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Moralentwicklung: Vom Engel zum Bengel

Nicht allein das Prinzip "Zuckerbrot und Peitsche" dient der moralischen Entwicklung von Kindern: Um sie zu optimal fördern, sollten wir die Kleinen schon früh als Partner ernst nehmen. Denn bereits im zweiten Lebensjahr können sie teilen, trösten und helfen - wenn sie die Chance dazu bekommen.
"Du spielst nicht mit", motzt die dreijährige Lisa. Sie macht keinen Hehl daraus, dass sie die Bauklötze für sich allein haben will. Als ihr kleiner Bruder Jens nach den bunten Steinen greift, schmollt sie. Wie egoistisch, alle Steine für sich zu beanspruchen! So die Perspektive eines Erwachsenen. Doch darüber macht sich die Dreijährige offenbar keine Gedanken. Die Vermittlungsversuche der Mutter prallen an ihr ab – erst als diese droht, ihr die Steine wegzunehmen, lässt Lisa Jens mitmachen.
Wieso denken Kleinkinder nur an sich? Kommen Menschen als Egomanen auf die Welt und haben als Dreijährige einfach noch nicht gelernt, auf die Bedürfnisse und Gefühle anderer Rücksicht zu nehmen? Diese Fragen werden in der Forschung derzeit kontrovers diskutiert ...
Januar/Februar 2008

Dieser Artikel ist enthalten in Gehirn&Geist Januar/Februar 2008

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Literaturtipps

Colby, A., Kohlberg, L. et al.: A Longitudinal Study of Moral Judgement. In: Monographs of the Society for Research in Child Development 48, 1983, S. 1-124.

Keller, M., Krettenauer, T.: Moralentwicklung im Kulturvergleich. In: G. Trommsdorf et al. (Hg.): Enzyklopädie der Psychologie, Bd. C, VII/2. Er­leben und Handeln im kul­turellen Kontext. Göttingen: Hogrefe 2007, S. 521-555.

Takezawa, M., Gummerum, M., Keller, M.: A Stage for the Rational Tail of the Emotional Dog: Roles of Moral Reasoning in Group Decision-Making. In: Journal of Economic Psychology 27(1), 2006, S. 117-139.

Keller, M. et al.: Selfish or Fair: Moral Negotiations in Economic Decision Making. In: Child Development, im Druck.