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Vor fünfzig und vor hundert Jahren


1944

Die Entwicklung des Hochschulstudiums vor dem ersten Weltkrieg weist eine wellenförmige Bewegung auf, die zwischen Über- und Unterbesetzung schwankt. Deutlich zeigt sich, daß nicht Neigung und Begabung entschieden, sondern in erster Linie wirtschaftliche Erwägungen. In den Nachkriegsjahren steigen zunächst die Besucherzahlen der Hochschulen an; sie sinken dann ab, um in der Zeit der wirtschaftlichen Scheinblüte wieder anzusteigen. Seit 1932, dem wirtschaftlich schwersten Jahr, ist zunächst ein starkes Absinken in allen akademischen Berufsgruppen zu finden und nur wenige haben unter schweren persönlichen und materiellen Opfern ihr Studium abgeschlossen. Man kann heute annehmen, daß in den Jahren bis 1957 jährlich 40-50000 Akademiker weniger in den Beruf treten würden als in der Vergangenheit. Die jährlichen Neuzugänge werden statt 12-14000 nur 10-11000 betragen. Der notwendige Bedarf ergibt sich aus den vorhandenen Berechnungen aber mit höheren Prozentsätzen, so daß die Sorge um die Auffüllung in diesen Berufsgruppen durchaus berechtigt ist. (Der Biologe, 13. Jg., Heft 3/4, Seite 55)

Ein neues Zweischicht-Kondensatormikrophon für Sprachübertragung. Es hat sich in der Praxis gezeigt, daß für bestimmte Uebertragungsanlagen diejenigen Mikrophone nicht am geeignetsten sind, die alle Frequenzen gleichmäßig übertragen. So ist es bei der Sprachwiedergabe besser, die tiefen Frequenzen geschwächt oder gar nicht wiederzugeben, die hohen Töne aber zu bevorzugen. Man hat festgestellt, daß die tiefen Frequenzen in größeren Räumen nachhallen und die einzelnen Silben verwischen. Werden die höheren Frequenzen angehoben, dann erhöht sich die Verständlichkeit der übertragenen Sprache erheblich. Diesen Beobachtungen entsprechend wurde ein neues Zweischichtenmikrophon geschaffen, das neben dem Vorteil einer vergrößerten Kapazität den Unterschied zwischen Sprach- und Musikübertragung berücksichtigt. Dadurch wird auch eine bessere Verständlichkeit der zu übertragenden Worte gewährleistet. (Technik-Industrie und Schweizer Chemiker-Zeitung, 27. Jg., Nr. 5/6, Seite 53)

Schutz vor Magnetfeldern. Um feine Instrumente und Uhren gegen magnetische Störungen zu schützen, welche von einem in seinen Räumen aufgestellten Dynamo veranlasst werden könnten, hat das Johns-Kollegium in Oxford die Mauern des Maschinensaales aus hohlen Ziegelsteinen herstellen lassen, die mit Eisenfeilspänen ausgefüllt sind. Dieser Schutz ist so wirksam, dass man mit den empfindlichsten Instrumenten nicht eine Spur eines von einer Dynamomaschine herrührenden magnetischen Einflusses nachweisen konnte. (Central-Zeitung für Optik und Mechanik, XV. Jg., Nr. 6, Seite 71)

Beeinflussung der Körperwärme durch die Narkose. Da sich Versuche am Menschen verbieten, stellt Prof. Dr. Rudolf Thauer die Versuche am Kaninchen an, das ein für diese Zwecke besonders gut geeignetes Objekt ist, weil sich bei ihm acht Stufen der Tiefe der Narkose feststellen lassen. Es zeigte sich, daß für das Ausmaß der Wärmeregulationsstörung nicht die Natur des Narkosemittels, sondern einzig und allein die Tiefe der erreichten Narkose ausschlaggebend ist. Auch die im Fieber gesteigerte Körpertemperatur wird zum Absinken gebracht; künstliches Fieber läßt sich während der Narkose nur sehr schwer oder gar nicht erzeugen. (Die Umschau, 48. Jg., Heft 3, Seite 50)

1894

Eine neue Dampfturbine. Der durch seine Milchschleuder vortheilhaft bekannt gewordene Dr. G. De Laval in Stockholm bringt eine Dampfturbine oder rotierende Dampfmaschine in den Verkehr, welche Besseres leistet und etwas ökonomischer arbeitet als ihre Vorgängerinnen. Die Maschine ist im Prinzip genau so gebaut wie die Wasserturbine, nur mit dem Unterschiede, dass Dampf statt Wasser auf die Schaufeln wirkt. Bemerkenswerth ist an der kleinen Maschine besonders ihre hohe Geschwindigkeit, welche 30000 Umdrehungen in der Minute erreicht. Vornehmlich soll die Turbine zum Antriebe von Dynamomaschinen dienen. Es ist bekannt, dass sehr schnell rotirende Körper, wenn sie nicht genau um ihre Schwerpunktsachse umlaufen, selbst geringfügige Fehler in der Rotationsachse als vibrirende Bewegung auf ihre Lager übertragen. Diese Bewegungen würden hier so stark werden, dass sie einerseits die Kraftäusserung des Motors nach aussen sehr herabsetzen, andererseits die Stabilität und Haltbarkeit der Lager auf das äusserste gefährden würden. De Laval hilft in genialer Weise diesem Uebelstand dadurch ab, dass er die Achse der Turbine so elastisch macht, dass dieselbe sich bei der Drehung von selbst in der richtigen Weise durchbiegt, bis eine centrische Lage und damit vollkommen ruhige Bewegung der Turbine gewährleistet wird. (Prometheus, V. Jg., Nr. 219, Seite 173)

Ueber die Durchsichtigkeit der Luft Berlins, welche letztere von dem die Stadt überragenden Kreuzberge aus als grauschwarze oder graubraune, über den Häusern schwebende Schicht erscheint, hat Herr J. Glan einige Messungen ausgeführt. Die Methode war die bekannte, auf Helligkeitsbestimmungen der Sonne in zwei verschiedenen Zenithdistanzen beruhende, aus welchen die Lichtschwächung bei senkrechter Durchstrahlung berechnet wurde; die Helligkeitsbestimmung wurde, nachdem das Sonnenlicht durch wiederholte Spiegelung geschwächt war, nach der Stab-Doppelschattenmethode ausgeführt. Die Beobachtungen wurden in der unmittelbaren Nähe des Moritzplatzes an sehr schönen Tagen, nachmittags gegen 3 Uhr angestellt und ergaben einen Schwächungsindex der Luft von 0,143 im Mittel; d. h. es wurden bei ganz klarem, wolkenlosem Himmel 6/7 des Lichtes bei senkrechter Durchstrahlung zurückgehalten, das ist etwa viermal so viel wie in freier Luft. Diese grössere Durchsichtigkeit der Luft Berlins am späten Abend gegen den Nachmittag erklärt Herr Glan damit, dass Abends viel weniger Rauchsäulen die Luft Berlins verdunkeln. (Naturwissenschaftliche Rundschau, IX. Jg., Nr. 13, Seite 167)


Aus: Spektrum der Wissenschaft 3 / 1994, Seite 105
© Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH

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