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Fremdes China: Verklärt und Verteufelt

Europäer und Chinesen kennen einander seit zweitausend Jahren. Mal prägte Neugier, mal Abscheu die Sicht der einen auf die anderen. Wirklich verstanden haben sich die Menschen beider Kulturen bis heute nicht.
"Wie Chinas Regime sein Volk unterdrückt", so titelte der "Spiegel" Anfang April zu den Unruhen in Tibet. Damit wollte das Magazin die Welt des Westens wieder geraderücken: Trotz ­Wirtschaftswunder sei China nach wie vor eine »grausame Diktatur«. Der Titel nährt auch die Hoffnung, die "gelbe Gefahr" für den westlichen Wohlstand trüge sich durch eine Irrationalität des Bösen selbst zu Grabe. Damit das Bild vom allmächtigen Regime stimmt, muss die gesamte chinesische Bevölkerung zu Opfern gemacht werden. Individuen verschwinden. An ihre Stelle tritt ein Nationalwesen, das schon die europäischen Kolonialherren des 19. Jahrhunderts ähnlich charakterisierten: grausam, seelenlos, eine "orientalische Despotie".

Das andere Extrem – das Bild des Westens von China als exotisch idealisierter Gesellschaft, ein Gegenentwurf zum eigenen, als mangelhaft empfundenen Sozialgefüge – wurde durch die jüngsten Ereignisse in den Hintergrund gedrängt. Noch kurz zuvor hatten deutsche Unternehmer den durchsetzungsstarken chinesischen Staat bejubelt, eine Spitze gegen die langsame deutsche Büro­kratie. Auch dieses Motiv hat Geschichte, schwärmten doch schon Philosophen wie Voltaire (1694–1778) von den tugendhaften konfuzianischen Beamten und dem mit praktischer Vernunft gewappneten Kaiser, um den europäischen Klerus und die weltlichen Herrscher zu kritisieren.

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