Direkt zum Inhalt

Vor fünfzig und hundert Jahren


1948


Künstliche Mesonen. Bei den Versuchen, die von Gardner und Lattes mit Hilfe des Riesencyclotrons der California Universität durchgeführt wurden, sind Kohlenstoff, Beryllium und andere Stoffe mit 380 MeV-Alpha-Teilchen bestrahlt worden. Als Nachweismittel dienten photographische Schichten, in denen sich unter anderen auch Mesonenbahnen als Schwärzungsspuren mikroskopisch nachweisen lassen. Die erste 30 Sekunden lang "belichtete" Platte, die Mesonenbahnen aufwies, zeigte bereits hundertmal soviel Mesonenspuren als eine auf einem Berggipfel der Anden 45 Tage der Höhenstrahlung ausgesetzte Platte. Inzwischen ist es gelungen, die Mesonenintensität so weit zu steigern, daß bereits unter zehn Bahnspuren eine Mesonenspur vorliegt, während bei der ersten Aufnahme erst auf zehntausend Spuren eine Mesonenbahn traf. Die künstlich erzeugten Mesonen haben eine Masse von 313 Elektronenmassen ... Die künstliche Erzeugung der Mesonen wird als das bedeutendste Ereignis der Atomphysik seit dem Gelingen der Uranspaltung durch Hahn und Straßmann angesehen. (Orion, 3. Jg., Heft 8, 15. August 1948, Sei- te 315)

Melochord – ein neues elektrisches Musikinstrument. Da wir bereits, abgesehen von den elektroakustischen Orgeln, eine ganze Reihe elektrischer Musikinstrumente kennen, wie das Ätherwelleninstrument von Theremin, das Trautonium, das Hellertion, das Emicon, das Martenot-Instrument, das Solovox und andere mehr, liegt die Frage nahe, welche besonderen Merkmale das Melochord gegenüber den früheren Instrumenten auszeichnen, so daß seine Entwicklung gerechtfertigt ist. Zunächst einmal sind es erweiterte musikalische Möglichkeiten, die sich aus der Zweistimmigkeit gegenüber der Einstimmigkeit ergeben und die diesem System durch die dynamische Abwägbarkeit zweier Klänge sogar eine gewisse Überlegenheit gegeneinander den bekannten vollstimmigen Konstruktionen verleihen. Eine weitere Überlegenheit ergibt sich beim Vergleich mit den bekannten Melodieinstrumenten mit gleitender Tonskala (Ätherwelleninstrument, Trautonium, Hellertion und Martenot) durch die Vorteile, die einem Tasteninstrument allein vorbehalten bleiben. Man hat es hier in der Hand, mit jeder Taste gleichzeitig mehrere Schaltvorgänge auszulösen, von denen einer zur Frequenzwahl dient und weitere beispielsweise zur Beeinflussung der Klangfarbe mit der Tonhöhe, zur künstlichen Darstellung von An- und Abklingvorgängen (Blas- und Zupfklängen) und zur Darstellung von Koppeln. (Funkschau, 20. Jg., Nr. 8, August 1948, Seite 75)



1898


Riesenlampe für den New-Yorker Leuchtthurm. Von ganz eigenartiger Construction sind die »Linsen« selbst, indem selbe nicht aus einem massiven Körper bestehen, sondern vielmehr aus einem System von prismatischen Glaskörpern gebildet sind. Im Aufbaue fügen sich im geeignet gehaltenen Rahmenwerke aus Bronze die nach genauer Berechnung zu einem Refractionskörper vereinigten Glasprismen concentrisch um den Kern, den eine biconvexe massive Linse bildet. Im inneren Kreise sind acht solcher Glasprismen mit den Ecken zusammenstoßend gefügt, welches System wieder von einem Kreise von vierzehn größeren Glasprismen umgeben ist, so daß 190 getrennte Refractionsflächen die combinirte »Linse« zusammenstellen. (Der Stein der Weisen, 1898, 20. Band, Seite 121)

Messrädchen. Die Firma Soennecken bringt seit kurzem ein praktisches kleines, von Oberst Jacob konstruiertes Instrument auf den Markt, das allen, die mit Karten und Plänen zu thun haben, gute Dienste leisten wird ... Es dient zum Abmessen krummer u nd grader Linien auf einem Plan und besteht aus einem Zackenrädchen. Die einzelnen Zacken sind je 4 mm voneinander entfernt. Je nach Massstab der Karte entspricht die Entfernung zweier Zacken 20 m in der Natur (beim Mass-Stab 1:5000), oder 100 m (beim Mass-Stab 1:25000) und so fort ... Das Abmessen geht also viel rascher und ebenso scharf wie mit dem Zirkel. (Die Umschau, II. Jg., No. 34, 20. August 1898, Seite 588)

Scheintod und Röntgen-Strahlen. Bei einem in der Leichenhalle des Montmartre-Friedhofes zu Paris untergebrachten vermeintlichen Scheintoten hat Dr. Bourgade Photographien nach dem Röntgenschen Verfahren angefertigt, welche konstatiren, dass die Organe der Brust keine Bewegung mehr aufwiesen; das Herz, die Aorta, der Brustkorb hoben sich auf den Bildern so deutlich ab, dass kein Zweifel über die vollkommene Starre dieser Organe mehr bestehen konnte. Auch verglich Dr. Bourgade die Photographien mit an lebenden Personen aufgenommenen und konstatirte einen in die Augen springenden Unterschied. Die Röntgen-Strahlen haben also auch auf diesem Gebiet eine neue, werthvolle Aufklärung gegeben. (Central-Zeitung für Optik und Mechanik, XIX. Jg., Nr. 15, 1. August 1898, Seite 148)

Fahrradglocke mit Revolver. Eine neue Fahrradglocke haben Franz Messedas & Co. in Köln am Rhein konstruirt, welche einen Revolver enthält und zur Abschreckung von Hunden und Wegelagern dienen kann. Innerhalb der Glockenschale ist ein Stift eingelassen, der durch ein eingekerbtes Rohr mittelst Bajonettverschluss gehalten wird. Rechts befindet sich der Glockenschläger, während der Hebel zum Abfeuern des Schusses dient. Die zur Aufnahme der Patronen dienende Trommel ist unter dem oben näher bezeichneten Röhrchen drehbar, und die Trommel selbst wird bewegt durch einen Zapfen, welcher durch eine Feder mit dem Hebel in Verbindung steht. Der Schläger wird auf und nieder bewegt durch einen um die Trommel herumziehenden Zahnkranz, ähnlich wie bei anderen Schusswaffen. Es ist hierdurch möglich, mit einem Fingerdruck die zehn Patronen schnell hinter einander abzufeuern, welche einen sehr lauten Knall ergeben. (Technische Rundschau, 4. Jg., No. 34, 24. August 1898, Sei- te 343)




Aus: Spektrum der Wissenschaft 8 / 1998, Seite 29
© Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH

Lesermeinung

Beitrag schreiben

Wir freuen uns über Ihre Beiträge zu unseren Artikeln und wünschen Ihnen viel Spaß beim Gedankenaustausch auf unseren Seiten! Bitte beachten Sie dabei unsere Kommentarrichtlinien.

Tragen Sie bitte nur Relevantes zum Thema des jeweiligen Artikels vor, und wahren Sie einen respektvollen Umgangston. Die Redaktion behält sich vor, Leserzuschriften nicht zu veröffentlichen und Ihre Kommentare redaktionell zu bearbeiten. Die Leserzuschriften können daher leider nicht immer sofort veröffentlicht werden. Bitte geben Sie einen Namen an und Ihren Zuschriften stets eine aussagekräftige Überschrift, damit bei Onlinediskussionen andere Teilnehmer sich leichter auf Ihre Beiträge beziehen können. Ausgewählte Lesermeinungen können ohne separate Rücksprache auch in unseren gedruckten und digitalen Magazinen veröffentlicht werden. Vielen Dank!