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Persönlichkeit: So gut kennen wir uns selbst

Ob wir eher gesellig oder zurückhaltend, eher faul oder verlässlich sind, darüber wissen wir ganz gut Bescheid. Doch in einem Punkt kennen wir uns offenbar schlecht, stellten Jessie Sun und Simine Vazire von der University of California in Davis fest: »Menschen können nicht gut beurteilen, wie umgänglich sie sind.«

Um Selbst- und Fremdurteile zu vergleichen, baten die Psychologinnen mehr als 400 Studierende eine Woche lang regelmäßig per SMS, sich selbst in diesem Moment zu beschreiben. Außerdem trugen die Versuchspersonen während dieser Zeit Aufnahmegeräte mit Mikrofon am Körper, die täglich zwischen sieben Uhr morgens und zwei Uhr nachts alle zehn Minuten 30 Sekunden lang das akustische Geschehen aufzeichneten. Rund 150 000 halbminütige Sequenzen kamen so zu Stande.

Anhand dieser Sequenzen beurteilten dann je sechs Forschungsassistenten das Verhalten der Teilnehmer, zum Beispiel inwieweit Aussagen wie die folgende zutrafen: »In dieser Stunde schien der Teilnehmer ruhig.« Die meisten Versuchspersonen konnten gut einschätzen, wann sie sich extravertiert oder gewissenhaft verhielten; Selbst- und Fremdurteile stimmten darin häufig überein. Das galt aber nicht für Verträglichkeit und emotionale Stabilität.

Die Unterschiede in der Innen- und Beobachter­perspektive auf die emotionale Stabilität erklären die Psychologinnen durch einen Schwachpunkt im Studiendesign: »Man fühlt sich manchmal besorgt oder niedergeschlagen, ohne das verbal auszudrücken.« Anhand der Tonaufnahmen allein könne ein Beobachter diese Eigenschaft daher kaum beurteilen. Hingegen würden sich Freundlichkeit oder Unhöflichkeit stärker im Verhalten äußern; deshalb könnten sich die Beobachter hierüber ein besseres Urteil bilden. »Unsere Befunde lassen daran zweifeln, dass Menschen wissen, wann sie sich liebenswürdig und wann sie sich ruppig verhalten.«

4/2019

Dieser Artikel ist enthalten in Gehirn&Geist 4/2019

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  • Quelle
Psychol. Sci. 10.1177/0956797618818476, 2019