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Verknüpfung der Systeme computerintegriertes Management des öffentlichen Verkehrs


Mit Hilfe der Telematik lassen sich Verkehrssysteme intelligent koordinieren – und erhebliche Einsparungen erreichen. Dies gilt auch für den öffentlichen Verkehr, in dem inzwischen Konzepte des computerintegrierten Managements angewendet werden. Zusammengefaßt unter dem englischen Fachbegriff Computer Integrated Public Transportation (CIPT), sollen sie die Unternehmen für den zunehmenden Wettbewerb stärken.

Diese Strategie beruht auf drei grundlegenden Erkenntnissen: Planung und Durchführung des Verkehrs stehen in engem Zusammenhang, Änderungen des Betriebsgeschehens wirken sich auf die Planung aus, und dessen statistische Auswertung hilft wesentlich, die Planung unablässig zu verbessern.

Gemäß dem Konzept von CIPT (Bild 1) stehen alle Informationen und Funktionen im Verkehrsbetrieb computergestützt und bereichsübergreifend zur Verfügung. Somit wachsen bislang weitgehend getrennte Tätigkeiten wie Planung und Disposition, aktuelle Betriebsduchführung und statistische Analyse immer enger zusammen. Infolgedessen stimmen im Laufe der Zeit Planung und Wirklichkeit immer besser überein, und die Qualität aller Prozesse wird fortwährend gesteigert. Erst dieser integrierte Managementansatz ermöglicht, in Planung und Betrieb rasch und flexibel auf unvorhergesehene Tagesgeschehnisse zu reagieren, vermittelt also dem Verkehrsunternehmen größere Effizienz und Flexibilität.

Weil mit vernetzten Computersystemen alle bedeutenden Tätigkeiten unterstützt werden, kann jedes Unternehmen deren Gewichtung nach seinen Bedürfnissen vornehmen und schrittweise in ein voll entwickeltes computerintegriertes Management hineinwachsen. Gegenüber heterogenen gekoppelten Systemen, wie sie derzeit bei den meisten Verkehrsbetrieben im Einsatz sind, werden dadurch signifikante Rationalisierungseffekte erzielt: Alle Bereiche greifen logisch auf dieselbe Datenbasis zurück; alle Daten sind stets konsistent und auf dem neuesten Stand, so daß zeitaufwendiges, kostenträchtiges und fehleranfälliges Distribuieren und Aktualisieren bereichsweise zusammengestellter Sätze entfällt.

Von den Anbietern des öffentlichen Verkehrs verlangt die europäische Gesetzgebung heute, daß sie ihre Kosten offenlegen und sie sich dem Wettbewerb stellen. Dies ist für viele Unternehmen – ob öffentlich oder etwa im kommunalen Auftrag privat tätig – eine neue, herausfordernde Situation. Erfolg werden sicherlich nur jene haben, die sich auf die Bedürfnisse schon gewonnener und potentieller Kunden einstellen und marktgerechte Transportleistung anbieten. Dafür sind Kreativität und Gespür für Innovation nötig, aber auch wirkungsvolle Konzepte und entsprechende technische Mittel.

Das computerintergrierte Management verändert nun nahezu sämtliche Tätigkeitsfelder, insbesondere die betriebliche Planung (von Fahr-, Dienst- und Personaleinsatz sowie Datenversorgung und Statistik), die Betriebsdurchführung (Betriebsleitstelle, Fahrzeuge, Haltestellen, Lichtsignale, Daten- und Sprechfunk), das Betriebshofmanagement (Wartung und Beheben von Störungen, Stellplatzverwaltung, Ein- und Ausfahrtskontrolle, kurzfristige Umdisposition von Fahrzeugen und Fahrpersonal), kommerzielle und Management-Informationssysteme (Buchhaltung, Rechnungswesen, Debitoren- und Kreditorenkontrolle, Lohnbuchhaltung, Personalverwaltung), Fahrgast-Informationssysteme (dynamische Fahrgastinformation, Online-Informationssysteme) und das Fahrgeldmanagement (Tarifgestaltung, Kundenpflege, Kundenbindung, Ersatz von Bargeld, Abgeltung erbrachter Leistungen).

All diese Bausteine zu einem CIPT-tauglichen rechnergesteuerten Betriebsleitsystem zusammenzufügen ist nicht leicht zu bewerkstelligen. Entscheidend für den Erfolg ist, daß dem Verkehrsunternehmen ein Systemintegrator zur Seite steht. Außerdem müssen die betriebsinternen Abläufe und Zuständigkeiten beschleunigt werden, am besten durch konsequentes Umstellen des Betriebes auf eine prozeßorientierte Organisation, wenn sich der öffentliche Verkehr weit intensiver als bisher auf die Bedürfnisse der Kunden orientieren soll.


Aus: Spektrum der Wissenschaft 6 / 1997, Seite 50
© Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH
6 / 1997

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum der Wissenschaft 6 / 1997

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