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Geistesblitze - Risikobereitschaft

Trügerischer Schutz

Wer einen Helm auf dem Kopf trägt, neigt zu riskanteren Entscheidungen – sogar dann, wenn die Kopfbedeckung eigentlich völlig überflüssig ist. Letzteres zeigt nun erstmals eine Studie von Tim Gamble und Ian Walker von der University of Bath.

Die Psychologen baten 80 Versuchsteilnehmer unter dem Vorwand in ihr Labor, sie würden an einem Eye-Tracking-Experiment teilnehmen. Dabei werden üblicherweise die Blickbewegungen einer Person gemessen. Die Probanden sollten an einem Computerbildschirm einen virtuellen Ballon aufblasen. Je mehr Luft sie in ihn hineinpumpten, desto mehr Punkte erhielten sie im Gegenzug dafür. Platzte der Ballon allerdings, leerte sich das Punktekonto auf einen Schlag. Während des gesamten Versuchs trugen die Teilnehmer entweder einen Fahrradhelm oder eine Baseballkappe auf dem Kopf – vorgeblich, um das Eye-Tracking-Gerät zu unterstützen, wie die Forscher ihnen zu Beginn des Versuchs erklärten.

Obwohl ganz offensichtlich keine der beiden Kopfbedeckungen die Probanden vor dem Punkteverlust im Spiel schützen konnte, neigten jene mit Fahrradhelm dennoch dazu, höher zu pokern und größere Risiken einzugehen. In einer anschließenden Befragung gaben sie zudem an, sich besonders abenteuerlustig zu fühlen.

Ganz ähnliche Phänomene beobachteten Wissenschaftler in der Vergangenheit bereits in Studien mit Autofahrern, die plötzlich ihr Fahrverhalten änderten, wenn sie angeschnallt waren, oder bei American-Football-Spielern, die ihre Gegner ebenfalls mit Schutzhelm rücksichtsloser "tackelten", erklärt Walker. In all diesen Fällen stand die Schutzausrüstung jedoch immer im unmittelbaren Zusammenhang mit den möglichen Risiken. Die Ergebnisse der aktuellen Untersuchung deuten nun darauf hin, dass wir uns auch ganz grundsätzlich waghalsiger verhalten, wenn wir uns geschützt fühlen. Dies sollten Sicherheitsexperten stärker berücksichtigen, so die Forscher. (dz)

Psychol. Sci. 10.1177/0956797615620784, 2016

5/2016

Dieser Artikel ist enthalten in Gehirn&Geist 5/2016

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