Direkt zum Inhalt

Vor fünfzig und vor hundert Jahren


1947

Momentan wird von mehreren Forschungsexpeditionen in verschiedenen Teilen Afrikas untersucht, inwiefern sich DDT zur Bekämpfung von verschiedenen Krankheitsüberträgern im großen Maßstab eignet. Insbesondere prüft man seine Brauchbarkeit zur Bekämpfung der Tse-Tse-Fliegen (Schlafkrankheit), von A. darlingi (Malaria und Filariose in Britisch-Guyana), A. gambiae (Malaria in West-Afrika), von Ae. aegypti (Gelbfieber), sowie von verschiedenen Zecken, die im Fernen Osten Rickettsiosen übertragen. (Schweizerische Medizinische Wochenschrift, 77. Jg., Nr. 16, 19. April 1947, Seite 465)

Hochfrequenzlinsen. Einer der Wege zur Verbesserung der Elektronenmikroskope führt über die Hochfrequenzlinsen, wie sie seit langem in Deutschland geplant und heute mancherorts in der Welt zur Entwicklung aufgegriffen sind. Man denke sich etwa von dem Objektpunkt einen Augenblick lang zwei Scharen von Elektronen ausgehen, schnelle und langsame. Nach Durchquerung einer üblichen statischen Elektronenlinse werden beide Scharen, die nacheinander zum Bildpunkt gelangen, nicht denselben Punkt erreichen. Die langsamen, die den schnellen in einem immer größer werdenden Abstand folgen, werden stärker beeinflußt werden und sich damit in einem näheren Punkte treffen. Schwächt man aber die Linse, nachdem die schnelle Schar die Linse passiert hat, so wird man offenbar die langsame Schar zu demselben Bildpunkt führen können. Rhythmische Öffnung einer sogenannten Phasenblende am Objekt und rhythmische Umstellung der Elektronenlinse ist einer der Wege zu korrigierten Elektronenlinsen und damit zu höheren Auflösungen des Elektronenmikroskops. (Physikalische Blätter, 3. Jg., Heft 4, 1947, Seiten 116 bis 117)

Synthetisches Penicillin. Nach fünfjährigem gründlichem Studium und endlosen Versuchen ist es jetzt einem Professor an der Cornell-Universtät in New York gelungen, Penicillin synthetisch herzustellen und Kristalle von Bencyl-Penicillin (Penicillin G) zu gewinnen, das eine besonders hohe bakterientötende Eigenschaft hat. Man hofft damit, Krankheiten wie Malaria, Aussatz, spinale Kinderlähmung, auch Grippe und wie man annimmt, Tuberkulose, bekämpfen zu können. (Kosmos, 43. Jg., Heft 4, 1947, Seite 122)

Die Technik ist heute schlecht angeschrieben. Sie hat im "Dritten Reich" eine so überragende Rolle gespielt und war derart in den Vordergrund gerückt worden, daß sie nunmehr nicht nur für die Schrecken des Krieges, sondern auch für die Verbrechen und Taten des Nationalsozialismus verantwortlich gemacht wird. Damit tut man ihr bitter unrecht, und es ist dringend erforderlich, daß die Technik in dieser Hinsicht entlastet, gewissermaßen "entnazifiziert" wird. Die Spruchkammer, die allein das Urteil fällen kann, bilden wir selbst. Denn wir müssen endlich einsehen, daß an allen Auswüchsen, allen nachteiligen Folgen der Technik nicht diese, sondern der Mensch selbst die Schuld trägt. Er hat es nicht verstanden, die Technik vernünftig anzuwenden, er hat sie einseitig betont, bevorzugt, so daß er von ihr beherrscht wurde, anstatt sie zu beherrschen. (Orion, 2. Jg., Heft 4, 15. April 1947, Seite 1)


1897

Bouchard hat gezeigt, dass Tuberkuloseherde die Röntgenstrahlen in anderer Weise durchlassen als gesunde Gewebe, sodass man sie dadurch auffinden und ihre Verbreitung nachweisen kann. (Die Umschau, 1. Jg., No 14, 3. April 1897, Seite 253)

Das Telephon als Unterrichtsmittel für die Taubstummen. Ein Arzt in einem der ersten Taubstummen-Institute Englands hat die interessante Wahrnehmung gemacht, dass die Behandlung der Taubstummen mit Hilfe eines lautsprechenden Telephons sehr erfolgreich durchzuführen ist. Besonders beim Unterricht solcher Taubstummer, die noch ein Fragment von Gehör besitzen, soll das Telephon bedeutend vorteilhafter sein wie das jetzt gebräuchliche Sprachrohr. Vor allem legt der betreffende Arzt Gewicht darauf, dass eine sehr grosse Menge von Schall-Empfängern mit einem Ton-Ueberträger verbunden werden können und demnach der Unterricht einer grossen Anzahl von Kindern gleichzeitig stattfinden kann. Der zweite grosse Vortheil besteht darin, dass der Lehrer seinen Mund nicht dicht an das Instrument anzulegen braucht, wie es beim Sprachrohr nothwendig ist, so dass die Kinder die Bewegung der Lippen genau sehen können und gleichzeitig den Schall empfangen. Auch der Lehrer kann bei Anwendung des Telephons seine Kräfte schonen und braucht weniger laut zu sprechen, was auch für die Deutlichkeit des Tones von Vortheil ist; das Telephon würde sich demnach nicht nur als Verkehrs-, sondern auch als Heilmittel bewähren. (Central-Zeitung für Optik und Mechanik, XVIII. Jg., No. 8, 15. April 1897, Seite 79)

Ein Riesen-Tricycle. Acht Mann treiben den Mechanismus des Rades, welches in Folge seiner Dimensionen ein Eigengewicht von 1200 Kilogramm besitzt, so daß auf einen Mann circa 150 Kilogramm kommen. Das vordere Rad mißt 1,8 Meter im Durchmesser, wogegen die gleiche Dimension der beiden großen Hinterräder deren 3,4 beträgt. Das Gestell besteht aus zwei parallelen Stahlbändern, welche nebeneinander liegen und vorne in ein Kreuzband endigen, an welchem wieder der Griff für das Gouvernal angebracht ist, wie dies die Abbildung erkennen läßt. Ein Mann vorne besorgt die Steuerung. Jedes der beiden großen Treibräder wird von je vier denselben zunächst sitzenden Männern angetrieben. Die Kettenübersetzungen mit den Zahnrädern sind ebenfalls im Vordertheile der Abbildung zu ersehen, ebenso die Pedale und deren Kuppelung... Nebenbei sei bemerkt, daß die Länge der Maschine fünfeinhalb Meter erreicht. Entsprechend sind auch die Pneumaticreifen von riesiger Ausdehnung. (Stein der Weisen, Siebzehnter Band, 1897, Seite 250)


Aus: Spektrum der Wissenschaft 4 / 1997, Seite 103
© Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH

Lesermeinung

Beitrag schreiben

Wir freuen uns über Ihre Beiträge zu unseren Artikeln und wünschen Ihnen viel Spaß beim Gedankenaustausch auf unseren Seiten! Bitte beachten Sie dabei unsere Kommentarrichtlinien.

Tragen Sie bitte nur Relevantes zum Thema des jeweiligen Artikels vor, und wahren Sie einen respektvollen Umgangston. Die Redaktion behält sich vor, Leserzuschriften nicht zu veröffentlichen und Ihre Kommentare redaktionell zu bearbeiten. Die Leserzuschriften können daher leider nicht immer sofort veröffentlicht werden. Bitte geben Sie einen Namen an und Ihren Zuschriften stets eine aussagekräftige Überschrift, damit bei Onlinediskussionen andere Teilnehmer sich leichter auf Ihre Beiträge beziehen können. Ausgewählte Lesermeinungen können ohne separate Rücksprache auch in unseren gedruckten und digitalen Magazinen veröffentlicht werden. Vielen Dank!