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Medizingeschichte: Von Cholera bis Corona

Was machen Pandemien mit unserer Gesellschaft? Historisch betrachtet trieben sie stets den Ausbau der öffentlichen Gesundheitssicherung ­voran. Heute greifen wir auf die dabei entstandenen Institutionen zurück.
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Die aktuelle Covid-19-Pandemie, verursacht vom Virus Sars-CoV-2, beeinflusst das gesellschaftliche und soziale Leben weltweit in außerordentlichem Maße. Da es noch keine breit verfügbare, wirksame Impfung gegen den Erreger gibt und die Mechanismen der Erkrankung nur zum Teil geklärt sind, setzen Mediziner und Gesundheitspolitiker vor allem auf indirekte Maßnahmen zur Eindämmung. Dazu zählen Kontaktbeschränkungen, Versammlungsverbote oder Maskenpflicht. Schon früh herrschte weitgehend Einigkeit, die Beschränkung sozialer Kontakte sei der richtige Weg, um die Ausbreitung des Virus zumindest so weit zu verlangsamen, dass die medizinischen Infrastrukturen alle ernsthaft Erkrankten auffangen und versorgen können. Wenig später begann allerdings die Stimmung in Teilen der Bevölkerung zu kippen; es machte und macht sich weiterhin Kritik an den seuchenpolitischen Maßnahmen und den dadurch bedingten Freiheitseinschränkungen breit, die nicht als reines Störgeräusch von Verschwörungstheoretikern abgetan werden kann. Da stellt sich unter anderem die Frage, wie die Menschen früher mit Pandemien umgegangen sind – und was daraus zu lernen ist.

Zwar ist Covid-19 fraglos ein neues Phänomen, und unsere Gesellschaft geht die damit verbundenen Herausforderungen mit moderner Technik an, die früher nicht zur Verfügung stand – man denke nur an Homeoffice, Home-Schooling und die Corona-Warn-App. Doch die Debatten selbst, der Streit über das richtige Handeln angesichts beschränkten Wissens sowie das Gerangel um die medi­zinischen und politischen Weichenstellungen hat es in ähnlicher Form bereits bei früheren Epidemien gegeben.

Zu den recht gut dokumentierten Pandemien gehört die Cholera, die sich im Zuge der Industrialisierung und vor allem der Ausbreitung städtischer Lebensformen in den damaligen Industriestaaten verbreitete. Die bakterielle Infektionskrankheit erreichte 1830 erstmals Europa und löste im Lauf des 19. Jahrhunderts mehrere Pandemien aus. Sie beschleunigte eine Entwicklung, die schon zuvor eingesetzt hatte, nämlich dass Gesundheit von staatlicher Seite einen »öffentlichen Werth« (Lorenz von Stein, 1815-1890) zugesprochen bekam und staatliche Institutionen versuchten, eine umfassende Gesundheitssicherung einzurichten …

November 2020

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum der Wissenschaft November 2020

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  • Quellen und Literaturtipp

Cochrane, A. L.: Effectiveness and efficiency. Random reflections on health services. London: Nuffield Provincial Hospital Trust, 1972

Lilienfeld, A. M., Lilienfeld, D. E.: Foundations of epidemiology. Oxford University Press, 1980

Lilienfeld, A. M. (Hg.): Times, places, and persons. Aspects of the history of epidemiology. Conference on the history of epidemiology, 1978 (Bulletin of the history of medicine. The Henry E. Sigerist supplements, new series, 4). Johns Hopkins University Press, 1980

Tomkins, S. M.: The failure of expertise: Public health policy in Britain during the 1918-19 Influenza epidemic. Social History of Medicine 5, 1992

Witte, W.: The plague that was not allowed to happen. German medicine and the influenza epidemic of 1918–19 in Baden. In: Phillips, H., Killingray, D. (Hg.): The Spanish Influenza Pandemic 1918–19. New perspectives (Routledge Studies in the Social History of Medicine). Routledge 2003, S. 49-57


Literaturtipp

Fangerau, H., Labisch, A.: Pest und Corona - Pandemien in Geschichte, Gegenwart und Zukunft. Herder, 2020
Die Autoren nehmen historische Pandemien in den Blick. Sie erörtern, wie Seuchen das öffentliche und private Leben ­verändert haben, welches ihre natürlichen, sozialen, historischen und kulturellen Hintergründe waren und worauf wir uns künftig einrichten müssen, wenn wir unsere Lebensart bewahren wollen.