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Vor fünfzig und vor hundert Jahren


1948

Neuigkeiten vom kalifornischen Riesencyclotron. Dieses erteilt Deuteronen (Kerne des schweren Wasserstoffs vom Atomgewicht 2) eine Energie von 200 Millionen Elektronenvolt (abgekürzt eV) und die Alphateilchen (Kerne vom Heliumatom mit dem Atomgewicht 4) erhalten sogar Energie von 400 Millionen eV. Mit diesen ungeheuer energiereichen und unvorstellbar schnellen "Geschossen" hat man nun alle möglichen Elemente "bombardiert". Und bei dieser heftigen "Beschießung" blieben die Geschosse nicht nur im getroffenen Atomkern stecken und splitterten ein Proton, Neutron oder Alphateilchen ab, wie es sonst Brauch war, sondern die getroffenen Kerne wurden verschiedentlich in 20 – 30 "Splitter" zerrissen. Dabei fand man über 100 großenteils neue Isotopen. Aus Arsenatomkernen vom Atomgewicht 75 rissen die Geschosse soviel Materie heraus, daß nur noch Kobaltatomkerne übrigblieben. Andere Arsenatomkerne wurden bei der Beschießung mit Alphateilchen in Chlor verwandelt, letzteres liegt im Periodischen System um 16 Plätze tiefer als Arsen! (Kosmos, 44. Jg., Heft 4/5, April/Mai 1948, Seite 97)

Probleme der Krebsforschung. Daß eine Mutation von Keimzellen zur Geschwulstbildung führen kann, haben Versuche von Morgan an der Taufliege Drosophila gezeigt; auch beim Menschen gibt es einige wenige sicher vererbbare Geschwülste oder "Vorgeschwulstzustände", denen zweifellos Veränderungen der Keimzellen zugrundeliegen. Ob aber die Mutationstheorie in ihrer wesentlich allgemeineren, das heißt nicht auf die wenigen vererbbaren und klinisch sehr seltenen Geschwülste beschränkten Fassung zutrifft, steht noch dahin... Durch neuerliche Feststellungen, wonach auch chemische Stoffe an Tieren Mutationen auslösen können, hat sie an Wahrscheinlichkeit gewonnen. (Orion, 3. Jg., Heft 4, 15. April 1948, Seite 145)

Im Kampf gegen den Kartoffelkäfer. Dem deutschen Nobelpreisträger für Chemie Professor Richard Kuhn und seiner Mitarbeiterin Irmentraut Löw in Heidelberg eine bedeutsame Entdeckung gelungen, die für die Kartoffelkäferbekämpfung von weittragender Bedeutung sein kann. Es war bekannt, daß die Blätter einer in Mexiko beheimateten Kartoffelpflanze niederen Wuchses nicht von den Larven des Kartoffelkäfers befallen werden... Ihr Solanin erwies sich als verschiedenartig. Es enthält zwar nur zwei Wasserstoffatome mehr, zeigt jedoch verschiedene Löslichkeits- und andere chemische Eigenschaften. Die Forscher nannten es "Demissin". Imprägniert man die Blätter normaler Kartoffeln mit Demissin, so werden sie von den Larven nicht länger befallen, offenbar stellt es für die Larven ein Vergällungsmittel dar. (Die Neue Zeitung, 4. Jg., 1. April 1948, Seite 4)

1898

Neue Glühlampe. Von Prof. Dr. W. Nernst, dem Leiter des Göttinger Instituts für physikalische Chemie und Elektrotechnik, ist auf Grund von Versuchen, welche über Jahresfrist hinaus von ihm fortgesetzt wurden, eine neue Methode zur Lichterzeugung herausgebildet worden, durch welche das Gasglühlicht und Acetylenlicht vielleicht bald überflügelt werden dürften. Bezüglich dieser Methode handels es sich um die Benutzung von elektrischen Wechselströmen für Lichterzeugung und um die Herstellung eines dazu geeigneten neuen Glühkörpers. Es ist Prof. Nernst gelungen, durch den elektrischen Strom Körper zum Glühen zu bringen, die bisher als Nichtleiter für Elektrizität galten. Die Hauptschwierigkeit lag darin, diese Körper so vorzubereiten, dass sie hohen Temperaturen auf lange Zeit Widerstand zu leisten vermochten... Es ist mit grosser Wahrscheinlichkeit zu erwarten, dass seine Erfindung in der Beleuchtungstechnick eine grosse Umwälzung hervorrufen wird. (Gesundheits-Ingenieur, 21. Jg., No. 7, 15. April 1898, Seite 117)

Verwendung der flüssigen Luft zu Sprengzwecken. Prof. Dr. Linde, dessen höchst sinnreiches Verfahren, atmosphärische Luft in grossen Mengen zu verflüssigen, vor zwei Jahren so berechtigtes Aufsehen machte, hat neuerdings Versuche angestellt, die flüssige Luft an Stelle von Dynamit u.s.w. als Sprengmittel zu benutzen... Die Herstellung des neuen Sprengmittels geschieht nun in folgender Weise: Gepulverte Holzkohle wird mit einem Drittel ihres Gewichts an Baumwollwatte in einer besonderen Vorrichtung vermengt und in Patronen aus steifem Papier gestopft; kurz vor dem Gebrauch giesst man flüssige Luft hinein, die etwa in der dreifachen Menge des Patroneninhalts energisch aufgezogen wird. Die Patrone behält ihre explosiven Eigenschaften etwa 5 bis 10 Minuten lang in voller Stärke, nach Verlauf von 15 bis 30 Minuten sind dieselben indessen vollständig verschwunden. (Deutsche Mechaniker Zeitung, Nr. 7, 1. April 1898, Seite 53)

Die Lefèbre-Bremse für Fahrräder hat das Prinzip, dem Radfahrer die Einhaltung einer bestimmten Fahrgeschwindigkeit aufzuerlegen, und das tolle Fahren innerhalb einer Stadt zu verhindern. Die Arbeitsleistung der Bremse geschieht in der Weise, dass das Regulatorgewicht im Generator (wie eine auf dem Fahrrad laufende Schelle aussehend), welcher mit der Bremse in Verbindung steht, bei Erhöhung der vorgeschriebenen Geschwindigkeit einen Bolzen aus der eigentlichen Bremse zieht, so dass die vertikalen Federn derselben in Funktion treten und so der Gummischuh der Bremse auf den vorderen Radreifen gepresst wird... Für das Fahren ausserhalb der Stadt kann die Bremse bequem ausgeschaltet werden. Es bedarf dazu nur der Umlegung eines Blechschildes... Dieses Schild bezweckt auch den Organen der Behörde ein leicht sichtbares Erkennungszeichen zu geben, dass innerhalb der Stadt die Bremse in Funktion ist. Die Farben der Schilder bedeuten die verschiedenen regulierten Geschwindigkeiten des Generators von 5 km bis 20 km höchstfahrbarer Geschwindigkeit in der Stunde. (Die Umschau, II. Jg., No 16, 16. April 1898, Seite 303)



Aus: Spektrum der Wissenschaft 4 / 1998, Seite 117
© Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH

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