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Verkannte Ressourcen biologischer Vielfalt



Nach der letzten Eiszeit rekrutierte sich die neue Tier- und Pflanzenwelt Europas weitgehend aus verschont gebliebenen Populationen im Süden des Kontinents. Auch heute, rund 18000 Jahre nach dem Rückzug der Gletscher, ist die biologische Vielfalt im Norden deshalb immer noch wesentlich geringer. Das gilt bezeichnenderweise nicht nur für den Artenreichtum, sondern insbesondere auch für die genetische Variabilität innerhalb einzelner Spezies – den Quell jeder ökologischen Erneuerung und Evolution.

Johannes Vogel vom Londoner Naturhistorischen Museum fand in Spanien, Italien und auf dem Balkan 15 Gebiete, in denen sich unter anderem bestimmte Farne, aber auch Fische und sogar Igel in Artenreichtum und genetischer Vielfalt durch ein viel breiteres Spektrum auszeichnen als hierzulande; diese außergewöhnliche Variabilität scheinen die meisten dortigen Organismen zu teilen.

Der Wert solcher Refugien, die Vogel mit einer Arche Noah vergleicht, wird vom Naturschutz – und auch von Biologen selbst – aus Unkenntnis bisher kaum gewürdigt. Oft handelt es sich um eher unscheinbare Landschaften und teils recht kleine Areale, die etwa durch Bebauung leicht fahrlässig zerstört werden könnten.

Nun werden europaweite Maßnahmen zur Bewahrung dieser eiszeitlichen Refugien angestrebt. Dazu muß sich die Umweltpolitik allerdings umorientieren. Nicht nur spektakuläre, wildromantische Landschaften verdienen Schutz, sondern manchmal eben auch völlig unscheinbare Territorien.


Aus: Spektrum der Wissenschaft 1 / 1999, Seite 24
© Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH
1 / 1999

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum der Wissenschaft 1 / 1999

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