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Voodoo: Die Religion der Verschleppten

Kaum eine Glaubenswelt ist mit so vielen Vorurteilen behaftet wie der Voodoo. Die Wurzeln seines schlechten Rufs sind vor allem mit der Geschichte Haitis verknüpft. Sie reichen bis in die Kolonialzeit zurück, als afrikanische Sklaven es wagten, gegen ihre Herren aufzubegehren.

Mehr als 300000 Menschen starben, als ein schweres Erdbeben 2010 Haiti heimsuchte. Etwa ebenso viele Verletzte und fast zwei Millionen Obdachlose warteten auf Hilfe, doch die Behörden waren überfordert. Eine Choleraepidemie ließ die innere Ordnung zusammenbrechen. David Brooks, Kolumnist der »New York Times«, machte den unter Haitianern verbreiteten Voodoo-Glauben für das Chaos verantwortlich. Denn dieser habe die Modernisierung und Entwicklung des Landes behindert.

Dieses Urteil passt zu den mit Voodoo assoziierten Vorstellungen von Aberglauben, Geisterbeschwörungen, nadelgespickten Puppen und Zombies. Der Religionswissenschaftler und Linguist Benjamin Hebblethwaite führt das schlechte Image nicht zuletzt auf üble Nachrede seit der Kolonialzeit zurück. Denn der auch Vodun genannte Kult ist ein Kind der Sklaverei ...

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Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum der Wissenschaft Spezial Archäologie - Geschichte - Kultur 4/2018

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  • Quellen

Geggus, D.: Haitian Voodoo in the Eighteenth Century: Lan­guage, Culture, Resistance. In: Jahrbuch für Geschichte Lateinamerikas 28, S. 21–52, 1991

Hebblethwaite, B.: The Scapegoating of Haitian Vodou Reli­gion: David Brooks’s (2010) Claim that »Voodoo« Is a »Progress-Resistant« Cultural Influence. In: Journal of Black Studies 46, S. 3–22, 2014 .

Hebblethwaite, B.: Historical Linguistic Approaches to Haitian Creole Vodou Rites, Spirit Names and Songs: the Founders‘ Contribuitions to Asogwe Vodou. In: Barzen, J. et al. (Hg.): La Española – Isla de Encuentros / Hispaniola – Island of Encounters, Narr Francke Attempto Verlag, Tübingen 2015, S. 65–86

Mintz, S., Trouillot, M.-R.: The Social History of Haitian Vodou. In: Cosentino, D. J. (Hg.): Sacred Arts of Haitian Vodou. Fowler Museum of Cultural History, Los Angeles 1995, S. 123–147