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Editorial: Vertreibung, Flucht und Hoffnung

»Da schickte Gott, der Herr, ihn aus dem Garten Eden, damit er den Erdboden bearbeite, von dem er genommen war.« Die Vertreibung Adams und Evas aus dem Paradies, im 1. Buch Mose beschrieben, illustriert anschaulich, wie Migrationen die Geschichte prägten. Mal zwangen Krieg und Verfolgung Menschen zur Flucht, dann wieder lockte die Hoffnung auf eine sichere, vielleicht sogar bessere Zukunft in die Ferne. Manche Migration erstreckte sich über Äonen, etwa die Expansion des Homo sapiens in der Vorgeschichte von Afrika aus nach Asien und Europa. Auch die viel beschworene germanische Völkerwanderung dauerte immerhin etwa zwei Jahrhunderte.

Gut 70 Jahre nach den letzten großen, weltkriegsbedingten Flüchtlingsströmen sind wir es wohl nicht mehr gewohnt, Migration direkt zu erleben. Von einer Krise ist die Rede, Kontroversen polarisieren unsere Gesellschaft. Furcht vor Überfremdung oder gar dem Zusammenbruch des Staats machen die Runde. Und nicht selten bedient man sich vergangener Migrationen als Argument. Haben nicht wandernde Germanenvölker das Römische Reich zerstört? Verdrängten nicht schon die frühen Bauern auf ihrem Weg vom Vorderen Orient durch Europa dessen Jäger und Sammler? Doch was Forscher diverser Fachrichtungen seit einigen Jahren zum Thema Migration zusammentragen, ergibt ein weit komplexeres Bild. Beispielsweise gehörten nicht wenige germanische »Barbaren« zur Führungselite des Römischen Reichs, hatten sich neolithische Bauern und Wildbeuter durchaus auch friedlich miteinander vermischt.

Migration bildete im Verlauf der Geschichte eine feste Größe, gehört zu den Überlebensstrategien des Menschen, wie Forscher in dieser Ausgabe berichten. Sie erzählen von den mutigen Frauen der Bronzezeit, die monatelang zu Fuß unterwegs waren, um im Alpenvorland einen Mann zu nehmen. Von einer neuen Antwort auf die alte Frage, wo die Urheimat aller indoeuropäischen Sprachen zu suchen sei. Und von einer Antwort auf die neue Frage, woher Einwanderungsgegner oft ihre Argumente nehmen: in widerlegten Migrationsmodellen vergangener Jahrhunderte.

Eine spannende Lektüre wünscht

Klaus-Dieter Linsmeier

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