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Vor fünfzig und vor hundert Jahren


1947

Die Bedeutung der Versuche von Bikini ist klar und eindrucksvoll. Trotzdem haben die Zuschauer aus den Vereinigten Staaten bei ihrer Rückkehr von Bikini allgemein gefunden, daß Leute, mit denen sie die Angelegenheit diskutierten, hinsichtlich der Bedeutung der Versuche im speziellen und der Atombombe im allgemeinen sich nicht recht klar waren. Wir haben sogar viele Leute gefunden, die über die Sache weder sprechen noch denken wollen, weil sie sagen, es ist einfach zu schrecklich, um darüber nachzudenken. Wir möchten gerne diese Leute und überhaupt jedermann davon überzeugen, daß die Atombombe nicht allein fürchterlich ist, sondern daß sie so entsetzlich ist, daß etwas dagegen getan werden muß. Und dieses Etwas heißt nicht etwa, den Kopf in den Sand stecken, sondern wir müssen uns dagegen sichern, daß sie je gebraucht wird. Und das bedeu-tet andererseits, daß in der Zukunft Krieg irgendwie verhindert werden muß. (Physikalische Blätter, 3. Jg., Heft 12, 1947, Seite 422)

Nobelpreis für Chemie. Es ist auf dem zur Verfügung stehenden Raum nicht möglich, auf die zahlreichen Ionosphären-Arbeiten Sir Edward Appletons näher einzugehen. Sie befassen sich z. B. mit der Polarisation der reflektierten Wellen, mit ihrer Absorption, mit der abnormalen E-Schicht, mit den Eigenschaften der Ionosphäre in hohen geographischen Breiten, die er als Leiter der britischen Expedition nach Tromsö im internationalen Polarjahr 1932/33 studieren konnte, und mit den Vorgängen in der Ionosphäre während einer Sonnenfinsternis. Was diese Arbeiten auszeichnet, ist die Wahl des Themas, das fast immer grundlegende Fragen betrifft. (Physikalische Blätter, 3. Jg., Heft 12, 1947, Seite 426)

Schwangerschaft und Choriongonadotropin. W. E. Browne und I. T. Bradbury gelang es erstmals, die Rolle des Choriongonadotropins im Sexualgeschehen der Frau abzuklären. Sie konnten nämlich nachweisen, daß das menschliche Chorionhormon luteotroph ist und den Zustand einer Pseudogravidität auszulösen vermag... Die Autoren bezeichnen das Choriongonadotropin als ein typisches Schwangerschaftshormon und empfehlen es vor allem zu Behandlung aller Störungen der frühen Gravidität. Des weiteren eignet sich dieses Hormon zur Therapie von Fertilitätsstörungen. (Schweizerische Medizinische Wochenschrift, 77. Jg., Nr. 49, Dezember 1947, Seite 1290)

1897

Die Verwendung von Graphit als Schmiermittel wird jetzt sogar vom Organ des preussischen Dampfkesselüberwachungsvereins empfohlen. Wesentliche Voraussetzung ist jedoch dabei, dass der Graphit nicht nur völlig frei von harten Fremdkörpern zum Beispiel Quarz, sei, sondern auch dass er sich in Form von Flocken befinde, welche sich an die rauhe Oberfläche der Metall-Lagerflächen anschmiegen und alle von der Bearbeitung derselben hinterlassenen Unebenheiten ausfüllen. Solcher Graphit (das Produkt einer sehr kostspieligen chemischen Behandlung) ist, den angestellten Versuchen zufolge, an sich 3 mal so wirksam als das beste Wallratöl, und bei gleichzeitiger Verwendung von ebensoviel Schmieröl, 6 mal so wirksam. Professor Kingsburg soll ermittelt haben, dass, während schwere Mineralöle einen Reibungsköefficienten von 0,14 gaben, die gleichen Volumen Oel mit Graphit nur einen solchen von 0,07 hatten. (Hannoversches Gewerbeblatt, Nr. 23, 1. Dezember 1897, Seite 182)

Versuche mit Schneeschmelzmaschinen. Das Bild zeigt uns eine solche, durch die "Snow and the Liquesning Company" von Paterson (New Jersey) hergestellte Maschine in Thätigkeit. Sie ruht auf einem von zwei Pferden gezoge-nen vierräderigen Wagen: unter dem Kutschersitz liegt ein großes Naphthareservoir, zwischen den Vorder- und Hinterrädern ist der Dampfkessel mit dem Mechanismus aufgestellt, und nach rückwärts erstreckt sich der Schmelzkasten weit über die Hinterräder hinaus... Soll nun die Arbeit des Schneeschmelzens beginnen, so läßt man den Naphthadampf aus dem Sepearator und den Gebläsewind zusammen in den unteren Teil des Schmelzkastens strömen, wo sie sich miteinander vermischen und entzündet werden. Der feurige Dampf schlägt zeitweilig durch den Schlitz zwischen dem Gitter in bläulich leuchtenden Flammen hoch empor. Es entwickelt sich dabei in dem Innern des Schmelzkastens eine so gewaltige Hitze, daß die aufgeschütteten Schneemassen in überraschend kurzer Zeit zum Schmelzen gebracht werden. Das Schneewasser fließt unten ab und kann durch Schläuche unmittelbar in die Straßenkanäle geleitet werden. (Die Gartenlaube, Nr. 51, 1897, Seite 856)

Der Riesenmeteorit, den der unermüdliche Nordpolarforscher Leutnant Peary von seiner diesjährigen Grönlandfahrt nach Philadelphia heimgebracht hat, ist ungefähr 12 Fuss lang, 8 Fuss breit und 6 Fuss hoch und wiegt circa 70 Tonnen. Er besteht der Hauptmasse nach aus ca. 92 Prozent Eisen und 8 Prozent Nickel, neben anderen in geringer Menge eingesprengten Teilen. Der bläulich-schwarze Stein wurde schon im Jahre 1818 von John Ross am Kap New York (Melvillebai) entdeckt, der auch Messer, welche sich die dortigen Eskimos aus dem Eisen gemacht, mit zurückbrachte. Von neueren Forschern gelang es erst Peary wieder den Stein zu erreichen. Nachdem die Bergung desselben im vergangenen Jahre an der Unzulänglichkeit der mitgenommenen Hebewerkzeuge gescheitert, gelang es nunmehr mittelst hydraulischer Hebezeuge die sieben Fuss im Boden lagernde Metallmasse emporzuheben und im Kielraume des Expeditionsschiffes unterzubringen. (Die Umschau, 1. Jg., No 49, 4. Dezember 1897, Seite 879


Aus: Spektrum der Wissenschaft 12 / 1997, Seite 132
© Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH

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