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Medien

Streitfall Pornografie

Macht der Konsum von Pornofilmen Männer aggressiv und frauenfeindlich? Diese Frage erforschen Psychologen seit den 1970er Jahren - mit widersprüchlichen Befunden. Doch eines ist inzwischen sicher: Harte Pornos verstärken eine vorliegende Neigung zu sexueller Gewalt.
Pornografie
Mehr als jeder zweite Einwohner des US-Bundesstaats Utah gehört der Reli­gionsgemeinschaft der Mormonen an. Bei der letzten Präsidentschaftswahl votierten die Bürger dort mehrheitlich für den Republikaner John McCain. Doch trotz ihrer frommen, konservativen Gesinnung pflegen sie offenbar einen weltlichen, liberalen Lebensstil – denn Utah ist die Hochburg des Online-Pornokonsums in den USA. Das berichtete 2009 der Ökonom Benjamin Edelman von der Harvard Business School in Boston (US-Bundesstaat Massachusetts).
Edelman hatte im Auftrag eines Produzen­ten von Erotika analysiert, wie viel Prozent der Internetuser mit Breitbandanschluss sich kos­tenpflichtige Pornoangebote des betreffenden Anbieters bestellten. Zahlende Sexgucker stamm­­ten demnach überdurchschnittlich häufig aus Utah sowie anderen McCain-Hochbur­gen wie Mississippi, Louisiana und Oklahoma. Dies sei erstaunlich, so Edelman, da sich gerade Republikaner am stärksten über Pornografie im Internet echauffierten. Die implizite Botschaft: Fromme Menschen gucken gerne Pornos, weil sie ihre Sexualität nicht ausleben können, und wer den Verfall der Sitten lauthals beklagt, hält sich noch lange nicht selbst an seine moralischen Gebote.
Eine Studie der Brigham University, einer privaten, kirchlichen Hochschule in Provo (Utah), stützt diese These. Sozialwissenschaftler um Jason S. Carroll zeigten 2008, dass viele junge Akademiker in den USA mit ihrem eigenen Pornokonsum nicht im Reinen sind. Die Forscher befragten 813 Studenten im Alter von 18 bis 26 Jahren. Nach eigenen Aussagen konsumierten 87 Prozent der Männer Pornografie via Internet, aber nur 67 Prozent fanden daran nichts Schlimmes. Mindestens 20 Prozent der Männer gucken demnach Pornos, obwohl sie das eigentlich verurteilen …
Oktober 2010

Dieser Artikel ist enthalten in Gehirn&Geist Oktober 2010

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Literaturtipps

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