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Stimmerkennung im Gehirn



Mit der menschlichen Stimme werden weit mehr Informationen transportiert als der reine Wortgehalt. Aufgrund des Klangs können wir die Identität der Sprecher feststellen oder ihre emotionale Verfassung beurteilen. Die Erkennung dieser "Zwischentöne" findet offenbar in einem eigenen, eng begrenzten Bereich im menschlichen Gehirn statt, und zwar oberhalb der Furche, die den oberen Schläfenlappen teilt (rot im Hirnbild), dem Sulcus temporalis superior (STS). Das zeigen die Experimente der Forschergruppe um Pascal Belin vom neurologischen Institut der McGill-Universität in Montreal. Im Bereich dieser Furche konnten die Neurowissenschaftler immer dann eine erhöhte Aktivität beobachten, wenn sie ihren Probanden natürliche Stimmen vorspielten. Auf Umweltgeräusche, stark verzerrte Stimmen und andere akustische Reize sprach dieses Hirnareal hingegen nur sehr schwach an. Die Neurologen vermuten daher, daß der auditive Cortex ähnlich aufgebaut ist wie der visuelle Cortex auf der Hinterseite des Gehirns, in dem es beispielsweise ein eigenes Gebiet für die Erkennung von Gesichtern gibt. Sie wollen jetzt untersuchen, ob auch in den Gehirnen von Primaten ähnliche Zentren für Stimmerkennung existieren. (Nature, Bd. 403, S. 309)


Aus: Spektrum der Wissenschaft 3 / 2000, Seite 14
© Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH

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