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Diagnostik

Trauma im Kreißsaal

Die Geburt eines Kindes wird oft als wundervolles Erlebnis dargestellt. Doch manche Mütter entwickeln nach der Entbindung eine Posttraumatische Belastungsstörung. Oft bleibt sie unerkannt.
Eine schwangere Frau blickt aus einem Fenster. Sie befindet sich offenbar in einem Kinderzimmer.

Sie schrie. Sie kämpfte mit den Schmerzen. Sie flehte die Ärzte an, einen Kaiserschnitt zu machen. Zuletzt weinte sie nur noch … Drei Jahre ist das nun her. Doch wenn Yasmin Neese an die Geburt ihrer Tochter zurückdenkt, sind sie wieder da: all die quälenden Erinnerungen. Und die Wut. "Wie ein Schwein auf der Schlachtbank habe ich mich gefühlt", erzählt sie.

Dabei war die Schwangerschaft gut verlaufen. Yasmin Neese hatte fast keine Beschwerden, freute sich auf ihr erstes Kind. Kurz vor der Geburt machte sie noch einen Hausputz, mitten im Hochsommer. "Damit es endlich losgeht." Zehn Tage nach dem errechneten Termin ließen die Wehen immer noch auf sich warten. Da entschieden die Ärzte, die Geburt einzuleiten. Und es begann, was Neese heute ihren "Höllentrip" nennt.

Die Entbindung zog sich über mehrere Tage hin. Verschiedene Mittel und Maßnahmen, die die Wehen auslösen und den Muttermund weiten sollten, führten bei ihr lediglich zu starken Schmerzen. "Die Schmerzen machten mich völlig fertig und raubten mir den Schlaf", sagt die 28-Jährige heute. Hinzu kam: "Die Ärzte und Hebammen nahmen mich gar nicht ernst. Sie dachten wohl, ich bilde mir die Schmerzen nur ein."

Yasmin Neese wollte sich zusammenreißen: "Ich dachte, das packe ich schon irgendwie." Dann habe ein falsch gelegter Wehentropf (eine Infusion des Hormons Oxytozin, das die Geburt einleiten soll) ihren Arm anschwellen lassen. "Und schließlich sollte ich noch ­Gymnastikübungen im Kreißsaal machen, heulend und halbnackt im Vierfüßlerstand", erzählt sie. "Da weinte sogar mein Ehemann. Ich hatte ihn nie zuvor so ­gesehen." …

5/2017

Dieser Artikel ist enthalten in Gehirn&Geist 5/2017

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