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Vor fünfzig und vor hundert Jahren


1944

Wenn nach griechischer Erkenntnis der Krieg der Vater aller Dinge ist, so hat sich dieser Satz bei der Erforschung des römischen Trier erneut bewährt. Denn durch die gewaltigen Erdbewegungen, die beim Bau von Luftschutzanlagen notwendig wurden, schnitt man immer wieder römische Schichten mit wertvollen Kulturdenkmälern an. Dank der Überwachung dieser Arbeiten durch das Trierer Landesmuseum konnte ganz hervorragendes Kulturgut geborgen werden. So stieß man auf die Überreste eines beim Alemanneneinfall im Jahre 270 zerstörten großen Hauses, das einen mit Fresken und Mosaikboden reich und geschmackvoll gezierten Saal enthielt. Die teilweise wieder herstellbaren Fresken zeigen in vollendeter Maltechnik u. a. das erste Bild einer Treverer-Hofanlage und ein naturgetreues in schmissiger impressionistischer Manier gemaltes Porträt eines Opferdieners, dessen Gesichtszüge und rötlich-blondes Haupt- und Barthaar auf einen Einheimischen, also einen germanischen Treverer, schließen lassen. Es ist dies das erste Treverer-, wohl das erste Germanenporträt überhaupt, wenn man von Plastiken absieht. (Natur und Kultur, 41. Jg., Heft 7 bis 12, Juli bis Dezember 1944, Seite 67)

Geheimhaltung von Ergebnissen. Insgesamt kann man sagen, daß wir über die Ionosphäre recht gut Bescheid wissen, vor allem, wenn man bedenkt, daß die Ionosphärenforschung kaum 15 Jahre alt ist. Wenn seit Kriegsbeginn die Zahl der Veröffentlichungen in Deutschland merklich zurückgegangen ist, so darf man daraus nicht schließen, daß keine Probleme mehr vorliegen oder daß die Forschungstätigkeit nachgelassen hat. Bei der großen Bedeutung der Ionosphäre für die drahtlose Nachrichtenübermittlung erscheint es vielmehr geboten, nicht alle neuen Erkenntnisse durch Veröffentlichung bekannt zu geben. (Forschungen und Fortschritte, 20. Jg., Nr. 19/20/21, Juli 1944, Seite 163)

Gesalzene Erdstraßen. Zusätze von wasseranziehenden Salzen zum Feuchthalten der Erdmasse bei Erdstraßen sind naheliegend und bekannt. Diese sind aber so stark wasserlöslich, daß sie sehr rasch ausgewaschen werden, so daß die Wirkung bald wieder verschwindet. Man verhindert das Auswaschen der wasseranziehenden Salze sehr einfach dadurch, daß man an der Oberfläche des Fahrbahnkörpers die Poren abdichtet. Würde man dieses Abdichten etwa mit Bitu-men oder dergleichen vornehmen, dann wäre das teuer, schwierig und gerade bei Erdstraßen deshalb unbefriedigend, weil eine solche Dichtungsschicht rasch durchlöchert wäre. Es gilt also, ein Mittel zu finden, durch das die Erdmasse selbsttätig sich an den Außenflächen mit einer Schutzhaut überzieht – so daß jede Verletzung von selbst wieder ausheilt. Das ganz neuartige und überraschende Mittel besteht darin, außer den wasseranziehenden Salzen weniger leichtlösliche Salze zuzusetzen oder durch passende Zusätze in der Erdmasse entstehen zu lassen. Diese Salze kristallisieren bei trockenem Wetter in den Erdporen der Kruste zuerst aus und dichten diese ausreichend zuverlässig ab. Die praktische Nachprüfung des Gedankens hat ergeben, daß die gewünschte Wirkung tatsächlich stark eintritt und daß derartige "doppelt gesalzene" Erdstraßen erheblich besser halten, als einfach gesalzene oder gar ungesalzene, und daß sie darüber hinaus bei trockenem Wetter viel weniger stauben. (Die Umschau, 48. Jg., Heft 7, Seite 121)


1894

Das Motor-Zweirad ist eine hervorragende Errungenschaft der Gegenwart, die ebensowohl für militärische Zwecke, als für den geschäftlichen und vergnüglichen Reise-Verkehr unzweifelhaft von höchster Bedeutung ist. Die seit Monaten unausgesetzt vorgenommenen Probe-fahrten ergaben sehr günstige Resultate, die ihrerseits wieder infolge gemachter Erfahrungen zu Abänderungen und Verbesserungen führten, welche dieses neue Fahrrad heute in einer, selbst den höchsten Ansprüchen ganz und voll gerecht werdenden Construction zeigen. Das Motor-Zweirad hat in seiner äusseren Gestaltung den Typus des modernen Niederrades fast vollständig beibehalten, ist gleich leicht lenkbar wie dieses, noch weit bequemer zu besteigen, respective zu verlassen, verursacht im Betrieb verschwindend geringe Kosten, auch lässt sich die treibende Kraft in Bezug auf Geschwindigkeit nach Belieben reguliren und sofort ganz einstellen. Vor ca. drei Jahren wurde der Bau eines solchen Fahrzeuges durch den Chef-Redacteur des "Radfahr-Humor", Heinrich Hildebrand aus München, angeregt und ist nun nach rastloser Arbeit von dem Maschinen-Constructeur Alois Wolfmüller und dem Maschinen-Techniker Hans Gaisenhof verwirklicht worden. Das Motor-Zweirad ist in allen Culturstaaten zum Patent angemeldet. (Uhland's Verkehrszeitung und Industrielle Rundschau, VIII. Jg., Nr. 27, Seite 215)

Fahrschuhe. Einen neuen Fahrsport hat die Gummiwarenfabrik Baeumcher u. Co. in Dresden durch die patentirte Erfindung eines Fahrschuhs ins Leben gerufen. Unter einer stabilen Stahlsohle befinden sich zwei hintereinanderlaufende, 17 Dmtr. im Durchmesser haltende und mit pneumatischen Gummireifen versehene Räder, die sich in Kugellagern bewegen. Um den Fahrschuh am Fuße zu befestigen, hat man, wie beim modernen Schlittschuh, nur nöthig, mit dem Stiefel auf die Stahlsohle zu treten und mittels eines Schlüssels eine am vordern Theil des Gestells angebrachte Schraube anzuziehen, wodurch sich zwei stählerne Backen an die Stiefelsohle anlegen und sie festhalten. An der Schuhhacke der Stahlsohle ist eine aufrecht stehende, etwa 15 Dmtr. hohe Beinschiene angebracht, an der sich zwei mit Filz unterlegte Riemen befinden, die man um den Stiefelschaft schnallt und mit der Hose schließlich verdeckt. Hat man beide Schuhe an den Füßen befestigt, so braucht man nur die Bewegung des Schlittschuhlaufens zu machen, und man eilt auf günstigem Terrain (Chaussee, glattes Pflaster, Asphalt) mit großer Schnelligkeit dahin.

Der Wert neuzeitlicher Dermoplastiken für die Unterrichtung der Museumsbesucher ist um so größer, je schwieriger es ist, die dargestellten Tiere lebend in zoologischen Gärten zu halten. Als Beispiel hierfür führen wir den Nasenaffen an, der es wegen seiner spezialisierten Nahrung bestenfalls ganz kurze Zeit in der Gefangenschaft aushält. Was die Bedeutung hervorragend begabter Dermoplastiker für unsere öffentlichen Schausammlungen anbelangt, so kann mit vollem Recht behauptet werden, daß von ihrer Leistung das ganze "Gesicht" der Schau abhängt. Wirkliche Könner unter den Dermoplastikern sind sehr selten, und Nachwuchs ist kaum vorhanden. Im Interesse unserer naturkundlichen Sammlungen verdient der Beruf viel größere Beachtung und Förderung von allen Seiten, als das bisher der Fall war. (Kosmos, 41. Jg., Heft 9, Juli bis September, Seite 220)


Aus: Spektrum der Wissenschaft 7 / 1994, Seite 69
© Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH

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