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Soziale Netzwerke: Süchtig nach virtuellen Streicheleinheiten

Wie wirkt sich exzessives Surfen auf Facebook im Gehirn aus? Befunde von Onlineforschern legen nahe, dass die virtuellen Kontakte unter anderem im Belohnungssystem ihre Spuren hinterlassen.
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Um über das Leben von Freunden und Familie auf dem Laufenden zu sein, bedurfte es bis vor 20 ­Jahren noch unterschiedlichster Mittel und Wege. Man sprach mit Kollegen beim Mittagessen, traf sich zum Kaffee mit Freunden und blieb auf ein Schwätzchen mit dem Nachbarn am Gartenzaun stehen. Heute genügt oft schon ein Blick auf Facebook. Ein Kollege ist Vater geworden, eine Freundin hat sich von ihrem langjährigen Partner getrennt, und der Nachbar feiert in ein paar Tagen den Fünfzigsten.

All das ist gut zu wissen, wenn man unfallfrei durch das soziale Miteinander navigieren möchte. So verwundert es nicht, dass zirka 19 Millionen Deutsche – fast jeder vierte Einwohner – täglich bei Facebook vorbeischauen, wie das Online­netzwerk im Herbst 2013 bekannt gab. Die Mitglieder teilen dort Freud und Leid über die wichtigsten Ereignisse in ihrem Leben: Nach ­Facebook-Angaben zählen zu den Topthemen unter anderem Hochzeiten, die Geburt eines Kindes, ein neues Haustier, Reisen, Umzüge und Trauerfälle.

Aber wie das Schwätzchen am Gartenzaun braucht auch die virtuelle Kontaktpflege ihre Zeit. Laut einer Umfrage des Marktforschungs­instituts Ipsos von 2013 halten sich hier zu Lande die Mitglieder sozialer Netzwerke im Durchschnitt 144 Minuten pro Tag dort auf, selbst die Nutzer zwischen 50 und 64 Jahren bringen es auf zwei Stunden täglich. Dabei zählt Deutschland europaweit zu den Schlusslichtern; in den USA ist man im Schnitt mehr als drei Stunden täglich in sozialen Netzwerken unterwegs. Viele Menschen pflegen so Hunderte von Kontakten – größtenteils zu Menschen, die sie aus dem "echten" Leben kennen, teils auch zu Onlinebekanntschaften, denen sie noch nie begegnet sind.

Für Beziehungen zu Hundertschaften von Menschen ist unser Gehirn jedoch nicht ausgelegt, wenn man dem britischen Anthropologen Robin Dunbar von der University of Oxford ­glauben darf. Aus dem Vergleich mit den Gehirnen und Gruppengrößen unter anderem von Menschenaffen schloss er, dass wir nur zu rund 150 Artgenossen dauerhaft Beziehungen pflegen können.

Diese so genannte Dunbar-Zahl ist allerdings in Zeiten von Facebook und Co revisionsbedürftig ...

7/2014

Dieser Artikel ist enthalten in Gehirn&Geist 7/2014

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  • Quellen

Bickart, K. C. et al.: Amygdala Volume and Social Network Size in Humans. In: Nature Neuroscience 14, S. 163-164, 2011

Kanai, R. et al.: Online Social Network Size is Reflected in Human Brain Structure. In: Proceedings of the Royal Society B 279, S. 1327-1334, 2012

Kuss, D. J., Griffiths, M. D.: Internet and Gaming Addiction: A Systematic Literature Review of Neuroimaging Studies. In: Brain Sciences 2, S. 347-374, 2012

Meshi, D. et al.: Nucleus Accumbens Response to Gains in Reputation for the Self Relative to Gains for Others Predict Social Media Use. In: Frontiers in Human Neuroscience 7, 439, 2013

Tamir, D. I., Mitchel, J. P.: Disclosing Information about the Self is Intrinsically Rewarding. In: Proceedings of the National Academy of Sciences of the USA 109, S. 8038-8043, 2012