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Vor fünfzig und vor hundert Jahren


1948 Lichtbilder mit Neutronen. Wie erst jetzt durch eine Veröffentlichung bekannt wird, wurden auch im Berliner Kaiser-Wilhelm-Institut für physikalische und Elektrochemie kurz vor Kriegsbeginn umfangreichere Untersuchungen darüber angestellt, ob sich langsame Neutronen in ähnlicher Weise wie Röntgenstrahlen zur Durchleuchtung von Materialien eignen und vielleicht die Röntgenologie in gewissem Maße ergänzen können. Da Neutronen weder eine fotografische Schicht schwärzen, noch einen Leuchtschirm anregen können, müssen die Neutronen, die das durchleuchtete Material durchdrungen haben, einen Zwischenprozeß auslösen. Sehr bewährt für diese Zwecke hat sich eine Anordnung, bei der die fotografische Schicht zwischen zwei Leuchtfolien liegt, die nach außen hin durch eine Lithium- oder Borschicht abgedeckt sind. Die Neutronen erzeugen in der Lithium- oder Borschicht a-Teilchen, die die Leuchtfolien anregen, die dann ihrerseits die fotografische Schicht schwärzen. Auf diese Weise konnte die höchste Empfindlichkeit gegenüber Neutronen erzielt werden. (Foto-Kino-Technik, 2. Jg., Heft 11, 1948, Seite 280) Nobelpreise. Dem Schweizer Chemiker Dr. Paul Müller, Mitglied des Forschungslaboratoriums der Geigy‘schen chemischen Fabrik in Basel wurde der Nobelpreis für Medizin und Physiologie für seine Erfindung des neue Wege in der Schädlingsbekämpfung eröffnenden Dichlor-Diphenyl-Trichlormethylmethan(DDT)-Puders zuerkannt. Es ist das erste Mal, daß ein Nichtmediziner den medizinischen Nobelpreis erhält. Durch die großen Erfolge, die durch DDT bei der Gesunderhaltung der Armee der Alliierten in den letzten Kriegsjahren erreicht werden konnten, vor allem bei der Verhütung der Verbreitung des Flecktyphus, ist diese Preiszuerkennung gerechtfertigt. Neben dem Kampfe gegen alle Arten von Ungeziefer hat auch die Landwirtschaft durch die Entdeckung des DDT-Puders zur Schädlingsbekämpfung einen großen Nutzen erzielt. Den Nobelpreis für Physik erhielt Prof. Patrick Maynard S. Blakett an der Universität Manchester „für seine Verdienste um die Entwicklung der Wilson-Methode und seine Forschungsergebnisse in der Physik der kosmischen Strahlungen“. Prof. Arne Tiselius, Leiter der biochemischen Abteilung an der Universität Uppsala wurde der Nobelpreis für Chemie zuerkannt. Prof. Tiselius erhielt den Preis für seine Arbeiten auf dem Gebiete der Absorptions-Analyse. (Naturwissenschaftliche Rundschau, 1. Jg., Heft 5, November 1948, Seite 239) Radioaktiver Kobalt bei Krebs. Zur Zerstörung von Krebszellen wurden bisher hauptsächlich Gamma-Strahlen aus Radium oder Röntgenstrahlen angewendet. In dem großen Pile in Oak Ridge wurde vor kurzem radioaktiver Kobalt mit dem Atomgewicht 60 hergestellt, der eine sehr starke Gamma-Strahlung besitzt. Dieser „Radiokobalt“ Co60 wurde durch W. Myers auf seine Verwendungsfähigkeit zur Strahlenbehandlung des Krebses untersucht. Die Experimente ergaben, daß Co60 ein vollwertiger und billiger Ersatz für das teure Radium ist. Der Radiokobalt wird in Form einer magnetischen Kobalt-Nickellegierung als feiner Draht hergestellt, der in jede beliebige Form gebogen und dadurch der Form der Geschwüre angepaßt werden kann. Da dessen Handhabung mit magnetischen Hilfsmitteln erfolgen kann, ist seine direkte Berührung durch den Arzt nicht nötig. Auf diese Weise kann die Strahlengefährdung bei dem Arzt auf ein Minimum herabgesetzt werden. (Orion, 3. Jg., Heft 11, 15. November 1948, Seite 519) 1898 Sauerstoff auf der Sonne. Die lange umstrittene, in den letzten Jahren besonders von Janssen, Duner und Schuster untersuchte Frage, ob sich spectralanalytisch in den absorbirenden Schichten der Sonnenatmosphäre Sauerstoff nachweisen lässt, ist nunmehr durch Runge und Paaschen endgültig im bejahenden Sinne entschieden worden. Die Schwierigkeit der Feststellung lag in der Nothwendigkeit einer Unterscheidung der Sonnen-Sauerstofflinien von denen unserer Atmosphäre, und es konnten nur solche Linien in Betracht kommen, die nicht gleich allen tellurischen Linien eine wechselnde Intensität in Folge des Sonnenstandes bieten, dafür aber an den Sonnenrändern nach dem Dopplerschen Princip sich in Folge der Sonnenrotation im entgegengesetzten Sinne verschoben zeigen. In der That gelang es nun Runge und Paaschen, im äussersten Roth des Spectrums drei Linien (bei den Wellenlängen 7772,20, 7774,43 und 7775,62) als zugleich im Sonnenspectrum und Sauerstoffspectrum bei elektrischen Entladungen aufzufinden, die diese Verschiebungen im ersteren zeigen. (Prometheus, IX. Jg., No 462, 1898, Seiten 735 bis 736) Gipsmodelle ausgestorbener Tiere. Das American Museum of Natural History hat sich ein Verdienst dadurch erworben, dass es Gipsmodelle von ausgestorbenen Tieren anfertigen liess, insbesondere solcher, die in Nordamerika vorkamen. Da die Ausführung unter Leitung erster Forscher geschah (C. Knight, Osborn, Copet) unter Berücksichtigung aller Kenntnisse, die man von den betreffenden Tieren hat, so lässt sich denken, dass dieselben ein vorzügliches Anschauungsmittel zur Kenntnis der ausgestorbenen Tierformen bilden. Wir geben anbei die Abbildung des Megalosaurus aquilunguis; er gehört zu der Klasse der Dinosaurier, jener ungeheuren Tiere, welche besonders in der Kreideformation vorkommen. Er war Fleischfresser, ca. 5 m lang und besass einen Schwanz von ca. 23/4 m Länge. Seine Gestalt war leicht und beweglich, und er war mit furchtbaren Zähnen und Krallen bewaffnet. Die unverhältnismässig langen Hinterbeine und der dicke Schwanz erinnern an das Känguruh, dem er auch in der Art seiner Fortbewegung geglichen haben mag. Voraussichtlich ging und lief er nicht, sondern sprang. Seine kräftigen Hinterbeine, die mit kräftigen Krallen besetzt waren, benutzte er wahrscheinlich zum Angriff auf den Feind. (Die Umschau, II. Jg., No 45, 5. November 1898, Seite 765)


Aus: Spektrum der Wissenschaft 11 / 1998, Seite 165
© Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH

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