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Drogen: Trips gegen Gewaltverbrechen

Weil sie uns nicht nur in einen Rausch versetzen, sondern ebenso bei der Therapie von Krankheiten helfen könnten, haben ­psychedelische Drogen zuletzt verstärkt das Interesse von Forschern geweckt. So lindert möglicherweise Psilocybin, der Inhaltsstoff aus "magic mushrooms", Depressionen und Ängste, und LSD soll bei Sucht­erkrankungen wirken. Nun entdeckte ein Team um Peter Hendricks von der University of Alabama in Birmingham, dass Konsumenten solcher Substanzen anscheinend auch seltener Straftaten begehen.

Die Wissenschaftler nutzten für ihre Untersuchung Daten des US-amerikanischen Gesundheitsministeriums. Dieses hatte von 2001 bis 2014 mehr als 480 000 Amerikaner zu ihrem Drogenkonsum und diversen Lebensumständen befragt. Bei der Auswertung stellten die Forscher fest, dass Personen, die Rauschmittel wie Psilocybin, LDS oder Meskalin nahmen, mit einer 27 Prozent geringeren Wahrscheinlichkeit im Jahr zuvor einen Diebstahl begangen hatten. Auch die Gefahr, wegen eines Gewaltverbrechens verhaftet zu werden, war um 22 Prozent kleiner als bei denjenigen, die keine solchen Drogen nahmen. Das überrascht deshalb, weil Konsumenten anderer illegaler Substanzen ein deutlich erhöhtes Risiko aufwiesen, straffällig zu werden.

"Diese Erkenntnisse passen zu einer wachsenden Anzahl von Forschungsergebnissen, die darauf hindeuten, dass Psychedelika antisoziales Verhalten verringern können", meinen die Forscher. Ob tatsächlich die Drogen für diesen Effekt verantwortlich sind, bleibt aber unklar. Es könnte auch sein, dass friedliche Menschen eher halluzinogene Substanzen konsumieren oder dass ein dritter Faktor beides beeinflusst.

1/2018

Dieser Artikel ist enthalten in Gehirn&Geist 1/2018

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  • Quelle
J. Psychopharmacol. 10.1177/0269881117735685, 2017