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Vor fünfzig und vor hundert Jahren


1947

Ueber neue Antibiotika, die klinisch vielversprechend erscheinen (Streptomycin, Thyrothricin, Gramicidin, Streptothricin, Chlorophyll u. a.), liegen bereits zahlreiche Veröffentlichungen über Laboratoriumsuntersuchungen vor, hingegen nur sehr wenige, die sich mit ihrer klinischen Anwendung und den dabei gemachten Erfahrungen beschäftigen. Leider hat eine gewisse paramedizinische Publizistik, in den USA und teilweise auch bei uns, falsche Vorstellungen über den Stand dieser Angelegenheit erweckt. Die tatsächliche Lage ist die, daß das "Comittee on Chemotherapeutics" und andere Stellen des "National Research Council" alle Untersuchungen über die Wirksamkeit und Toxizität des Streptomycins bei einer Reihe von Infektionen überwacht und leitet, in denen Sulfonamide, Penicillin und andere unwirksam sind. Die Produktion wird immer noch als "sehr beschränkt" bezeichnet. Streptomycin wird durch das genannte Komitee unentgeltlich an diejenigen Kliniken abgegeben, die an diesem Untersuchungsprogramm mitarbeiten, und, un-ter gewissen Bedingungen, an einzelne Aerzte zur Behandlung von ausgewählten Fällen. (Schweizerische Medizinische Wochenzeitschrift, 77. Jg., Nr. 7, Seite 240, 1947)

Neuer Fixpunkt der Temperatur. An der ersten offiziellen Nachkriegstagung des Comité International des Poids et Mesures, die in Paris von 11 Staaten beschickt war, nahm als deutscher Vertreter Prof. Dr. Kösters, Physikalisch-Technische Reichsanstalt Berlin, teil. Es ist dies der erste Fall, daß ein deutscher Gelehrter nach dem Kriege wieder zu einer internationalen wissenschaftlichen Tagung eingeladen wurde. Das Comité überzeugte sich, daß die internationalen Prototype dank der Fürsorge der französichen Regierung und später der deutschen Besatzungsmacht den Krieg gut überstanden haben. Alle Normalmaße befinden sich wieder im Pavillon zu Breteuil. Auf den wissenschaftlichen Sitzungen wurde der deutsche Antrag, als Fixpunkt der Temperaturskala statt des Schmelzpunktes des Eises den Tripelpunkt des Wassers zu wählen, in erster Lesung angenommen. (Physikalische Blätter, 3. Jg., Heft 2, Seite 57, 1947)

Zur Lösung des Rätsels der Neuen Sterne. Die zu den bestgesicherten Novae gehörende Nova Sagittae No. 2 des Jahres 1913 ist am 28. Juni erneut aufgeflammt. Durch einen überaus glücklichen Zufall konnte dabei erstmalig der frühe Anstieg einer Nova verfolgt werden, und es ergab sich, daß die Nova in den 4 Stunden der kurzen Sommernacht um 2,6 Größenklassen heller wurde. Dieser Wert war durchaus im Rahmen dessen, was man für diesen Anstieg abgeschätzt hatte. Dagegen dürfte der plötzliche Abfall Ende Juli als große Überraschung bezeichnet werden. Der derzeitige Abfall ist sehr langsam, und es werden noch Monate vergehen, ehe die Nova wieder ihre Ruhehelligkeit, etwas schwächer als 15. Größe, erreicht haben wird. (Natur und Volk, 77. Jg., Heft 1/3, Seite 39, 1947)

1897

W. T. Bonner aus New York demonstrierte an der Hand zahlreicher höchst interessanter Photographien und Zeichnungen von Funden aus den Ruinen Pompejis, dass das Prinzip des Wasserröhrenkessels von den Griechen und Römern vor 2000 Jahren völlig verstanden und praktisch angewendet wurde. Die Kessel dienten zur Erwärmung von Wasser zu häuslichen Zwecken und unterscheiden sich in ihrer Grundform nicht wesentlich von den Konstruktionen unserer Zeit. Die Abbildung zeigt einen Schnitt durch einen solchen Kessel, dessen Rost aus Röhren besteht, welche wahrscheinlich durch Wasser gekühlt wurden. (Bayerisches Industrie- und Gewerbeblatt, 83. Jg., No. 7, Seite 58, 1897)

Neuestes von den unsichtbaren Lichtstrahlen. Den vereinten Bemühungen der Physiker und Aerzte ist es gelungen, den Rumpf des menschlichen Körpers zu durchleuchten und ein Schattenbild derjenigen inneren Organe sichtbar zu machen, welche für die X-Strahlen undurchlässig sind, wie Kehlkopf, Zungenbein und Magen. Aber auch pathologische Gebilde hat man auf diese Weise bereits gesehen. Bei einem früher an Schwindsucht und Lungenblutungen erkrankten Menschen sah man an einzelnen Stellen, wo die wegen ihrer Lichtdurchlässigkeit unsichtbaren Lungen liegen sollen, drei bis vier dunkle Partien, welche Verkalkungen der früher tuberculösen Lungentheile darstellen. Im Herzen eines Mannes fanden sich da, wo die Kranzarterien liegen, dunkle Strichelungen, die sich von der dunklen Herzmasse scharf abheben; sie deuten auf eine Verkalkung der betreffenden Herzgefäße hin, verursachten aber bisher keine Erscheinungen und waren deshalb klinisch noch nicht diagnostizirt. An der Richtigkeit dieser Auffassung war umso weniger zu zweifeln, als auch die Pulsadern am Handgelenk fühlbar hart waren und sich sichtbare Linien neben der Elle und Speiche auf der Photographie erkennen lassen. (Der Stein der Weisen, Band 17, Seite 88, 1897)

Marspole. Von der bei Mexico errichteten Sternwarte des Herrn Lowell wird mitgetheilt, dass sich im Nordpolarfleck des Planeten Mars eine dunkle Spalte gebildet hat. In den Jahren 1892 und 1894 wurde ein ähnlicher Vorgang am Südpolarfleck beobachtet, wenn derselbe in starkem Abschmelzen begriffen war. Es hatte dort den Anschein, als ob ein zwischen Gebirgen gelegenes Thal zuerst schneefrei geworden sei, worauf dann nach und nach die beiden getrennten Flecke kleiner wurden und bis auf einen kleinen Rest, oder wie 1894, vollständig verschwanden. (Naturwissenschaftliche Rundschau, XII. Jg., Nr. 8, Seite 104, 1897)



Aus: Spektrum der Wissenschaft 2 / 1997, Seite 103
© Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH
2 / 1997

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum der Wissenschaft 2 / 1997

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