Direkt zum Inhalt
Login erforderlich
Dieser Artikel ist Abonnenten mit Zugriffsrechten für diese Ausgabe frei zugänglich.

Tiermodelle: Jenseits von Ratten und Fliegen

Biologen experimentieren großteils an nur einer Hand voll Modellorganismen. Dieser Ansatz ist zu eng, warnt unsere Autorin. Denn viele wesentliche Zusammenhänge, die nicht zuletzt für die Biomedizin eine Rolle spielen, geraten dabei aus dem Blick.
Alabama-KüstenmausLaden...

Die meisten experimentell arbeitenden Biologen forschen nur an ein paar wenigen Tier- oder Pflanzenarten: Dazu gehören die Labormaus, der winzige Fadenwurm Caenorhabditis elegans, die Taufliege Drosophila melanogaster oder die Acker-Schmalwand, Arabidopsis thaliana. Dahinter steht die Annahme, Modellorganismen würden allgemein gültige Einsichten bringen. So fließt denn auch ein Großteil der Forschungsgelder Studien jener Hand voll Spezies zu, welche die National Institutes of Health (NIH) der USA im Internet auflisten. Die Website soll dem nationalen und internationalen Austausch insbesondere über biomedizinische Projekte an den dort angeführten Arten dienen.
Wer für eine Untersuchung an einem Standard-Modellorganismus finanzielle Förderung beantragt, muss die Wahl seines Studienobjekts nicht groß rechtfertigen. Wer sich hingegen für einen weniger üblichen Organismus entscheidet, der aber dem Forschungsgegenstand bestens gerecht wird, muss dies ausführlich begründen. Ablehnungen sind in dem Fall nicht selten. Tatsächlich wird dem Antragsteller dann oft empfohlen, lieber einen der Standardorganismen zu verwenden, unter der Prämisse, für jede lohnende Fragestellung dürfte ein etabliertes Modell vorhanden sein.
Ohne Frage haben sich die konzentrierten Forschungen an einigen wenigen Modellorganismen gelohnt – sowohl für das Grundlagenwissen wie für den medizinischen Fortschritt. Auch basieren viele wissenschaftliche Laufbahnen auf Studien an Drosophila, Hausmaus oder Fadenwurm, und zahlreiche Forschungsgruppen wurden allein für Untersuchungen an einem dieser Organismen eingerichtet. Überdies existieren längst wissenschaftliche Fachzeitschriften speziell für Arbeiten an einem dieser Organismen.
Nur – sich auf ein paar wenige Arten und Zuchten zu beschränken bedeutet, sich mit den Antworten zu begnügen, die sie liefern können ...

11/2013

Dieser Artikel ist enthalten in Gehirn&Geist 11/2013

Lesermeinung

1 Beitrag anzeigen

Wir freuen uns über Ihre Beiträge zu unseren Artikeln und wünschen Ihnen viel Spaß beim Gedankenaustausch auf unseren Seiten! Bitte beachten Sie dabei unsere Kommentarrichtlinien.

Tragen Sie bitte nur Relevantes zum Thema des jeweiligen Artikels vor, und wahren Sie einen respektvollen Umgangston. Die Redaktion behält sich vor, Leserzuschriften nicht zu veröffentlichen und Ihre Kommentare redaktionell zu bearbeiten. Die Leserzuschriften können daher leider nicht immer sofort veröffentlicht werden. Bitte geben Sie einen Namen an und Ihren Zuschriften stets eine aussagekräftige Überschrift, damit bei Onlinediskussionen andere Teilnehmer sich leichter auf Ihre Beiträge beziehen können. Ausgewählte Lesermeinungen können ohne separate Rücksprache auch in unseren gedruckten und digitalen Magazinen veröffentlicht werden. Vielen Dank!

  • Quellen

Beckers, J. et al.: Towards Better Mouse Models: Enhanced Genotypes, Systemic Phenotyping and Envirotype Modelling. In: Nature Reviews Genetics 10, S. 371-380, 2009

Geerts, H.: Of Mice and Men: Bridging the Translational Disconnect in CNS Drug Discovery. In: CNS Drugs 23, S. 915-926, 2009

Maher, B.: Biology's Next Top Model? In: Nature 458, S. 695-698, 2009

Schnabel, J.: Neuroscience: Standard Model. In: Nature 454, S. 682-685, 2008