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Serendipität: Eine Formel für Glückspilze

Serendipität heißt, Bedeutsames zu entdecken, ohne dass man es darauf anlegt. Sind manche Menschen besonders talentiert darin, ihrem Glück auf die Sprünge zu helfen?
Freude

Vor einiger Zeit blätterte ich auf einer Fahrt im ICE im "mobil"-Magazin der Bahn. Da fiel mein Blick auf eine Anzeige: Ein Verlag warb in Pastelltönen für Carly Phillips’ neues Werk "Ein Kuss zu viel". Neben dem Buchcover prangten drei Wörter: "Sexy, spannend, Serendipity". Mal abgesehen davon, dass diese Reihung grammatisch gewagt ist – wer weiß eigentlich, was "Serendipity" genau bedeutet?

Spätestens seit der gleichnamigen Hollywood-Liebeskomödie (deutscher Titel: "Weil es Dich gibt") mit John Cusack und Kate Beckinsale in den Hauptrollen ist dieser Ausdruck zu einem Modebegriff geworden, der öfter verwendet als verstanden wird. Man bezeichnet damit großzügig fast alle Arten von Glücksfällen – wie man die große Liebe seines Lebens traf, den lang ersehnten Traumjob fand oder beim Stadtbummel dieses superschicke Top entdeckte.

Dabei hat Serendipität, so die deutsche Lehnübersetzung, einen viel engeren Sinn: Es bedeutet, Wichtiges zu finden, das man gerade nicht suchte. Häufig liegt dem ein Scheitern zu Grunde. Der eigentliche Plan geht schief, doch dafür wird man mit anderem belohnt. Lauteinem Bonmot ist das, als würde man in einen Heuhaufen springen, um die berühmte Nadel zu finden, und mit der Tochter (oder dem Sohn) des Bauern herauskriechen. …

11/2016

Dieser Artikel ist enthalten in Gehirn&Geist 11/2016

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  • Literaturtipp & Quellen

Dieser Beitrag basiert auf einem Kapitel des gerade erschienenen Buchs "Lockerlassen – Warum weniger Denken mehr bringt" (Klett-Cotta, Stuttgart 2016).

Quellen

Agarwal, N. K.: Towards a Definition of Serendipity in Information Behaviour. In: Information Research 20, 675, 2015

Del Vicario, M. et al.: The Spreading of Misinformation online. In: Proceedings of the National Academy of Sciences USA 113, S. 554–559, 2016

Dunbar, K.: How Scientists Think: Online Creativity and Conceptual Change in Science. In: Ward, T. B., Smith, S. M. Vaid, J. (Hrsg.): Conceptual Structures and Processes: Emergence, Dicovery, and Change. Washington D. C.: APA Press, 1997

Heinström, Jannica: Psychological factors behind incidental information acquisition. In: Library and Information Science 28, S. 579-594, 2006

Heinström, J.: From fear to flow: Personality and information interaction. Chandros, Oxfordshire 2010

Helbing, D. et al.: Digitale Demokratie statt Datendiktatur: Big Data, Nudging, Verhaltenssteuerung. 2015

Johnson, S.: Woher die guten Ideen kommen. Eine kurze Geschichte der Innovation. Bad Vilbel: Scoventa, 2013

Merton, R. K., Barber, E.: The Travels and Adventures of Serendipity. A Study in Sociological Semantics and the Sociology of Science. Princeton University Press, 2003

Van Andel, P.: Anatomy of the Unsought Finding. Serendipity: Origin, History, Domains, Traditions, Appearances, Patterns and Programmability. In: British Journal for the Philosophy of Science 45 (2), S. 631–648, 1994