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Stadtleben: Urbane Seelennöte

Rund um den Globus nimmt die Verstädterung seit ­Jahrzehnten zu. Gleichzeitig mehren sich Hinweise darauf, dass das Leben in Ballungszentren die Psyche belastet. ­Andreas Meyer-Lindenberg vom Mannheimer Zentral­institut für Seelische Gesundheit erklärt, was im Gehirn ­gestresster Großstädter schiefläuft.
Gedränge und Hektik kennzeichnen das Leben in der Großstadt.Laden...

Die kulturellen Umwälzungen der Renaissance, die industrielle Revolution, ja auch die politischen Bewegungen des 19. und 20. Jahrhunderts – all dies wäre ohne Städte undenkbar gewesen. Die Urbanisierung zählt sicherlich zu den größten Veränderungen, welche die Menschheit je durchgemacht hat. Heute lebt bereits mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung in Städten; bis 2050 werden es zwei Drittel sein. Während Europa und Nordamerika schon weit gehend verstädtert sind, wird die Urbanisierung in Südamerika oder Asien in den nächs­ten Jahren so rasch voranschreiten, dass etwa in China jedes Jahr Megastädte um mehr als zehn Millionen Menschen anwachsen.
Ist das urbane Leben aber auch gesund? Dies scheint auf den ersten Blick tatsächlich der Fall zu sein: Verglichen mit Landbewohnern geht es Städtern weltweit im Schnitt zumindest finan­ziell besser, sie können leichter auf Gesundheitsvorsorge und Krankenbehandlung zurückgreifen, und sie sind besser ernährt. Dem stehen jedoch Lärm, räumliche Enge und Hektik gegenüber. Nicht zu vernachlässigen ist auch die so­ziale Fragmentierung, also der Verlust direkter familiärer Bezugspersonen. So ergibt sich ein komplexes Gefüge von Risiko- und Schutzfaktoren, deren biologische und psychologische Wirkmechanismen wir bislang nur unzureichend verstehen.
Schon seit vielen Jahrzehnten wissen Psychologen, dass das Leben in einer Großstadt die seelische Gesundheit belastet – etliche schwere psychische Erkrankungen treten hier verstärkt auf ...

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  • Quellen

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Takahashi, T. et al.: Perigenual Cingulate Gyrus Volume in Patients with Schizophrenia: A Magnetic Resonance Imaging Study. In: Biological Psychiatry 53, S. 593-600, 2003

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