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Psychologie: Unter Hypnose

Oft belächelt oder mystisch verklärt erobert sich die Hypnose einen festen Platz unter den therapeutischen Verfahren - etwa zur Schmerzbekämpfung oder bei psychosomatischen Störungen.


In einem viktorianischen Salon lässt ein älterer, vornehmer Herr seine Taschenuhr vor dem Gesicht einer jungen Frau hin- und herschwingen. Ihr Blick folgt der Pendelbewegung. Sekunden später sinkt sie in ihrem Stuhl zusammen. Monoton antwortet sie auf Fragen, die Augen geschlossen. Wie auf Kommando hebt die Frau einen Arm, der scheinbar mühelos emporschwebt.

Jeder kennt solche Darstellungen der Hypnose aus Film und Fernsehen. Kaum fällt dieser Begriff, assoziieren viele pendelnde Taschenuhren. Kein Wunder, dass Hypnose häufig als Scharlatanerie abgetan wurde. Dabei dient sie mittlerweile recht erfolgreich zur Linderung chronischer Schmerzen, zur Behandlung von Angstzuständen und unterstützt die Genesung nach ambulanten Operationen.

In den vergangenen vierzig Jahren entwickelte die Wissenschaft Instrumente und Methoden, um zwischen Fakten und Mythen zu unterscheiden. Inzwischen ist die Untersuchung hypnotischer Phänomene ein Teil der Kognitionsforschung, die sich mit der Verarbeitung, Speicherung und Nutzung von Sinnesinformationen befasst. Natürlich gibt es immer noch spektakuläre Bühnenvorführungen zur reinen Unterhaltung. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen jedoch, dass hypnotische Suggestionen, richtig eingesetzt, so unterschiedliche kognitive Prozesse wie Gedächtnis und Schmerzwahrnehmung beeinflussen können. Sicher ist auch: In der Sitzung richtet der Hypnotisierte seine gesamte Wahrnehmung auf den Hypnotiseur, zwischen beiden entsteht eine emotionale Wechselbeziehung. Vom Hypnotiseur vorgegebene Reize werden deshalb besonders intensiv aufgenommen und damit zur Suggestion, zum wirksamen Einfluss.

Um dieses Phänomen regelgerecht zu vermessen, entwickelten die an der Universität Stanford (Kalifornien) tätigen Psychologen André M. Weizenhoffer und Ernest R. Hilgard gegen Ende der 1950er Jahre die so genannte Stanford-Skala (Stanford Hypnotic Susceptibility Scales). Die Empfänglichkeit einer Person für die Hypnose lässt sich damit anhand standardisierter Tests ermitteln. Beispielsweise wird sie im Laufe einer Sitzung gebeten, einen Arm auszustrecken. Sagt man ihr nun, sie halte einen sehr schweren Ball, sollte der Arm bei wirksamer Suggestion herabsinken. In einem weiteren Test teilt der Hypnotiseur dem Probanden mit, er habe keinen Geruchssinn mehr, und wedelt dann mit einem Fläschchen Ammoniak unter seiner Nase. Reagiert der Angesprochene nicht, wirkt offenbar die Suggestion, andernfalls würde er das Gesicht verziehen und zurückweichen.

Die Stanford-Skala reicht von dem Wert null für Personen, die auf keine der hypnotischen Suggestionen reagieren, bis zu zwölf für Probanden, bei denen alle wirken. Die meisten Menschen liegen im mittleren Bereich der Skala zwischen fünf und sieben; 95 Prozent der Bevölkerung erreichen einen Wert von mindestens eins.

Untersuchungen, die sich auf die Stanford-Skala stützen, erhellen inzwischen einige grundlegende Prinzipien der Hypnose. So gilt es mittlerweile als sicher, dass der individuelle Wert auf dieser Skala im Lauf des Lebens mindestens so stabil bleibt wie der Intelligenzquotient. Auch Hilgards ursprüngliche Probanden zeigten nach 10, 15 oder 25 Jahren etwa dieselbe Empfänglichkeit wie beim ersten Test. Einige Befunde deuten auf eine erbliche Komponente der Hypnotisierbarkeit hin: Eineiige Zwillinge haben eher den gleichen Stanford-Wert als gleichgeschlechtliche zweieiige.

Die Empfänglichkeit eines Menschen für Hypnose bleibt auch – unabhängig vom jeweiligen Hypnotiseur – ziemlich konsistent: Dessen Geschlecht, Alter oder Erfahrung wirken sich nur wenig oder gar nicht aus. Erstaunlicherweise spielt auch die Motivation der Probanden kaum eine Rolle: Ein für Hypnose hoch empfänglicher Mensch lässt sich unter den unterschiedlichsten experimentellen Bedingungen oder in den verschiedensten therapeutischen Settings hypnotisieren, während ein weniger empfänglicher Mensch, auch wenn er sich noch so bemüht, nicht reagiert. (Negative Einstellungen und Erwartungen können allerdings die Hypnosefähigkeit generell mindern).

Zu den großen Überraschungen gehört auch, dass zwischen Hypnotisierbarkeit und Persönlichkeitsmerkmalen wie Leichtgläubigkeit, Hysterie, Psychopathologie, Vertrauen, Aggressivität, Unterwürfigkeit, Fantasie oder sozialer Anpassungsbereitschaft vermutlich kein Zusammenhang besteht. Eine gewisse Beziehung liegt jedoch offenbar zu der Fähigkeit eines Menschen vor, sich in ein Buch zu versenken, intensiv Musik zu hören oder sich in Tagträumen zu verlieren.

Nur ein Mythos ist, dass sich Menschen unter Hypnose wie passive Automaten verhalten. Vielmehr agieren sie als aktive Problemlöser, die ihre moralischen und kulturellen Vorstellungen in ihr Verhalten integrieren. Gleichzeitig reagieren Hypnotisierte ausgesprochen sensibel auf Erwartungen, die der Versuchsleiter formuliert. Allerdings erleben Probanden das hypnotisch suggerierte Verhalten tatsächlich nicht als etwas aktiv Vollzogenes. Im Gegenteil – meist wird es als mühelos erfahren, als etwas, das einfach geschieht. Menschen, die hypnotisiert wurden, kommentieren ihr Erleben oft wie "Meine Hand wurde schwer und senkte sich ganz von allein" oder "Plötzlich war der Schmerz verschwunden".

Völlig losgelöst im Hier und Jetzt

Viele Wissenschaftler sind inzwischen der Meinung, dass ein solches losgelöstes Reagieren das Wesen der Hypnose ausmacht. Auf die Suggestion hin bewegen sich die Probanden, ohne es bewusst zu wollen, nehmen einen schmerzhaften Reiz nicht wahr oder vergessen vorübergehend etwas, das sie sonst immer wissen. Natürlich geschieht so etwas auch außerhalb der Hypnose – gelegentlich im Alltag, oder in dramatischeren Formen auch bei bestimmten psychiatrischen und neurologischen Störungen.

Im Labor lassen sich durch Hypnose zudem diverse psychische Effekte erzeugen: vorübergehende Halluzinationen, Zwänge, Gedächtnisverlust, falsche Erinnerungen und Wahnvorstellungen. So kann ein Psychologe diese Phänomene in einer kontrollierten Umgebung an Freiwilligen untersuchen.

Mittlerweile wurden auch einige skeptische Einwände ausgeräumt. Etwa der, dass Hypnose nur Ausdruck einer lebhaften Fantasie sei. Viele fantasievolle Menschen lassen sich sogar nur schlecht hypnotisieren; alles in allem ist ein Zusammenhang zwischen den beiden Merkmalen nicht nachweisbar.

Dieses Vorurteil rührt vermutlich daher, dass unter Hypnose manche Menschen erstaunlich realistische Halluzinationen erleben. Dass hier sauber unterschieden werden muss, zeigten Henry Szechtman von der McMaster-University in Ontario (Kanada) sowie seine Kollegen im Jahre 1998 mit Hilfe der Positronenemissions-Tomographie (PET), einem bildgebenden Verfahren, welches den Hirnstoffwechsel indirekt misst. Offensichtlich sprechen unterschiedliche Gehirnregionen an, wenn ein Proband aufgefordert wird, sich einen Ton nur vorzustellen oder diesen unter Hypnose zu halluzinieren.

Die Wissenschaftler untersuchten die Hirnaktivität von acht Probanden mit hohen Stanford-Werten, die fähig waren, unter Hypnose zu halluzinieren. Während des Tests lagen die Freiwilligen mit verbundenen Augen in einem PET-Scanner. Ihre Hirnaktivität wurde unter vier Bedingungen überprüft: in Ruhe; beim Hören einer Stimme von Band; wenn sie sich vorstellten, sie hörten sie erneut sowie während der auditiven Halluzination, die sie erlebten, nachdem man ihnen gesagt hatte, das Band werde noch einmal abgespielt, obwohl es nicht abgespielt wurde.

Die Tests ergaben, dass eine bestimmte Hirnregion (rechte vordere cinguläre Hirnrinde) während der Halluzinationen ebenso aktiv war wie beim Abspielen des Bandes. Das war jedoch nicht der Fall, wenn sich die Probanden nur vorstellten, sie würden den Stimulus hören. Offenbar hatte diese Hirnregion die halluzinierte Stimme als real, das heißt, von außen kommend, wahrgenommen.

Gegner der Hypnose bezweifeln, dass sie Schmerzen zu lindern vermag. Entsprechende Berichte erklären sie schlicht durch einen Entspannungs- oder einen Placebo-Effekt. Auch gegen diese Annahmen sprechen Experimente, darunter die schon klassisch zu nennende Studie von Thomas H. McGlashan und seinen Kollegen von der Universität von Pennsylvania in Philadelphia aus dem Jahre 1969. Die Wissenschaftler stellten fest, dass bei schlecht hypnotisierbaren Personen Hypnose Schmerzen immerhin ebenso erfolgreich linderte wie eine als starke Schmerztablette verabreichte Zuckerpille. Personen mit hohen Stanford-Werten hingegen sprachen drei Mal besser auf Hypnose an als auf das Placebo.

Gegen diese Annahme einer "Schmerzlinderung durch Entspannung" sprach eine Untersuchung von Ernest R. Hilgard und seiner Kollegin Éva I. Bányai von 1976: Demnach waren Probanden in gleicher Weise für hypnotische Suggestionen empfänglich, ob sie nun in entspannender Umgebung oder heftig auf einem Heimtrainer strampelnd hypnotisiert worden waren. (Eine geräuscharme, beruhigende und optisch leicht gedämpfte Atmosphäre soll nach allgemeiner Meinung aber der Hypnose förderlich sein. Die Redaktion)

Besser als Placebos

1997 versuchten Pierre Rainville von der Universität Montreal (Kanada) und seine Kollegen zu klären, welche Gehirnstrukturen an der Schmerzlinderung durch Hypnose beteiligt sind. In diesem Fall offenbarte die PET eine Dämpfung der Aktivität der schon erwähnten vorderen cingulären Hirnrinde, die am Erleben von Schmerzen beteiligt ist. Die so genannte somatosensorische Hirnrinde, in der die vom Körper eintreffenden Schmerzsignale verarbeitet werden, zeigte hingegen keine Reaktion. Dazu passen Beobachtungen, wonach die meisten körperlichen Reaktionen bei Schmerz – etwa eine erhöhte Herzfrequenz – von hypnotischen Suggestionen relativ unbeeinflusst bleiben. Viele Wissenschaftler plädieren deshalb heute für die Annahme, Hypnose blockiere den Schmerz über eine Wirkung auf höhere Gehirnregionen.

Aber können Menschen nicht bloß vorgeben, sie seien hypnotisiert, nur um die Wissenschaftler zu täuschen? Zwei grundlegende Studien räumten auch diesen Verdacht aus. In einem 1971 durchgeführten Experiment, bekannt unter dem Titel The Disappearing Hypnotist (Der verschwundene Hypnotiseur), verglichen Frederick Evans und Martin T. Orne von der Universität von Pennsylvania die Reaktionen von zwei Gruppen von Versuchspersonen: Eine Gruppe bestand aus bekanntermaßen hypnotisierbaren Personen, eine zweite aus Personen, denen man sagte, sie sollten nur so tun, als seien sie hypnotisiert. Ein Versuchsleiter, der die genaue Aufteilung nicht kannte, führte ein routinemäßiges Hypnoseverfahren durch, wurde aber durch einen fingierten Stromausfall unterbrochen. Als er den Raum verließ, um nach dem Rechten zu sehen, brachen diejenigen Personen, die nur so taten, als seien sie hypnotisiert, sofort ihre vorgetäuschte Hypnose ab: Sie öffneten die Augen, sahen sich im Raum um und stellten in jeder Hinsicht das vorgetäuschte Verhalten ein. Die wirklich hypnotisierten Personen hingegen beendeten ihre Hypnose langsam und mit einiger Mühe selbst.

Simulanten neigen außerdem dazu, ihre Rolle zu übertreiben. Wenn solchen Versuchspersonen befohlen wird, sie sollten bestimmte Aspekte der Hypnose-Sitzung vergessen, behaupten sie oft allzu entschieden, sie hätten alles vergessen, oder aber sie berichten von merkwürdigen Erfahrungen, die von wirklich hypnotisierten Personen nur selten oder nie berichtet werden. Taru Kinnunen, Harold S. Zamansky und ihre Mitarbeiter von der Northeastern-Universität in Boston (Massachusetts) konnte Simulanten mit traditionellen Lügendetektor-Tests überführen. Wirklich hypnotisierte Personen beantworten Fragen nach den physiologischen Reaktionen im Allgemeinen wahrheitsgetreu.

Zu den Mythen gehört auch die Vorstellung, unter Hypnose könnten sich Erwachsene an Erlebnisse aus ihrer frühen Kindheit erinnern. Der Irrtum geht von den Hypnotisierten aus. Normalerweise erkennen Menschen ziemlich genau, ob ein Ereignis tatsächlich oder aber nur in ihrer Vorstellung stattgefunden hat. Einer der offensichtlich wichtigsten Hinweise ist die mit dem Erlebnis verbundene mentale Anstrengung. War sie hoch, so interpretieren wir es tendenziell als etwas, das nur in unserer Vorstellung existiert, und umgekehrt. Da Mühelosigkeit aber gerade ein Kennzeichen der Hypnose ist, neigen hypnotisierte Personen vermutlich dazu, ein nur fantasiertes vergangenes Ereignis für eine echte Erinnerung zu halten. Solche "false memories" kommen aber auch ohne Hypnose häufiger vor (Spektrum der Wissenschaft 1/1998, S. 62).

Effektivere Therapie psychosomatischer Störungen

Wenn leicht hypnotisierbaren Erwachsenen im Verlauf einer Sitzung suggeriert wurde, sie sollten in ihre Kindheit regredieren, verhielten sie sich tatsächlich oft kindlich und sehr emotional. Nach ihrem Erwachen waren sie überzeugt, Kindheitsereignisse wiedererlebt zu haben. Tatsächlich waren ihre Reaktionen hinsichtlich Verhalten, Emotionen, Wahrnehmung, Vokabular oder Denkmuster aber keineswegs kindlich, sondern entsprachen denen eines Erwachsenen, der ein Kind spielt. Hypnose ermöglicht uns leider nicht, Jahrzehnte alte Erinnerungen auszugraben.

Was also ist der medizinische Nutzen der Hypnose? 1996 bewertete eine Expertengruppe der Nationalen Gesundheitsinstitute der USA in Bethesda (Maryland) die Hypnose als effiziente Therapiemethode zur Linderung von Krebsschmerzen und anderen chronischen Schmerzzuständen. Ebenso deuten umfangreiche klinische Studien darauf hin, dass Hypnose auch akute Schmerzen dämpft, etwa bei der Behandlung von Brandwunden oder Wehenschmerzen. Eine so genannte Meta-Analyse (eine Auswertung verschiedener Studien), die vor kurzem in einer Sonderausgabe des International Journal of Clinical and Experimental Hypnosis veröffentlicht wurde, kam zu dem Ergebnis, dass hypnotische Suggestionen die Schmerzen von 75 Prozent der 933 Teilnehmer an 27 verschiedenen Experimenten verringerten. Diese Wirkung ist oft sehr stark, übertrifft mitunter sogar die von Morphium. Die amerikanische Gesellschaft für klinische und experimentelle Hypnose warnt aber davor, Hypnose als einzige medizinische oder psychologische Therapieform einzusetzen.

Bei bestimmten Störungen kann sie aber die Wirkung einer Psychotherapie unterstützen. In einer weiteren Meta-Analyse wurde festgestellt, dass Patienten, die bei Störungen wie Fettsucht, Schlafstörungen, Angststörungen und Bluthochdruck eine kognitive Verhaltenstherapie und zusätzlich eine Hypnose erhielten, eine deutlichere Besserung zeigten als siebzig Prozent der nur psychotherapeutisch behandelten Patienten. Nach der Veröffentlichung dieser Ergebnisse bestätigte die Vereinigung der Psychologen Amerikas die Eignung der Hypnose als begleitende Therapie bei der Behandlung von Adipositas. Ungeklärt ist bisher ihr unterstützender Einfluss bei anderen Störungen mit einer Verhaltenskomponente. Drogenabhängige und Alkoholiker sprechen auf Hypnose nicht besonders gut an, und die positive Wirkungen bei der Raucherentwöhnung sind bisher nicht eindeutig belegt.

Vor mehr als dreißig Jahren prophezeite der Psychologe Hilgard, dass Wissenschaftler die Hypnose eines Tages routinemäßig nutzen würden, um Phänomene wie Halluzinationen, Schmerz oder Gedächtnis zu untersuchen. So in der Forschung verankert, würde ein klinischer Einsatz bei spezifischen Problemen selbstverständlich werden. An diesem Punkt sind wir zwar noch nicht angelangt. Dennoch hat sich die Hypnose schon weit von der pendelnden Taschenuhr entfernt.

Literaturhinweise


Die therapeutische Hypnose. Von Günter Hole in: Deutsches Ärzteblatt 94, Heft 49 (1997), S. A-3351.

Contemporary Hypnosis Research. Von Erika Fromm und Michael R. Nash. Guilford Press, 1992.

Hypnosis for the Seriously Curious. Von Kenneth Bowers. W. W. Norton, 1983.


STECKBRIEF


- Hypnose ist ein spezifischer Bewusstseinszustand, der erhebliches Potenzial für Therapien und die Kognitionsforschung birgt.
– Der Hypnose werden einerseits geradezu übernatürliche Wirkungen zugeschrieben, andererseits sprechen ihr Skeptiker jegliche Eigenständigkeit ab.
– Durch standardisierte Tests sowie neurologische Untersuchungen, etwa auch mit bildgebenden Verfahren, wird das Phänomen Hypnose wissenschaftlich ergründet.


Mythos und Realität


Das Vorurteil

Hypnose ist ein Ausdruck lebhafter Fantasie.

Entspannung ist ein wichtiger Teil der Hypnose.

Entscheidend ist die Bereitschaft, sich hypnotisieren zu lassen.

Scheinbar hypnotisierte Personen täuschen dies nur vor.

Hypnose ist gefährlich.

Hypnose ist ein schlafähnlicher Zustand.

Auf Hypnose zu reagieren ist dasselbe, wie auf ein Placebo zu reagieren.

Personen mit einem bestimmten Persönlichkeitstypus sind leichter hypnotisierbar.

Wer unter Hypnose steht, verliert die Selbstkontrolle.

Unter Hypnose kann man seine Vergangenheit noch einmal erleben.

Die Hypnotisierbarkeit hängt vom jeweils angewandten Verfahren und von der Person des Hypnotiseurs ab.

Unter Hypnose funktioniert das Gedächtnis besser.

Hypnotisierte können dazu verleitet werden, Dinge zu tun, die ihren Grundüberzeugungen widersprechen.

Hypnotisierte Personen erinnern sich nicht an das, was in der Sitzung geschehen ist.

Hypnose kann Menschen dazu befähigen, im Hinblick auf Stärke, Ausdauer, Lernfähigkeit und Schärfe der Wahrnehmung Leistungen zu vollbringen, die ihnen anders nicht möglich gewesen wären.

Die Wahrheit

Die Fähigkeit, sich etwas lebhaft vorzustellen, hat nichts mit der Hypnotisierbarkeit zu tun.

Hypnose kann auch bei heftiger körperlicher Bewegung durchgeführt werden.

Viele hoch motivierte Versuchspersonen sind nicht hypnotisierbar.

Physiologische Reaktionen zeigen, dass Hypnotisierte nicht lügen.

Die üblichen Hypnoseverfahren sind nicht gefährlicher als ein Vortrag.

Hypnotisierte sind hellwach.

Reaktionsbereitschaft auf Placebos und Hypnotisierbarkeit korrelieren nicht miteinander.

Es gibt keine signifikanten Korrelationen zwischen Persönlichkeit und Hypnotisierbarkeit.

Hypnotisierte können ohne weiteres "nein" sagen oder die Hypnose beenden.

Im Alter regredierte, also in die Kindheit zurückversetzte Erwachsene verhalten sich unter Hypnose wie Erwachsene, die auf der Bühne die Rolle eines Kindes spielen.

Unter Laborbedingungen ist beides nicht wichtig. Entscheidend ist die Hypnosefähigkeit der jeweiligen Person.

Hypnose kann die Grenze zwischen Erinnerung und Fantasie verwischen und künstlich die Überzeugung entstehen lassen, dass die Vorstellungen real sind.

Hypnotisierte Personen orientieren sich grundsätzlich an ihren moralischen Wertvorstellungen.

Eine posthypnotische Amnesie kommt nicht spontan vor.

Nach hypnotischen Suggestionen im Hinblick auf stärkere Muskelkraft, Lernfähigkeit und Wahrnehmungsschärfe liegt die jeweilige Leistung nicht höher als bei motivierten Personen ohne Hypnose.

Aus: Spektrum der Wissenschaft 12 / 2001, Seite 70
© Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH
12 / 2001

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum der Wissenschaft 12 / 2001

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