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Geologie: Uralter Erdmantel



Kein Bestandteil der festen Erdschale ist vergänglicher als die ozeanische Kruste. Aus aufquellendem Magma inmitten der Weltmeere erstarrt, wandert sie zu den Rändern der Kontinente, taucht unter sie ab und löst sich im Erdmantel wieder auf. Alte ozeanische Kruste zu erforschen wäre deshalb unmöglich, hätte sich nicht gelegentlich ein Stück davon über einen Kontinentalrand statt darunter geschoben. In diesem Fall bleibt der einstige Meeresboden als so genannter Ophiolith-Komplex erhalten – und liefert den Beweis dafür, dass auch zur Zeit seiner Entstehung bereits ein Recycling der Erdkruste und damit Plattentektonik stattfand. Vor zwei Jahren entdeckten Forscher nordöstlich von Peking den ältesten bekannten Ophiolithen, der sich vor 2,5 Milliarden Jahren gebildet hat – 500 Millionen Jahre früher als der bis dahin gültige Rekordhalter. Nun machte Jianghai Li von der Universität Peking eine noch sensationellere Entdeckung: An der Unterseite des Ophio-lithen stießen er und seine Kollegen auf ein hundert Kilometer langes Stück ehemaligen Erdmantels. Es enthält das Mineral Chromit in einer typisch deformierten Form, wie sie von aufsteigendem Magma erzeugt wird – ein Schnappschuss der Plattentektonik aus einer Zeit, als die Erde halb so alt war wie heute. (GSA Today, Bd. 12, S. 4)

Aus: Spektrum der Wissenschaft 9 / 2002, Seite 43
© Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH

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