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Menschenevolution

Seitensprünge des Homo sapiens

DNA-Studien beweisen es: Der moderne Mensch war der eigenen Art nicht immer treu. Neues archaisches Erbgut könnte sogar seinen Siegeszug beflügelt haben.
Seitensprünge des Homo sapiens

Heute ist das schwer vorstellbar, aber während unserer Evolution lebten meistens mehrere Menschenarten gleichzeitig. Vor nicht einmal 40000 Jahren teilten unsere Vorfahren noch die Erde mit anderen Vertretern der Gattung Homo, wie dem Neandertaler und dem zwergenhaften Homo floresiensis – dem "Hobbit", dessen Überreste Paläoanthropologen erst vor wenigen Jahren in Südostasien erstmals entdeckten. Wieso ausgerechnet unsere Art die Verwandtschaft überflügelte, vor allem aber wie der Homo sapiens überhaupt aus der Vielfalt hervorging, solche Fragen erhitzen die Gemüter der Forscher seit Jahrzehnten.

Unter den verschiedenen, oft widersprüchlichen Erklärungen gilt eine Theorie als Favorit, die in den 1980er Jahren aufkam und sich vorwiegend auf genetische Vergleichsstudien rungen stützte. Nach dieser Vorstellung fand die Evolution des anatomisch modernen Menschen komplett in Afrika statt. Von dort aus verbreitete sich der Homo sapiens dann über die gesamte Alte Welt und verdrängte die in diesen Gegenden lebenden archaischen Menschenformen vollständig. Ungeklärt ist in dem Modell zwar noch immer, wie Letzteres überhaupt geschehen konnte: Ob die Neuankömmlinge angetroffene Mitglieder der älteren Bevölkerungen direkt umbrachten, ob sie diese eher nur ihrer Ressourcen beraubten oder ob sie sich einfach rascher vermehrten und so letztlich die Oberhand gewannen? Jedenfalls sah nach Ansicht der meisten Forscher bisher alles danach aus, als wären die verschiedenen Menschenarten miteinander keine innigen Beziehungen eingegangen und hätten sich genetisch nicht vermischt.

Diese Sichtweise – das "afrikanische Verdrängungsmodell " oder "Out-of-Africa-Modell" – prägte in den letzten 25 Jahren unser Bild über Ursprung und Herkunft der heutigen Menschheit. Allerdings mehren sich nun Hinweise, dass solch ein Szenario so strikt nicht zutrifft. Die Möglichkeiten, DNA zu sequenzieren und Riesenmengen genetischer Daten auszuwerten, haben sich in letzter Zeit enorm gesteigert. Ganze Genome von immer mehr jetzt lebenden Menschen werden erfasst. Zudem gelang es inzwischen sogar, DNA von ausgestorbenen Homo-Spezies, insbesondere dem Neandertaler, zu lesen. …

Juli 2013

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum der Wissenschaft Juli 2013

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  • Quellen
Mendez, F. L. et al.: An African American Paternal Lineage Adds an Extremely Ancient Root to the Human Y Chromosome Phylogenetic Tree. In: American Journal of Human Genetics 92, S. 454 – 459, 2013
Mendez, F. L. et al.: Neandertal Origin of Genetic Variation at the Cluster of OAS Immunity Genes. In: Molecular Biology and Evolution 30, S. 798 – 801, 2013
Meyer, M. et al.: A High-Coverage Genome Sequence from an Archaic Denisovan Individual. In: Science 338, S. 222 – 226, 2012