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Virologie: Virus mit Kettenhemd



Die meisten Viren packen ihr Erbmaterial in Proteinhüllen, die so genannten Capside, wo es relativ geschützt ist. Eine außergewöhnliche Variante dieser Kapsel, die dem Kettenhemd mittelalterlicher Ritter ähnelt, hat nun die Arbeitsgruppe um William Wikoff vom Scripps-Forschungsinstitut bei einem Bakterienvirus entdeckt. Dessen kugelige Eiweißhülle setzt sich aus ringförmigen Proteinen zusammen, von denen einige wie die Glieder einer Kette ineinander greifen. Bislang sind solche "Catenane" in der Proteinchemie unbekannt. Der Ringschluss erfolgt über eine so genannte Isopeptid-Bindung, die zwischen den Seitenketten zweier Aminosäuren ausgebildet wird. Aufgrund dieser ungewöhnlichen Form vereint die Hülle zwei eigentlich gegensätzliche Eigenschaften: Sie ist extrem dünn und dennoch sehr stabil. In der Nanotechnologie könnte man nach dem Vorbild dieser Struktur vielleicht Transportbehälter herstellen, die dann ähnlich günstige Eigenschaften hätten. (Science, Bd. 289, S. 2129)

Aus: Spektrum der Wissenschaft 11 / 2000, Seite 30
© Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH

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