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Schlichting!: Spiralen aus Wachs

Lässt man von einer brennenden Kerze flüssiges Wachs in Wasser laufen, bilden sich formschöne Muscheln.

Diesen schönen Silvesterbrauch kennen wir alle: Wir halten einen Löffel mit Blei (oder dem weniger giftigen Zinn) über eine Kerzenflamme, warten, bis sich das Metall verflüssigt, und gießen es dann auf einen Schlag in eine Schale mit kaltem Wasser. Dort nimmt es beim Erstarren bizarre Formen an, die wir nach Belieben deuten können und denen mancher gar wahrsagerische Kräfte zuschreibt.

Als Kind hatte ich in Ermangelung von Blei ersatzweise Kerzenwachs benutzt und damit nicht minder eindrucksvolle Ergebnisse erzielt. Darüber hinaus stieß ich auf ein fast noch faszinierenderes Phänomen. Stellte ich eine brennende Kerze in eine Schale mit Wasser und ritzte eine Rinne in ihren Rand, so dass flüssiges Wachs entlang der Kerze hinab ins Wasser lief, entstanden Gebilde, die keineswegs dem puren Zufall entsprungen sein konnten. Im Gegenteil: Stets meinte ich, Muscheln vor mir zu sehen. Trotz ihrer individuellen Verschiedenheit waren sie einander so ähnlich, dass sie zweifelsfrei als Vertreter derselben Gattung gelten mussten; selbst im Fall "verunglückter" Exemplare erkannte ich in ihnen immer noch das Muschelhafte. Der Zufall, der Wachsmuscheln ihre Gestalt verleiht, wirkt offenbar nicht blind, sondern ist Teil eines selbstorganisierten Prozesses.

Was genau spielt sich hier ab? ...

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  • Quellen

Seilacher, A., Klug, C.: Selbstorganisation bei Kerzenmuscheln. In: Naturwissenschaftliche Rundschau 46, S. 132 - 134, 1993

Seilacher, A.: Candle Wax Shells, Morphodynamics and the Cambrian Explosion. In: Acta Palaeontologica Polonica 38, S. 273 - 280, 1994