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Epidemiologie: Psychische Störung? Völlig normal!

Retrospektive Studien unterschätzen die Verbreitung psychischer Leiden: Nur bei einem von fünf Menschen bleibt die Seele ein Leben lang gesund.
Ein Frau ohne Kopf hält einen schwarzen Luftballon in der Hand.Laden...

Psychische Erkrankungen werden oft als ­ungewöhnlich und sogar als beschämend angesehen. Neue Befunde aus aller Welt, darunter auch unserer Forschungsgruppe, legen jedoch nahe, dass die Mehrheit der Menschen mindestens einmal im Leben eine diagnostizierbare psychische Störung entwickelt.

Seit Langem ist bekannt, dass zu einem gegebenen Zeitpunkt ungefähr 20 bis 25 Prozent der Bevölkerung akut unter einer psychischen Erkrankung leiden. Sie sind psychisch so schwer belastet, dass ihr Privatleben sowie ihre Leistungen in der Schule oder bei der Arbeit beeinträchtigt sind. Ab Mitte der 1990er Jahre ließen zudem umfangreiche Studien in den USA vermuten, dass fast jeder Zweite zu irgendeinem Zeitpunkt in seinem Leben betroffen ist. Diese Untersuchungen umfass­ten Tausende von Teilnehmern, die in Hinblick auf ihr Alter, ihr Geschlecht sowie ihre soziale und ethnische Herkunft repräsentativ für die gesamten USA waren.

Allerdings beruhten sie auf der Erinnerung der Probanden an eigene Gefühle und Verhaltensweisen, die Monate, Jahre oder sogar Jahrzehnte zurückliegen konnten. Es ist fraglich, wie zuverlässig solche retrospektiven Auskünfte sind, denn wenn man Menschen nach ihrer psychischen Verfassung fragt, machen sie oft wechselnde oder widersprüchliche Angaben. Noch dazu verweigert jeder Dritte, der zu solchen Studien eingeladen wird, seine Teilnahme. Und wie weitere Erhebungen ­nahelegen, verfügen letztere Personen im Schnitt eher über eine schlechtere psychische Gesundheit ...

2/2018

Dieser Artikel ist enthalten in Gehirn&Geist 2/2018

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  • Quellen

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Reuben, A. et al.: Lest We Forget: Comparing Retrospective and Prospective Assessments of Adverse Childhood Experiences in the Prediction of Adult Health. In: Journal of Child Psychology and Psychiatry 57, S. 1103-1112, 2016

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