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Vor fünfzig und vor hundert Jahren


1947

Es ist das Verdienst von Konrad Zuse, dessen Arbeiten jetzt bekannt werden, als erster in Deutschland im Rechenmaschinenbau neue Wege beschritten zu haben in der Erkenntnis, daß die bisher üblichen Bauprinzipien sich nicht mehr auf die Lösung von Aufgaben ausdehnen lassen, wie sie künftig an die Rechenmaschine gestellt werden. Zuse verwendet bei seinen Geräten das Dual-Zahlensystem, welches Zahlen in einer Folge zweifach-variabler Angaben, sogenannter Ja-Nein-Werte, darstellt. Darüber hinaus eröffnet das Rechnen mit Ja-Nein-Werten die Möglichkeit, Geräte zu bauen, die nicht auf das Zahlenrechnen beschränkt sind, sondern welche "Allgemeine Rechnungen" mit Umständen, Bedingungen, Kombinationen usw. durchführen können... Ein Ja-Nein-Wert läßt sich durch einfachste Mittel konstruktiv darstellen. An die Stelle der Getriebetechnik bisher gebräuchlicher Rechenmaschinen tritt die "Relais"-Technik, so benannt nach dem bekanntesten Schaltglied, welches eine zweifach-variable Angabe konstruktiv verwirklicht. Die Art der verwendeten Relaistechnik (elektromagnetisch, elektronengesteuert oder mechanisch) ist im Prinzip für die Durchführung der Rechnung gleichgültig. (Die Naturwissenschaften, Heft 1, nach Zensur ausgegeben November 1947; Artikel eingegangen am 5. Mai 1947, Seite 32)

Kontakt-Insektizide. Im vergangenen Jahre ist die insektentötende Wirkung einer weiteren Halogenkohlenwasserstoffverbindung erkannt worden. Es handelt sich um das schon seit 1825 bekannte Benzolhexachlorid. Während sich nun das Benzolhexachlorid als giftiger gegenüber vielen Schadinsekten erweist als DDT, ist jedoch wegen seiner größeren Flüchtigkeit seine Giftwirkung nicht so lange anhaltend... Dafür gestattet das rasche Abdampfen des Benzolhexachlorids von den bespritzten oder bestäubten Gegenständen seine Anwendung bei Lebensmitteln. Die Stoffe ergänzen sich also vorzüglich. (Kosmos, 43. Jg., Heft 1, Seiten 21-22, Januar 1947)

Strümpfe statt Bomberbereifung. Das Cordgewebe in den Laufdecken der Bereifung für schwere Bomber und Fahrzeuge hatte man in USA schon seit längerer Zeit durch Kunstfasergewebe, vor allem solche aus "Nylon", einem Kunststoff, ersetzt. Darum gab es auch keine Nylonstrümpfe. Ein einziger Reifen, eine einzige Laufdecke eines solchen Bombers erforderte nämlich fünfzig Pfund Nylon, das ist eine Menge, aus der man siebenhundertfünfzig Paar kunstseidene Damenstrümpfe herstellen kann. Nun wurde erstmals eine Jahresmenge von zehn Millionen Pfund Nylon für Wirkwaren frei, was einer Menge von einhundertfünfzig Millionen Paar Strümpfen entsprechen würde. (Orion, 2. Jg., Heft 1, Seite 30).

1897

Die deutschen und schwedischen Untersuchungen der Nordsee im Sommer hatten ergeben, dass in dieser Jahreszeit das nördliche Nordseeplateau von Shetland und Orkneys bis zur Doggerbank und zur Mündung des Skageracks von einem mächtigen Wasserlager mit hohem Salzgehalt, einem Ausläufer des Golfstromes, bedeckt ist und dass ein zweiter Strom atlantischen Wassers durch den englischen Kanal bis zum 52. bis 53. Breitegrad vordringt. Rings um diese centralen Flächen findet sich Wasser von geringerem Salzgehalt, und im Osten ist alles vom salzarmen baltischen Strom überfluthet, der sich durch eine relativ hohe Temperatur (17° C.) vor dem oceanischen Wasser (12° C.) auszeichnet. (Naturwissenschaftliche Rundschau, XII. Jg., Nr. 3, Seite 29, 16. Januar 1897)

Eine Stiftung Alfred Nobel's. Der vor kurzem an der Riviera gestorbene Erfinder des Dynamits und der Sprenggelatine Dr. Alfred Nobel hat über den grössten Teil seiner auf 35 Millionen Kr. geschätzten Hinterlassenschaft eine testamentarische Verfügung getroffen, welche ihm ein dankbares Andenken in der gesamten wissenschaftlichen Welt sichert. Das Kapital bildet einen Fonds, von dessen Zinsen drei Fünftel, d. h. etwa 5-600000 Kr. jährlich als Preise für die wichtigste Entdeckung oder Erfindung im Gebiete der Physik, der Chemie und der Physiologie zur Verteilung kommen sollen. Ueber die Preise für Physik und Chemie verfügt die schwedische Akademie der Wissenschaften, über diejenigen für physiologische oder medizinische Arbeiten das carolinische Institut in Stockholm. Nobel hat jedoch ausdrücklich bestimmt, dass die Preisverteilung ohne Rücksicht auf die nationale Zugehörigkeit zu erfolgen habe. Angesichts dieser hochherzigen Schenkung darf man mit Recht sagen: Nomen est omen. (Schweizerische Bauzeitung, Bd. XXIX, Nr. 3, Seite 20, 30. Januar 1897)

Elektrische Laternen mit trockenen Accumulatoren. Als einer der grössten Fortschritte, welcher auf dem Gebiete der Elektricität in letzter Zeit gemacht worden ist, darf die Erfindung des gelatineartigen Elektrolyts angesehen werden, welcher durch Mischen von Schwefelsäure mit Wasserglas unter Beimengung von Asbest dargestellt wird. Durch die leimartige Consistenz dieses Elektrolyts erhalten die im Accumulator befindlichen Platten einen Halt, der sie vor dem Losewerden bewahrt und den Accumulator selbst auf diese Weise geeignet macht, gegen Erschütterungen erfolgreich Widerstand leisten zu können... Die mit solchen Accumulatoren ausgerüsteten Laternen sind daher für Radfahrer und Reiter ohne Zweifel eine ungemein praktische Neuerung. Die Accumulatoren selbst sind sehr klein (12×8,5×2 cm) und haben ein Gewicht von nur 600 g bei einer Leistungsfähigkeit von 1,5 Amp. Stunden... Um den gelatineartigen Elektrolyt vor dem Austrocknen und Rissigwerden zu bewahren, wird derselbe vor jeder Ladung mittels einer kleinen Spritze am besten mit destilliertem Wasser schwach angefeuchtet. (Uhland's Verkehrszeitung und Industrielle Rundschau, XI. Jg., Nr. 2, Seite 14)


Aus: Spektrum der Wissenschaft 1 / 1997, Seite 92
© Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH
1 / 1997

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum der Wissenschaft 1 / 1997

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