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Weltraumwetter: Solare Superstürme - die verkannte Gefahr

© Pat Rawlings, SAIC
Unerwartet bescherte die Nacht vom 28. auf den 29. August 1859 vielen Menschen eine völlig neue, fremdartige Erfahrung: das geisterhafte Leuchten von Polarlichtern, die sich als helle Vorhänge aus Licht über den Himmel erstreckten. Selbst fern polarer Breiten wie in Rom und Havanna richteten sich verwunderte oder entsetzte Blicke gen Himmel – so mancher glaubte an jenem Sonntag, seine Stadt stünde in Flammen. Auch Logbücher von Schiffen, die zu dieser Zeit in Äquatornähe kreuzten, beschreiben purpurfarbene Leuchterscheinungen, die bis zur halben Zenithöhe reichten. Messinstrumente überall auf der Welt, die sonst nur winzige Änderungen des Erdmagnetfelds registrieren, schlugen plötzlich wild aus.

Doch dies war nur der erste Teil des Spektakels. Am 1. September beobachtete der englische Astronom Richard C. Carrington kurz vor Mittag eine Gruppe enorm großer Sonnenflecken. Während er sie skizzierte, registrierte er um 11.18 Uhr einen intensiven weißen Lichtblitz, der von zwei Orten in der Fleckengruppe ausging – ein Phänomen, das rund fünf Minuten andauerte. 17 Stunden später machte eine zweite Welle rötlicher und grünlicher Polarlichter die Nacht zum Tag, selbst noch in so südlichen Regionen wie Panama. Und überall in Europa und Nordamerika brachen die Telegrafennetze zusammen.

Was war passiert? Nicht einmal die Wissenschaftler selbst, bedrängt von Reportern auf der Suche nach einer Erklärung, konnten eindeutige Auskunft über die Himmelslichter geben. Handelte es sich um meteoritische Materie aus dem All, um Licht, das an polaren Eisbergen reflektiert wurde, oder um eine Art Blitze in großen Höhen? Zur Aufklärung trug erst der Sturm von 1859 selbst bei. Dem "Scientific American" vom 15. Oktober jenes Jahres zufolge war "eine Verbindung zwischen den Nordlichtern und den Kräften der Elektrizität und des Magnetismus nun vollständig nachgewiesen".
März 2009

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum der Wissenschaft März 2009

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