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Empathie: Viel sagende Blicke

Warum wir uns in andere einfühlen können, war lange Zeit eines der bestgehüteten Geheimnisse des Gehirns. Der Psychiater Kai Vogeley von der Universitätsklinik Köln sucht die Antwort in den Blicken unserer Mitmenschen - und lässt sich dabei von "virtuellen Agenten" unterstützen.
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Machen Sie einmal folgendes Alltagsexperiment: Schauen Sie sich eine beliebige Person an und versuchen Sie sich vorzustellen, was in dieser Person vorgeht: Was denkt sie, wie fühlt sie sich gerade? Bei den meisten von uns stellt sich sehr schnell und gewissermaßen automatisch ein Eindruck ein, der sich recht konkret anfühlt. Oft glauben wir zu wissen, was unser Gegenüber gerade beschäftigt oder zumindest, ob er oder sie sich wohl fühlt oder nicht. Danach richten wir auch unser Verhalten aus: Quasi ständig versuchen wir, uns auf andere Personen einzustellen.
Dieser intuitive und schnell verfügbare Eindruck vom Innenleben anderer Personen – Sigmund Freud prägte dafür den Begriff "Einfühlung" – ist von so großer Wichtigkeit im Alltag, dass Ihnen das kleine Anfangsexperiment wahrscheinlich fast banal vorkommt. Doch wie können wir eigentlich wissen, was eine andere Person denkt oder fühlt? Philosophen nennen dies das "Problem des Fremdpsychischen": Wir haben nur Zugang zu unserem eigenen Erleben, aber nicht ohne Weiteres zu den Gedanken von anderen. Genau genommen können wir uns nicht mal sicher sein, dass andere Personen überhaupt ein Innenleben oder einen Geist besitzen. Trotzdem setzen wir nicht nur voraus, dass die meisten Menschen ähnlich denken und fühlen wie wir – offenbar liegt es uns geradezu im Blut, aus flüchtigen Eindrücken auf den momentanen Gefühlszustand unserer Mitmenschen zu schließen ...
Oktober 2009

Dieser Artikel ist enthalten in Gehirn&Geist Oktober 2009

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  • Quellen
Literaturtipps

Schubotz, R. I. (Hg.): Other Minds. Die Gedanken und Gefühle Anderer. Mentis, Paderborn 2008.
Empathie aus philosophischer, biologischer und psychologischer Sicht

Tomasello, M.: Die kulturelle Entwicklung des menschlichen Denkens. Zur Evolution der Kognition. Suhrkamp, Frankfurt 2006.


Quellen

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Kuzmanovic, B. et al.: Duration Matters: Dissociating Neural Correlates of Detection and Evaluation of Social Gaze. In: NeuroImage 46, S. 1154-1163, 2009.

Rizzolatti, G., Craighero, L: The Mirror-Neuron System. In: Annual Review of Neuroscience 27, 169-192, 2004.

Schilbach, L. et al.: What’s in a Smile? Neural Correlates of Facial Embodiment During Social Interaction. In: Social Neuroscience 3, S. 37-50, 2008.

Schwartz, C. et al.: Responses to Nonverbal Behaviour of Dynamic Virtual Characters in High-Functioning Autism. In: Journal of Autism and Developmental Disorders 10.1007/s10803-009-0843-z, 2009.

Warren, J. E. et al.: Emotions Preferentially Engage an Auditory-Motor "Mirror" System. In: The Journal of Neuroscience 26(50), S. 13067-13075, 2006.