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Hildegard von Bingen: Selbstbewusste Seherin

Hildegard von Bingen ging es nicht nur um Küchenkräuter und maßvolle Mahlzeiten – diesen Eindruck erwecken viele Ratgeber unserer Zeit. Sie war eine Gläubige, die sich zu ihren göttlichen Visionen bekannte, ein Kloster gründete und kaum einen Konflikt mit den Kirchenmännern scheute. Dazu war die blaublütige Äbtissin standesbewusst: In ihr Kloster nahm sie nur Betuchte auf.
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"König, es ist dringend notwendig, dass du in deinen Handlungen vorsichtig bist. Ich sehe nämlich in der geheimnisvollen Schau wie ein Kind einen unsinnig Lebenden vor den lebendigen Augen. Noch hast du Zeit, über irdische Dinge zu herrschen. Gib acht, dass der höchste König dich nicht zu Boden streckt wegen der Blindheit deiner Augen, die nicht richtig sehen, wie du das Zepter zum richtigen Regieren in deiner Hand halten musst. Darauf habe acht: Sei so, dass die Gnade Gottes nicht in dir erlischt!"

An solche selbstbewussten Briefe war Friedrich Barbarossa nicht gewöhnt – schon gar nicht von einer Frau. Und die Schreiberin, Äbtissin Hildegard, hätte diesen Ton aus eigenem Antrieb wohl nicht gewagt. Wer da schrieb, war eine Visionärin, deren Gabe kein Geringerer als der Papst anerkannt hatte und die von dem bedeutendsten Mönch der Zeit, Bernhard von Clairvaux, bewundert wurde. Sie selbst hatte zunächst an ihrer Fähigkeit gezweifelt. Erst als sie sich sicher war, dass Gott selbst ihr die Augen geöffnet hatte, bekannte sie sich dazu ...

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