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Vor fünfzig und vor hundert Jahren


1945

Seitdem die Menschheit erschüttert wurde durch die Nachricht Präsident Trumans über die Atombombe, schwirrten durch Tageszeitungen und durch ebenso flüchtig wie rasch herausgegebene Bücher verschiedenste Mutmaßungen über die zukünftige Verwendung der Atomenergie für friedliche Zwecke. Am 22. November erhielt man im Schoße der Physikalischen Gesellschaft und vor vielen geladenen Gästen in Zürich erstmalig von sehr kompetenter Seite Aufschluß über den tatsächlichen Stand dieses wissenschaftlichen und technischen Problems. So ist die Energie-Gewinnung durch Atomzerfall tatsächlich bereits gelöst. In Pittsburg (USA) ist ein Uran-Großkraftwerk mit 600000 kW oder mehr in Betrieb. Eine kleine Uran-Kraftmaschine, genannt Argonne-Maschine, die wenige hundert kW liefert, läuft seit dem 3. Dezember 1942 Tag und Nacht in Chicago. Diese Maschine nimmt etwa einen Raum von 3 × 3 × 1,2 m ein. Die zweitälteste Maschine läuft in Clinton. Ihre Dauerleistung beträgt 1000 kW, und sie kann auch 2000 kW abgeben. Eine sehr große Maschine läuft in Pasco. Diese Maschinen sind bereits in ihrer Leistung vorzüglich regulierbar. Ihr Wärmeerzeuger ist mit automatischen Reguliergeräten gegen Überhitzung und damit gegen Explosionen geschützt, wobei für die Regulierung sehr reichliche Zeiten zur Verfügung stehen. Die Zerfallprodukte des Urans sind radioaktiv und gefährden dadurch in ihrer Umgebung die Lebewesen, weshalb Fernbedienung nötig ist. Die geeignete Entfernung und Unschädlichmachung dieser Produkte ist eines der bestehenden Probleme. (Schweizer Technische Zeitschrift, 20. Jg., No. 49, Seite 612)

Wiedereröffnung von Hochschulen. Die Universität Hamburg ist wieder eröffnet worden; da die Universitätsgebäude in Trümmern liegen, wird der Lehrbetrieb in der Universität benachbarten Gebäuden vor sich gehen. In Kiel, wo die Universität ebenfalls zerstört ist, hat man eine schwimmende Universität eingerichtet. Es sind 3 Schiffe bereitgestellt worden, die nicht nur Hörsäle, sondern auch Quartiere für die Studenten enthalten. (Schweizerische Medizinische Wochenschrift, 75. Jg., Nr. 44, Seite 980)

Der Nobelpreis des Jahres 1945 für Medizin wurde Sir Alexander Fleming, London, Dr. Ernest Boris Chaim und Sir Howard Walter Florey, Oxford, für ihre Forschungen über das Penicillin verliehen. (Schweizerische Medizinische Wochenschrift, 75. Jg., Nr. 45, Seite 1000)

Der Nobelpreis für Physik für das Jahr 1945 wurde dem Inhaber des Lehrstuhls für theoretische Physik an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich, Professor Wolfgang Pauli, verliehen. Der Nobelpreis für Chemie für das Jahr 1945 wurde dem finnischen Professor Artturi Virtanen, der Preis für das Jahr 1944 dem deutschen Professor Otto Hahn, dem langjährigen Direktor des Kaiser-Wilhelm-Instituts in Dahlem, verliehen. (Schweizerische Medizinische Wochenschrift, 75. Jg., Nr. 47, Seite 1048)

1895

Der für unsere Jugend so wichtige und anziehende Unterricht in der Pflanzenkunde wird durch die unverständlichen und darum schwer zu lernenden lateinischen Benennungen sehr beeinträchtigt. Dem Verlangen nach deutschen Pflanzennamen für die deutsche Jugend steht die Schwierigkeit entgegen, dass es eine einheitliche, deutsche Pflanzenbezeichnung nicht giebt. Wie die fleissige Sammlung von Priztel und Jessen (Die deutschen Volksnamen der Pflanzen, Hannover 1882) zeigt, weichen die Pflanzenbenennungen in den verschiedenen Gegenden deutschen Gebietes wesentlich voneinander ab; für manche Pflanzen giebt es mehr als hundert verschiedene Namen. (Naturwissenschaftliche Rundschau, X. Jg., Nr. 48, Seite 619)

Vom Observatorium auf dem Montblanc. Ich machte die Beobachtung mit dem Spektroskop Duboscq mit zwei Prismen, das ich bei derartigen Studien gewöhnlich benütze, und da es sich nicht darum handelte, die verschiedenen Teile der Sonnenscheibe zu analysieren, sondern das Gesamtlicht, so verwendete ich auch einen gewöhnlichen Spiegel, der sich im Observatorium fand. Das Spektrum war völlig frei von Strahlen wässriger Herkunft. Es war klar, dass jede Andeutung des Wasserdampfes der Sonne im Spektrum vollkommen verschwunden wäre, wenn wir uns noch einige 100 m höher befunden hätten. Für mich ist die "Wasserfrage" schon gelöst. (Schweizer Bauzeitung, Bd. XXVI, Nr. 19, Seite 127)

Kanadische Schneeschuhe und schwedische und norwegische Skier. Die Abbildung stellt die Benützung von kanadischen Schuhen und von Skiern dar, über welch letztere hier kurz folgendes ausgeführt sein mag. Die Form ist die zweier langer, schmaler Holzbretter mit vorn aufgebogenen Enden. Wie bei den Kanadiern ist es auch hier nur der vordere Teil des Fusses, welcher mit dem Instrument verbunden ist, nur wird hier der Fuss nicht gehoben, es ist vielmehr ein "Gleiten" oder "Rutschen" ähnlich dem Schlittschuhlaufen, von welchem es sich aber wesentlich unterscheidet, dass man nicht mit gehobenen Füssen von innen nach auswärts gleitet, sondern ohne den Fuss bezw. Schneeschuh vom Boden aufzuheben, den einen Fuss immer parallel zum andern und möglichst nah am andern vorbei nach vorwärts schiebt. Nicht weniger wichtig ist die vollständige Beherrschung des Körpergewichtes, welches stets nach vorne gelegt sein soll. Es handelt sich hier um einen Sport, der erlernt sein will wie das Schlittschuhlaufen, ein Sport, von dem allerdings Nansen in seinem Werk: "Auf Schneeschuhen durch Grönland" sagt: "Nichts stärkt die Muskeln so sehr, nichts macht den Körper elastischer und geschmeidiger, nichts verleiht eine grössere Umsicht und Gewandtheit, nichts stärkt den Willen mehr, nichts macht den Sinn so frisch wie das Schneeschuhlaufen." (Bayerisches Industrie- und Gewerbeblatt, 27. Jg., No 49, Seite 387)


Aus: Spektrum der Wissenschaft 11 / 1995, Seite 69
© Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH

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