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Vor fünfzig und vor hundert Jahren


1945

Die neu entwickelte mikroradiographische Methode beruht auf der unterschiedlichen Absorption von Röntgenstrahlen durch verschiedene chemische Elemente. So absorbieren in einer Legierung Bestandteile mit anderer chemischer Zusammensetzung die einfallende Röntgenstrahlung zu unterschiedlichen Prozentsätzen. Sie lassen sich daher an dem unterschiedlichen Grad der Schwärzung auf dem resultierenden Schattenbild erkennen. Für optimalen Kontrast allerdings sind spezielle Vorkehrungen erforderlich ... Hoher Kontrast läßt sich in analoger Weise wie bei photographischen Aufnahmen erreichen. Im Falle der Röntgenstrahlen wird jedoch die einwirkende Wellenlänge nicht durch Einsatz von Filtern kontrolliert, sondern durch geeignete Auswahl des Target-Materials (auf den das beschleunigte Elektronenstrahlbündel in der Röntgenröhre trifft und Röntgenstrahlung erzeugt) und durch Nutzung einer angemessenen Röhrenspannung. (Scientific American, Band 172, Heft 4, Seiten 219 bis 220)

Vorteile gewalzter Gewinde. Während bei statischer Beanspruchung auf Zug oder Biegung, Streckgrenze und Zugfestigkeit von Gewindebolzen nur unwesentlich vom Herstellungsverfah-ren des Gewindes abhängen, erfährt die Schwingungsfestigkeit nach eingehenden Versuchen im Materialprüfungslaboratorium der Gebrüder Sulzer A.-G., Winterthur, durch Walzen eine wesentliche Steigerung, verglichen mit Bol-zen, deren Gewinde in der bisher üblichen Art durch Schneiden, Fräsen oder Schleifen hergestellt werden. Gleichzeitig wird das Material dadurch gegen eine Alterung praktisch unempfindlich. (Schweizer Bauzeitung, Band 125, Heft 16, Seite 200)

Frühaufstehen nach Operation. An Hand von Magen- und Bruchoperationen untersuchte N. Backer-Grindahl die Wirkung des "Frühaufstehens", worunter er alle Fälle versteht, an denen Patienten innerhalb der ersten 4 Tage nach der Operation aufgestanden waren. Sowohl Thromboembolie als auch Lungenkomplikationen betrugen ein Drittel derjenigen von Spätaufstehern. Bessere Atmung und Durchlüftung der Lungen soll dabei von Bedeutung sein. Der Krankenhausaufenthalt wird um 30 bis 50% verkürzt. (Schweizerische Medizinische Wochenschrift, 75. Jg., Heft 17, Seite 383)

1895

Eigenartige Stereoskopbilder bilden eine Erfindung des Franzosen Duros du Hauron, welcher zwei Photographien benutzt, die etwas verschieden unter einander sind, jedoch nicht neben einander zu stehen kommen, wie in den bisher gebräuchlichen Stereoskop-Apparaten, sondern auf ein Papier über einander gedruckt werden, und zwar das eine Bild in rother, das andere Bild in blauer Farbe. Bei der Betrachtung mit dem blossem Auge bietet das Ganze ein verworrenes Durcheinander, während jedoch das Bild sofort in Schwarz und vollkommen körperlich erscheint, wenn man dasselbe durch eine Brille betrachtet, die ein rothes und ein blaues Glas besitzt. (Central-Zeitung für Optik und Mechanik, 16. Jg., Heft 8, Seite 94)

Argon sowie Helium in einem Mineral. Der Stoff, welcher die Linie D3 des Sonnenspectrums giebt, ist bekanntlich bisher auf der Erde nicht aufgefunden und deshalb "Helium" genannt worden. In der "Natur" vom 28. März theilt nun Herr Ramsay mit, dass er bei seinen Bemühungen, eine Verbindung des neu entdeckten Argon aufzufinden, auf das seltene Mineral Cleveït aufmerksam gemacht worden sei, das mit schwacher Schwefelsäure erwärmt, 2 Procent Stickstoff gebe. Da Cleveït ein Bleiuranat ist, dachte er, der Stickstoff könnte vielleicht Argon sein und mit dem Uran eine Verbindung bilden. Herr Ramsay schreibt nun weiter: "Das Gas verlor, von elektrischen Funken durchsetzt, mit Sauerstoff in Gegenwart von Natron nur eine Spur von Stickstoff, der wahrscheinlich beim Extrahiren hineingerathen war; der Rest besteht aus einem Gemisch von Argon und Helium! Die helle, gelbe Linie, deren Wellenlänge Herr Crooks zu 587,49 bestimmt hat, ist identisch mit der Helium-Linie." (Naturwissenschaftliche Rundschau, 10. Jg., Heft 16, Seite 211)

Schwebebahnen als städtische Verkehrsanstalten. Die gewaltige Verkehrssteigerung auf den Straßen der Großstädte zwingt zur Einführung besonde-rer Verkehrsanstalten, wodurch ein Theil des Verkehrs unter oder über das Straßenniveau verlegt wird. Da Untergrundbahnen nicht überall ausführbar sind, so hat man das Augenmerk besonders auf Hochbahnen gerichtet, auf denen die Elektricität als Triebkraft zu benutzen ist. Um die Ausführung solcher Hochbahnen mit Bezug auf Anlagekosten und Platzerforderniß möglichst ökonomisch zu gestalten, sind neuerdings mehrere Systeme von sogen. Schwebebahnen in Vorschlag gebracht worden, auf denen die Wagen herabhängend mittels oberhalb ihres Dachs angebrachter Rollen laufen, sodaß ein sehr einfach und leicht gehaltener Oberbau der Bahn ausreichend ist. Die Abbildung unten zeigt die Construction einer solchen Schwebebahn nach dem besonders leicht gehaltenen System von Dietrich und H. Müller-Breslau, Professoren an der königl. Technischen Hochschule zu Berlin, wobei die Säulen etwa 50 Mtr. Abstand voneinander haben. Bei den bisjetzt ausgeführten Schwebebahnen anderer Systeme sind die Wagen derartig aufgehängt, daß die Schwerlinie derselben unter der Tragschiene liegt, wogegen bei diesem System die Schwerlinie des Wagens seitlich liegt, wobei das Ueberkippen durch die Doppelflanschen der Laufräder und seitliche Führungsrollen verhütet wird. Diese Anordnung gewährt den Vortheil, daß die seitlichen Schwankungen der Wagen, denen diese bei anderen Schwebebahnen unterliegen, verhütet sind. (Illustrirte Zeitung, Bd. 104, Heft 2702, Seite 440)


Aus: Spektrum der Wissenschaft 4 / 1995, Seite 89
© Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH

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