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Mikrobiologie: Sex zwischen Hamstern und Bakterien



Bakterien sind beim Sex nicht eben wählerisch: Sie paaren sich auch mit Vertretern fremder Arten, ja werden selbst mit Pflanzen- oder Hefezellen intim. Bei dieser "Konjugation" tauschen sie ringförmige DNA-Stücke aus, auf denen so nützliche Dinge wie Resistenzgene liegen. Virginia Waters von der Universität von Kalifornien in San Diego musste nun feststellen, dass die Mikroben auch vor Tieren nicht Halt machen. Sie brachten Zellen von Hamstern und dem Darmbakterium Escherichia coli über Nacht zusammen. Den Mikroben hatten sie zuvor das Gen für ein grün fluoreszierendes Protein eingepflanzt. Leuchteten am Abend nur die Bakterien, so taten es am Morgen auch einige Hamsterzellen. Da das Nährmedium DNA-verdauende Enzyme enthielt, konnte das bakterielle Erbgut nur per Konjugation in die Hamsterzellen gelangt sein. Sehr fruchtbar war das nächtliche Abenteuer allerdings nicht: Nur eine von 10000 tierischen Zellen hatte das Fluoreszenzgen übernommen. Dennoch hat das Ergebnis praktische Bedeutung für die Gentherapie. Mit Bakterien statt der bisher meist verwendeten Viren als Genfähren ließen sich in Zukunft sehr viel größere DNA-Abschnitte in menschliche Zellen einschleusen. (Nature Genetics, Bd. 29, S. 375)

Aus: Spektrum der Wissenschaft 1 / 2002, Seite 26
© Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH
1 / 2002

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum der Wissenschaft 1 / 2002

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