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Uralte Virus-DNA im menschlichen Erbgut


Etwa drei Prozent des menschlichen Erbguts stammen von Viren. Dazu zählen auch die etwa 50 weitgehend inaktiven Proviren von HERV-K, einem Retrovirus wie dem AIDS-Erreger HIV, der aber aus einer anderen Gruppe hervorgeht. Wie Bryan Cullen und seine Kollegen vom Howard Hughes Medical Institute der Duke-Universität in Durham (North Carolina) nun entdeckt haben, benutzen HERV-K und HIV sehr ähnliche Mechanismen, um ihre Boten-RNA aus dem Kern der Wirtszelle in das Cytoplasma zu transportieren. Bei HIV übernimmt diese Aufgabe das virale Protein Rev in Zusammenarbeit mit dem menschlichen Protein Crm1. K-Rev, das analoge Gegenstück bei HERV-K, bindet sich ebenfalls an Crm1, obwohl es sich in der Struktur deutlich von Rev unterscheidet. Die Forscher vermuten entweder eine zufällige Übertragung des entsprechenden genetischen Materials zwischen beiden Virengruppen in der Vergangenheit oder aber einen gemeinsamen Vorfahren. Letzteres wäre sehr erstaunlich angesichts der Hinweise, daß sich HERV-K bereits vor rund 30 Millionen Jahren in unserer gemeinsamen Abstammungslinie mit den Altweltaffen festgesetzt hat. (Proceedings of the National Academy of Sciences, Bd. 96, Heft 23, S. 13404)


Aus: Spektrum der Wissenschaft 1 / 2000, Seite 12
© Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH
1 / 2000

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum der Wissenschaft 1 / 2000

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