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Schlichting!: Spiegelwelt mit Fehlern

Manche vermeintlichen Rätsel lassen sich erst lösen, wenn wir stillschweigend Vorausgesetztes auf den Prüfstand stellen.
Jean-Paul Sartre sah die Architektur im Spiegel, so erfahren wir im obigen Zitat, und entdeckte darin Vernunft, Einsicht und Geometrie. Eines Tages, als ich auf dem Bahnhofsvorplatz einer norddeutschen Stadt die Wartezeit auf einen verspäteten Zug überbrückte, erinnerte ich mich der Sätze des Philosophen. Mein Blick wurde nämlich von der Spiegelwelt in einem Wasserbecken gefangen. Ein nicht ungewöhnliches Bild: Wie in einem Spiegel wird ein hell erleuchtetes Gebäude im ruhigen Wasser reflektiert. Aber etwas stimmte nicht. Ist die Architektur, zumindest die gespiegelte, doch wahnsinnig geworden?

Spiegel sollten eigentlich naturgetreue Abbilder von Gegenständen liefern. In diesen bleiben Längen und Winkel erhalten, nur die dem Spiegel zugewandte Seite ist mit der abgewandten vertauscht. Doch der Sonnenreflex in der zweiten Fensterreihe des Gebäudes strahlt in der Spiegelwelt des Wassers aus einem anderen Stockwerk heraus, nämlich dem nächsthöheren! ("Höher" soll auch im Spiegelbild das bezeichnen, was näher am Dach oder Himmel liegt.)

Schon für sich genommen ist dieses Phänomen recht erstaunlich. Der Mathematiker Lewis Carroll, der Autor von "Alice im Wunderland", hätte seine Freude daran gehabt. Und für Alices Katze wäre es eventuell ein Hinweis gewesen, dass in der Spiegelwelt doch einiges anders ist ...
September 2011

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum der Wissenschaft September 2011

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