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Familie im Mittelalter: Vater, Mutter, Kind

Die Menschen des Mittelalters lebten meist in Großfamilien. Von dieser Vorstellung gingen Wissenschaftler lange Zeit aus. Mittlerweile wissen wir, dass sie ein Mythos ist. Denn schon damals wohnten in der Regel nur Eltern und Kinder unter einem Dach. Heute untersuchen Mediävisten, wie konfliktanfällig diese Kernfamilien waren und welche soziale Bedeutung Freundschaften hatten.
"Johann, unser Sohn, wurde in unserem Haus auf dem Altermarkt geboren im Jahr 1416 am 15. Oktober, einem Samstag, vormittags um 10 Uhr. Seine Paten sind Johann Michels, Goswin von der Mar und Beel Minwinckels." So beginnt Johann Slosgin die Liste seiner zwölf Kinder im Familienbuch. Der Kaufmann war Anfang des 15. Jahrhunderts von Nimwegen nach Köln gezogen und hatte dort geheiratet.

Wie bei solchen Aufzählungen üblich, verzichtete der Vater auf jegliche persönlichen Kommentare oder Ausschmückungen und begnügte sich – in kaufmännischer Manier – mit dem Aufzählen der Namen und Daten seiner Kinder. Anders als in anderen Familienbüchern aus dieser Zeit erwähnte der Kaufmann Slosgin seine Eltern, Geschwister, Vettern oder Onkel darin jedoch nicht. Die Quelle verdeutlicht, dass damals gerade die Verhältnisse zwischen den Eheleuten und Kindern so wichtig waren, dass sie eigens in ein Buch eingetragen wurden. In Schriftstücken dieser Art manifestiert sich somit die Bedeutung der Kernfamilie.

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  • Literaturhinweise
Gestrich, Andreas/Jens-Uwe Krause/Michael Mitterauer: Geschichte der Familie, Stuttgart 2003.
Spieß, Karl-Heinz (Hg.): Die Familie in der Gesellschaft des Mittelalters (Vorträge und Forschungen 71). Ostfildern 2009.