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Geschlechterrollen: Steinzeit-Klischees

Männer sind Jäger, Frauen Heimchen – das sei nun einmal unser evolutionäres Erbe. So verbreitet diese Ansicht auch ist, einer genauen Prüfung hält sie nicht stand, erklärt die Archäologin Linda Owen.
Alltagsszene

Ein Mythos: Die Schwäbische Alb vor 15 000 Jahren. Die Männer verfolgen den Rothirsch jetzt schon seit zwei ­Tagen. Beharrlich versuchen sie, näher an ihn heranzukommen, um ihn endlich zur Strecke zu bringen. In der Morgendämmerung des dritten Tages steht er äsend im Tal vor ­ihnen. Ein herrlicher Sechzehnender, feist für die bevorstehende Brunft. Die Männer verstecken sich hinter einem Felsen, alle Sinne bis zum Äußersten gespannt. Sie müssen extrem vorsichtig sein, denn selbst die kleinste Bewegung könnte sie um die ­ersehnte Beute bringen. Und die brauchen sie dringend, damit ihre Sippe überleben kann. Mit etwas Glück wird der Hirsch sich in die Reichweite ihrer Speere bewegen.
Zur gleichen Zeit erwacht 20 Kilometer entfernt das Lager zum Leben. Die Frauen entfachen das über Nacht fast erloschene Feuer, kümmern sich um die Kinder und planen gemeinsam den Tag. Einige wollen in der Nähe nach Früchten, Wurzeln und Pilzen suchen, andere weiter an den Winterkleidern nähen. Es gibt nur noch wenig zu essen, und alle hoffen, dass die Männer bald mit frischem Fleisch zurückkehren.

Etwa in dieser Art wird das Leben in der Steinzeit oft dargestellt, manchmal mit einem Mammut statt des Rothirschs oder mit Keulen statt der Speere. Doch war es wirklich so? Kurze Antwort: nein, sicher nicht. Aber wo beginnt der ­Mythos, und was stimmt womöglich doch?
Die Geschlechterrollen in der Steinzeit schienen bisher weit gehend klar verteilt: Männer gingen zur Jagd und beschützten ihre Familien, Frauen sammelten Beeren und Kräuter und kümmerten sich um die Kinder …

9/2013

Dieser Artikel ist enthalten in Gehirn&Geist 9/2013

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  • Quellen

Hublin, J. J. et al.: Radiocarbon Dates from the Grotte du Renne and Saint-­Césaire Support a Neandertal Origin for the Châtelperronian. In: Proceedings of the National Academy of Sciences of the USA 109, S. 18743-18748, 2012

Owen, L. R.: Distorting the Past. Gender and the Division of Labor in the European Upper Paleolithic. Kerns, Tübingen 2005

Owen, L. R.: Männlichkeitsforschung und Archäologie. In: Horlacher, S. et al.: Metzler Handbuch Männlichkeitsforschung. Metzler, Stuttgart, Weimar (im Druck)

Owen, L. R.: Fish in the Magdalenian of Southwest Germany. Emergency Food or Important Resource? In: Pastoors, A. und Auffermann, B. (Hrsg.): Pleistocene Foragers: Their Culture and Environment. Festschrift in Honour of Gerd-Christian Weniger for His Sixtieth Birthday. Wissenschaftliche Schriften des Neanderthal Museums 6, Mettmann 2013

Rau, S. (Hg.): Eiszeit: Kunst und Kultur. Begleitband zur Großen Landesausstellung Eiszeit - Kunst und Kultur (2009-2010, Stuttgart). Thorbecke, Ostfildern 2009