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Evolution

Viele Wege führen zum Nervensystem

Auf den ersten Blick sind die Nervensysteme von Menschen und wesentlich primitiveren Wirbellosen gar nicht so verschieden. Neue Forschungsergebnisse deuten aber darauf hin, dass die Strukturen des Zentralnervensystems in den verschiedenen Untergruppen der zweiseitig-symmetrischen Tiere (Bilateria) im Verlauf der Evolution unabhängig voneinander entstanden. Wie ein Team um José M. Martín-Durán von der Universität Bergen berichtet, unterscheiden sich die genetischen Mechanismen der Nervensystementwicklung zwischen Ringelwürmern, Armfüßern und Rädertierchen so stark, dass ein gemeinsamer Ursprung unwahrscheinlich ist. Dass sich die Nervensysteme in ihrem Aufbau dennoch ähneln, ist also womöglich nur ein Nebeneffekt eines vergleichbaren Körperplans.

Hintergrund der Forschungsarbeit ist die recht neue Entdeckung, der zufolge das eigentlich für die Bilateria grundlegende Prinzip eines zentralen Nervenstrangs, der von einem großen Gehirn ausgeht, nicht bei allen zweiseitig-symmetrischen Tieren verwirklicht ist. Die Spielverderber sind die erst 2009 beschriebenen Xenacoelomorpha. Diese wurmähnlichen Tiere zeigen eine ungewöhnliche Vielfalt an Nervensystemstrukturen: Manche von ihnen ähneln eher denen von Nesseltieren, die nicht zu den Bilateria gehören, andere haben gleich mehrere Nervenstränge.

3/2018

Dieser Artikel ist enthalten in Gehirn&Geist 3/2018

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  • Quelle
Nature 553, S. 45-50, 2018