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Umweltschonende Garnelenzucht

Zwar ist es sinnvoll, die schmackhaften Krebstiere zu züchten, statt sie zu fischen, doch wirft die einst als Blaue Revolution gefeierte Aquakultur eigene Probleme auf. Ein Fachberater und ein Umweltschützer stellen ein gemeinsames Konzept vor, wie sich die ökologischen Belange besser berücksichtigen ließen.


Seit den siebziger Jahren hat sich die Aquakultur von Garnelen in den Tropen zu einem florierenden Wirtschaftszweig entwickelt (Bild 5). Die asiatischen Länder – insbesondere Thailand, Indonesien, China und Indien – verfügen zusammen über etwa 1,2 Millionen Hektar Zuchtteiche für die umgangssprachlich auch als Krabben oder Shrimps bezeichneten Tiere (Bild 2). An den Küsten der westlichen Hemisphäre sind es etwa 200000 Hektar, zwei Drittel davon allein in Ecuador; die Fläche in den USA nimmt sich dagegen mit weniger als 1000 Hektar geradezu winzig aus. Konsumiert werden die produzierten Mengen fast ausschließlich in den USA, in Japan und Europa.

Vor 25 Jahren als "Blaue Revolution" gefeiert, erschien Aquakultur – hierfür wie generell – ein Weg, die Überfischung natürlicher Bestände einzudämmen. Eine Entlastung versprach man sich zugleich für andere Meerestiere, die sonst als Beifang in den Grundschleppnetzen der Garnelenfischer landeten; dem Gewicht nach kann er fast das Zehnfache der Shrimps ausmachen (Bild 3). Leider hat deren Kultur bislang keine der beiden Erwartungen völlig erfüllt und schafft zudem, wie die Bilanz der letzten 20 Jahre deutlich zeigt, ihrerseits oft eigene Umweltprobleme.





Zwiespältiges Vorgehen


Garnelen pflanzen sich normalerweise im offenen Meer fort. Ein einziges Weibchen stößt 100000 oder mehr Eier auf einmal aus, und nach der Befruchtung schlüpfen daraus binnen 24 Stunden Larven, die wenig später Plankton zu fressen beginnen. Nach etwa 12 Tagen haben sich kleine Garnelen entwickelt, die in die nährstoffreichen Gezeitentrichter von Flüssen (Ästuare) ziehen und dort zu kräftigen Jungtieren heranwachsen. Dann kehren sie ins offene Meer zurück, wo sie Geschlechtsreife erreichen und sich ihrerseits fortpflanzen (Bild 1).

Die natürlichen Bedingungen dieses Lebenszyklus versucht man in Zuchtstationen möglichst getreu zu imitieren: Durch Steuern von Beleuchtung, Temperatur, Salzkonzentration und Nährstoffen sowie durch hormonelle Manipulation veranlaßt man die geschlechtsreifen Elterntiere, abzulaichen. Nach dem Schlüpfen kommt die Brut sofort in eigene Aufzuchttanks, wo sie zunächst von mikroskopisch kleinen Schwebalgen lebt; die etwas älteren Larven erhalten Salinenkrebschen und spezielles Fertigfutter. Die Jungtiere werden dann nach etwa drei Wochen Hochfüttern in größere Teiche umgesetzt.

In Südostasien besetzen die Garnelenfarmer ihre "Mastanlagen" meist mit solchen gezüchteten Jungtieren. In Lateinamerika hingegen bevorzugt man vielfach gefangene Wild-Larven, weil diese als kräftiger und zudem unempfindlicher gegenüber den Haltungsbedingungen gelten. Allerdings kosten solche sogenannten Wildfänge teils mehr als doppelt so viel wie Nachwuchs aus Brutstationen. Deshalb sind ganze Heerscharen von Larvensammlern mit feinen Netzen unterwegs (Bild 4 links oben). Zwar ist nicht erwiesen, daß sich dadurch die natürli- chen Bestände reifer Tiere reduziert haben; doch einige kommerzielle Garnelentrawler meldeten einen spürbaren Rückgang ihrer Fangmenge in zentralamerikanischen Gewässern, als man in angrenzenden Mündungsgebieten in großem Maßstab den Larven nachzustellen begann.

Diese Tätigkeit ist ein willkommener, ja bitter benötigter Broterwerb für viele Einheimische, wird aber für die Natur zu einem ernsten Problem, weil die feinmaschigen Netze praktisch alles mitnehmen, was ihnen unterkommt. Für jede herausgefischte junge Garnele verenden – nach freilich schwer zu verifizierenden Statistiken – hundert andere Meerestiere als Beifang.

Umweltprobleme ganz anderer Art können durch die Teichanlagen selbst entstehen. Errichtet werden sie gewöhnlich durch Aufschütten von Erdwällen; bei einer Fläche von einigen Ar bis zu vielen Hektar sind die Becken selten mehr als zwei Meter tief (Bild 4 rechts). Zur Versorgung wird üblicherweise Meerwasser in höhergelegene Kanäle gepumpt und in die etwas weiter landeinwärts gelegenen Teiche geleitet. Einige kleinere Betriebe, die dazu auf die Flut angewiesen sind, errichten ihre Anlagen dagegen dicht an der ökologisch kritischen Küste.

Dem Standort kommt die vielleicht wichtigste Bedeutung zu, um ausufernde Umweltschäden zu vermeiden. In Ecuador legte man anfangs die Garnelenteiche auf Salzmarschen und einigen anderen dafür gut geeigneten Flächen an, die für das Funktionieren des lokalen Ökosystems und die Erhaltung der Artenvielfalt nicht ausgesprochen wichtig waren. Doch als solche Landstriche knapp wurden, drangen die Anlagen zunehmend in ökologisch wertvollere Biotope vor, nämlich in Feuchtgebiete und Mangrovensümpfe an den Küsten. In weiten Teilen Asiens, darunter in Thailand, war Garnelen-Aquakultur von Anfang an nicht auf Salzmarschen beschränkt; in Mangrovenzonen haben zwar größere Betriebe gewöhnlich keine Teichanlagen errichtet, wohl aber 40 Prozent der kleineren, denen es an Kapital – für Kanäle und Pumpanlagen etwa – oder an Weitsicht mangelte.

Wie Feuchtgebiete haben Mangrovenbestände jedoch eine ökologisch außerordentlich wichtige Funktion (Spektrum der Wissenschaft, Mai 1996, Seite 60). Sie nehmen zum Beispiel überschüssige Nährstoffe auf, die sonst die Küstengewässer belasten würden, und leisten damit einen bedeutenden Beitrag zur Reinhaltung der Umwelt; außerdem bieten die Sümpfe vielen Pflanzen- und Tierarten Lebensraum und sind die schützende Kinderstube vieler Meerestiere. Angesichts dessen ist es besorgniserregend, wenn nach Schätzungen der Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen bereits etwa die Hälfte aller Mangrovenwälder von der Erde verschwunden ist.

In den meisten Ländern fallen die Bäume in erster Linie dem Bedarf an Bau- und Brennholz zum Opfer. Wie andere Waldbestände müssen sie mancherorts dem Entwicklungsdruck weichen, der an der Küste oft am stärksten ist. Die Garnelenzucht hat an diesem Rückgang weltweit kaum 10 Prozent Anteil, in einigen Ländern aber bis zu 20 – und in manchen Flußmündungsgebieten sogar fast ausschließlichen (Bild 6).

Aufwendige Spezialhaltung


Es gibt im wesentlichen drei Methoden der Garnelen-Teichwirtschaft, die sich in der Besatzdichte unterscheiden, aber auch in der Art der Fütterung und in der Wasseraustauschrate mit dem Meer. In der sogenannten extensiven Aquakultur werden weniger als fünf Garnelen pro Quadratmeter Teichfläche produziert, in der intensiven 20 und mehr; bei der halbintensiven liegen die Zahlen irgendwo dazwischen. Im ersten Fall stellt man die Ernährung der Tiere allein durch Förderung des Algenwachstums mit Kunstdünger oder – nicht gerade hygienisch – Jauche sicher; zugefüttert wird hier nicht. Dagegen erfordern die beiden anderen Formen der Haltung tägliche Fütterung mit einem Granulat, das aus Pflanzen- und Fischmehl mit verschiedenen Zusätzen besteht und außerdem Bindemittel zur Stabilisierung der Körnchen im Wasser enthält. Nach einer 100- bis 120tägigen Mast erwirtschaftet die extensive Aquakultur weniger als eine Tonne Garnelen pro Hektar, die halbintensive ein bis zwei und die intensive zuweilen sogar acht oder mehr.

Für die Produktion von einem Kilogramm Lebendertrag muß man im Schnitt fast die doppelte Menge an Futtergranulat aufwenden – unter anderem, weil eine völlige Umwandlung von Nahrung in Körpermasse prinzipiell nicht möglich ist; außerdem bleiben selbst bei sorgfältig geregelten Fütterungssystemen mindestens 30 Prozent der ausgebrachten Menge ungefressen. Alles in allem wird gewöhnlich nicht einmal ein Viertel des organisch gebundenen Kohlenstoffs und anderer Nährstoffe im Futter in Form gemästeter Garnelen geerntet.

Zwangsläufig sammeln sich in den Teichen erhebliche Mengen von Abfallstoffen an: in Form von Exkrementen, Futterresten, Ammoniak, Phosphat und Kohlendioxid. Und dies wiederum regt das Wachstum von Schwebalgen (Phytoplankton) an, die nach ihrem Absterben auf den Grund sinken und unter hohem Sauerstoffverbrauch bakteriell zersetzt werden. In der herkömmlichen Aquakultur spült man darum die Teiche regelmäßig durch, auch um die Konzentration eventuell vorhandener Krankheitserreger zu verdünnen. So ergossen sich früher Tag für Tag 10 bis 30 Prozent des belasteten Wassers ins Meer. Heute kommen die meisten Garnelenfarmer mit zwei bis fünf Prozent aus, und es gibt sogar Bestrebungen, den Austausch gänzlich überflüssig zu machen: Man reduziert den Überschuß an Futter und beugt Krankheiten vor, indem man die Teiche weniger dicht und nur mit offensichtlich gesunden Tieren besetzt. Bei Intensivhaltung helfen Belüftungsanlagen, gefährlichen Sauerstoffmangel zu vermeiden.

Ins Teichwasser werden auch anorganische Stoffe ausgebracht, in erster Linie der erwähnte Kunstdünger zur Förderung erwünschten Algenwachstums (bei Extensivhaltung) sowie kohlensaurer und gebrannter Kalk zur Säureregulierung von Wasser und Bodengrund. In Asien werden darüber hinaus regelmäßig Zeolithe – poröse Minerale – zum Binden von Ammoniak zugesetzt, gelegentlich auch Calciumhypochlorit, Formalin und andere Verbindungen zum Abtöten von Krankheitserregern und Parasiten.

Was die Garnelenfarmen insgesamt an Schadstoffmengen in die Umwelt entlassen, übersteigt mancherorts bereits die Selbstreinigungskraft der umgebenden Küstengewässer, insbesondere, wenn sich zu viele Anlagen auf ein Gebiet konzentrieren; dabei müssen die Abflüsse der einzelnen Teiche nicht einmal übermäßig belastet sein – die Summe macht es. Die Folge ist dann oft eine unerwünschte Überdüngung (Eutrophierung) der küstennahen Gewässer, deren Auswirkungen alle Anlieger unmittelbar zu spüren bekommen, auch die Garnelenproduzenten, die sich dann mit der Verschmutzung ihrer natürlichen Wasserresource konfrontiert sehen.

Wo solche Probleme bestehen, breiten sich zudem leicht Viruserkrankungen unter den Tieren aus. In China und Taiwan sind deshalb große Teile der Garnelenproduktion zusammengebrochen, und auch in Thailand, Indien und Ecuador hat man damit schwer zu kämpfen. Mit Lieferungen infizierter Garnelen aus Brutstationen oder sogar mit roh verarbeiteter Tiefkühlware können die Erreger auf andere Länder und Erdteile übergreifen.

Inzwischen weiß man diese Seuchen auf verschiedene Weise zu bekämpfen. Den Farmern stehen beispielsweise Testverfahren zur Verfügung, mit denen sie ihre aus Brutstationen bezogenen Larven auf gefährliche Virosen überprüfen können. Wie die Bestände infizierter Teiche zu vernichten sind, um Seuchen einzudämmen, ist ebenfalls bekannt. Einige Brutstationen gehen bereits bei der Zucht der künftigen Elterntiere besonders sorgfältig vor, um gesunde Nachkommenschaft zu gewährleisten. Solche Fortschritte sind zu begrüßen. Bedenklich ist jedoch eine andere Maßnahme: Manche Farmer verwenden mittlerweile Futter gleich mit Medikamentenzusätzen, was der Vermehrung antibiotika-resistenter Bakterien Vorschub leisten kann oder die lokale Mikroorganismenflora in anderer Weise aus dem Gleichgewicht bringt (Spektrum der Wissenschaft, Mai 1998, Seite 34).





Fällige Verbesserungen


Seit kurzem beginnen die Betreiber von Aquakulturen ökologische Bedenken zu berücksichtigen. Viele der Empfehlungen liegen eigentlich auf der Hand. So sollte etwa verboten werden, Abwässer in vorwiegend Süßwasser führende Gewässer einzuleiten oder auf trockenes Land fließen und versickern zu lassen. Ferner sollte man keine Garnelenteiche auf sandigem Untergrund anlegen, ohne sie mit einer undurchlässigen Lehmschicht oder Kunststoffolie auszukleiden – sonst kann ihr Salzwasser ins Grundwasser einsickern. Überhaupt lassen sich Umweltschäden – zumindest bei neu zu errichtenden Anlagen – wohl am einfachsten von vornherein durch richtige Wahl des Standorts begrenzen. Mangrovenwälder oder sogar wattartige Bereiche dafür anzutasten ist durch nichts zu rechtfertigen. Das Gelände eignet sich nicht zur nachhaltigen Teichwirtschaft: Die weichen Böden, die ohnehin oft keine langfristige Shrimps-Produktion zulassen, werden bei Stürmen leicht zum Spielball des Wassers.

Die meisten großen Garnelenproduzenten haben die Zeichen der Zeit erkannt und verzichten auf Rodungen in den Mangrovenwäldern – damit erweisen sie sich selbst und der Umwelt einen Dienst. Die Betriebe werden mit etwas Abstand von der Küste errichtet und durch Rohrleitungen oder Kanäle mit Meerwasser versorgt (Kasten auf Seite 52). Kleinere Farmer schließen sich oft in Kooperativen zusammen, um Ressourcen und Wissen zu teilen und so verantwortungsbewußter zu wirtschaften. In Indonesien sind einige Großproduzenten sogar verpflichtet, die kleinen Farmen beim Bewirtschaften der Teiche zu unterstützen. Derlei Maßnahmen müssen dringend ausgeweitet werden.

Selbst unter Profitaspekten sollten die Vorzüge umweltschonender Praktiken einleuchten: Der Bau einer ordent-lichen Teichanlage kostet 10000 bis 50000 Dollar pro Hektar. Müßte sie aufgrund eines ungeeigneten Standortes schon nach wenigen Jahren aufgegeben werden, so käme sie nicht nur der Umwelt, sondern auch ihrem Besitzer teuer zu stehen. Er würde also gut daran tun, von vornherein einen günstigen Platz außerhalb der Mangrovensümpfe zu suchen.

Weitere einfache Maßnahmen wären ökologisch wie auch ökonomisch sinnvoll. Abgehen müßte man beispielsweise von der Praktik, in den Teichanlagen ein- bis zweimal täglich große Mengen Futter auszustreuen – mehrere kleine Portionen, serviert in kürzeren Abständen und in flachen Trögen, würde Futtermittel sparen und weniger Abfall verursachen (Kasten auf Seite 53). Dieser läßt sich noch weiter durch eine bessere Zusammensetzung des Futters mindern: Weniger Fischmehl zugunsten von pflanzlichem Protein macht das Ganze leichter verdaulich und offenbar auch länger im Wasser haltbar. Investitionen hierfür würden das übermäßige Abfischen der Meere nach Garnelenfutter eindämmen, die Ausgaben der Teichwirte für Futtermittel senken, die Umweltverschmutzung begrenzen und einiges an Sanierungskosten ersparen. Unter dem Strich verhieße das mehr Gewinn.

Verringern läßt sich die Wasserverschmutzung auch noch auf andere Weise: indem man eine Überbesetzung vermeidet und den freien Wasseraustausch mit dem Meer einschränkt. Bei angepaßter Besatzdichte wird ein großer Teil der Abfallstoffe auf natürliche Weise im Bodengrund gebunden und umgesetzt. Zum "Ernten" der Garnelen müssen zwar nach gängiger Praxis die Teiche abgelassen werden, doch wäre es ein leichtes, das Wasser durch Absetzbecken zu leiten. Dort würde nicht nur eine verstärkte Denitrifikation stattfinden (ein natürlicher Abbau düngender Stickstoffverbindungen durch Bakterien), sondern das Wasser auch von vielen Schadstoffen geklärt, die an Schwebteilchen gebunden sind. Das unnötige, aber lange praktizierte Herabsetzen des Salzgehaltes in den Garnelenteichen durch Zumischen von Süßwasser ist zum Glück kaum mehr anzutreffen; es geht zu Lasten der Trinkwasservorräte und sollte daher verboten werden.

Bedrohungen der Artenvielfalt anzugehen ist schon schwieriger. Viel wäre bereits gewonnen, wenn die Farmer auf Wild-Larven verzichteten, genaue Regelungen für den Import von Zucht- und Jungtieren träfen und jeweils ausschließlich einheimische Arten hielten. Sie könnten auch durch Schutzgitter vor den Ansaugrohren verhindern, daß sich größere freilebende Meerestiere immer wieder in den Pumpen verfangen.

Eine überlegtere Verwendung chemischer Zusätze in den Teichen ist ebenfalls anzustreben. Die meisten davon haben sich zwar als sicher erwiesen, doch erforderlich sind normalerweise nur Düngekalk, gebrannter Kalk und Kunstdünger. Das Verabreichen von Antibiotika ist nur selten nötig und müßte gewissen Vorschriften unterliegen: Amtliche Stellen sollten die Präparate bewerten und potentiell schädliche verbieten – oder zumindest sicherstellen, daß sachgerecht damit umgegangen wird.

Vor dem Bau neuer Garnelenfarmen sollten die Behörden eingehendere Gutachten über ökologische und soziale Auswirkungen verlangen. Die betroffenen Kommunen könnten dann mögliche Umweltgefährdungen sowie Konflikte um den Verbrauch an Land und Wasser bereits im Vorfeld erkennen. Dabei dürften die Behörden es allerdings nicht bewenden lassen: Sie müssen dafür sorgen, daß die anfänglichen Schutzbemühungen nicht mit der Zeit erlahmen.

Zwar sind Umweltverträglichkeitsprüfungen für neue Vorhaben gut und wichtig, bei vielen Besitzern bereits bestehender Garnelenfarmen geht es aber eindeutig darum, sich von gewohnten Wirtschaftsweisen zu trennen, und das ist nur mit "Zuckerbrot und Peitsche" durchzusetzen. Ein Teil wird durchaus selber die Notwendigkeit nachhaltigerer Methoden einsehen, den anderen wird man durch Vorschriften zwingen müssen. Dabei sollte der Wandel, der sich hier bereits abzeichnet, eigentlich von allen Garnelenfarmern begrüßt werden. Der Einsatz neuer Technologien verspricht eine Senkung des Wasserverbrauchs und eine längere Nutzung der Teiche. Von Verbesserungen in der Garnelenzüchtung sind neue Rassen mit erhöhter Krankheitsresistenz zu erwarten. Die Umstellung auf bessere Wirtschaftspraktiken wird zwar den Produzenten zunächst gewisse Mehrkosten verursachen, sich aber auf lange Sicht aufgrund der höheren Effizienz und längeren Lebensdauer der Anlagen auszahlen.

Die Kritik der Umweltschützer scheint bereits zu fruchten, und wir sind zuversichtlich, daß Garnelen-Aquakulturen künftig wesentlich umweltschonender betrieben werden; tatsächlich sind viele neuere in dieser Hinsicht schon besser als die älteren. Bis die Shrimps-Industrie als Ganzes allerdings Standards genügt, die einen dauerhaften florierenden Betrieb an einem Ort zuließen, bleibt noch viel zu tun.

Literaturhinweise

– World Shrimp Farming 1996. Von Robert Rosenberry. Shrimp News International, San Diego, 1996.
– Shrimp Farming and the Environment: A White Paper. Von C. E. Boyd. Shrimp Council, National Fisheries Institute, Arlington, Virginia, 1996.
– Market Potentials for Redressing the Environmental Impact of Wild-Captured and Pond-Produced Shrimp. Von Jason W. Clay. Word Wildlife Fund, Washington, D. C., 1997.
– Towards Sustainable Shrimp Aquaculture. Von Jason W. Clay in: World Aquaculture, Band 28, Heft 3, Seiten 32 bis 37, 1997


Aus: Spektrum der Wissenschaft 8 / 1998, Seite 46
© Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH
8 / 1998

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum der Wissenschaft 8 / 1998

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