jahrhundert v. Chr. – in Stein gemeißelte Verordnungen des Königs Asoka. Verglichen mit anderen Hochkulturen der Alten Welt ist das überraschend spät. Mesopotamien und Ägypten verfügten gut drei Jahrtausende zuvor bereits über die Keil- beziehungsweise Hieroglyphenschrift, die ersten griechischen Epen, "Ilias" und "Odyssee", entstanden vermutlich im 8. Jahrhundert v. Chr. Noch viel erstaunlicher aber ist, dass der indische Subkontinent durchaus schon lange vor der Schrift eine umfangreiche Literatur besaß.

Das wahrscheinlich älteste erhaltene Werk daraus ist der "Rigveda", ein zwischen 1500 und 1200 v. Chr. kompiliertes Werk aus gut 1000 Liedern mit insgesamt rund 10 600 Strophen, überwiegend Hymnen an die Götter des altindischen Pantheons. Wie war ein derart komplexes literarisches Gebilde ohne schriftliche Fixierung möglich? Fast noch unglaublicher scheint, dass diese in der als heilig geltenden Sprache Sanskrit verfassten Lieder im religiösen Ritual korrekt rezitiert werden mussten, um Wirkung zu entfalten. Und das, obwohl sich die gesprochene Sprache ständig veränderte!

Glücklicherweise hat die Tradition der mündlichen Überlieferung in Indien bis in die Gegenwart überlebt, so dass man sich ein Bild von der Vorgehensweise machen kann. Wie heutzutage musste ein Schüler sicher auch im 2. Jahrtausend v. Chr. schon im Jugendalter damit beginnen, die Texte auswendig zu lernen – also noch ohne ihren Inhalt zu verstehen. Ein Heidelberger Wissenschaftler hat gezeigt, dass sich ein vollständiges Studium des "Rigveda" über mehr als acht Jahre hinzog, mit zehn bis zwölf Lernstunden pro Tag. ...

Spezial Archäologie - Geschichte - Kultur 3/2014

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