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Vor fünfzig und vor hundert Jahren


1949

Aureomycin. Manche Krankheiten, gegen die sich Penicillin und Streptomycin bisher als unwirksam erwiesen haben, können durch ein neues Antibioticum, das Aureomycin, geheilt werden. Es wird durch eine neue, erst kürzlich entdeckte Actinomyceten-Art erzeugt und erhielt seine Bezeichnung wegen seiner goldgelben Farbe. Das neue Antibioticum wird nach ähnlichen Verfahren wie das Penicillin und das Streptomycin in großen Fermentationstanks auf einer Nährlösung erzeugt. Es wurde zuerst von Dr. B. M. Duggar isoliert. (Orion, 4. Jg., Nr. 1, Seite 78)



Ein neuer Uranus-Mond. Vom McDonald-Observatorium meldet Dr. G. P. Kuiper die Entdeckung eines fünften Mondes des Uranus. Er wurde als Stern der 17. Größe auf einer 3 Minuten belichteten Platte, die mit dem 84-zölligen Spiegel gemacht worden war, entdeckt und auf zwei weiteren Platten bestätigt. Die Distanz zwischen Uranus und dem neu entdeckten Mond ist etwa 0,64 von derjenigen des Mondes Ariel, des innersten der bekannten Monde. Das sind etwa 9". Seine Umlaufsperiode wurde noch nicht ermittelt, dürfte aber etwa bei 30 Stunden liegen. Das Objekt konnte visuell nicht beobachtet, aber leicht fotografiert werden. (Die Umschau, 49. Jg., Heft 1, Seite 28)



Römische Unterwasserstadt. Durch eine französische Tauch-Expedition im Golf de Fos-Sur-Mer wurde in mehr als 35 m Tiefe eine römische Stadt entdeckt; sie dehnt sich über mehrere hundert Meter aus. Amphoren und Statuen wurden bereits zutage gefördert; zwei massive Goldstatuen waren in eine Felsenkluft so eingekeilt, daß ihre Bergung weiteren Tauchversuchen mit besserer Ausrüstung vorbehalten bleiben mußte. (Blick in die Wissenschaft, 2. Jg., Heft 1, Seite 39)



Notgemeinschaft der Wissenschaft. Am 11. Januar 1949 fand in Köln unter dem Vorsitz der Kultusministerin von Nordrhein-Westfalen, Frau Teusch, die Gründungsversammlung der Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft statt, die daraufhin durch Eintragung in das Vereinsregister die private Rechtsfähigkeit mit dem Sitz in Bonn erlangt hat. Gründer und erste Mitglieder sind alle deutschen Hochschulen in den drei Westzonen, sowie die Akademien der Wissenschaften zu Göttingen, Heidelberg und München. (Göttinger Universitäts-Zeitung, 4. Jg., Nr. 2, Seite 14)



Feldhasen und Superfötation. Im Zoologischen Garten Basel ist die Feldhasenzucht nun zum ersten Male in großem Stile durchgeführt worden ... und hat endlich Klarheit über die Tragzeit des Feldhasen gebracht... In Basel wurden als Durchschnittszeit 42 Tage festgestellt... Auch eine Reihe von Angaben über die angebliche Tragzeit haben nun eine überraschende Aufklärung erfahren. Es können sich nämlich bei einer Feldhäsin zwei Tragzeiten überschneiden... Diese Beobachtung steht bisher einzig dar. Der Feldhase ist ein Tier, bei dem Superfötation vorkommt. (Die Umschau, 49. Jg., Heft 1, Seite 26)

1899

Die Bewegungen des Eiffelthurmes durch den Einfluß der Sonnenwärme sind einer sorgfältigen Beobachtung und Messung von Seiten einiger französischer Physiker unterzogen worden. Die Ausdehnung des eisernen Gerüstes durch die Sonnenwärme bewirkt eine Drehbewegung in der Richtung von Sonnenaufgang nach Sonnenuntergang, so zwar, daß die Spitze einen Kreisbogen mit einem Halbmesser von durchschnittlich 10 Centimeter beschreibt. Im Sommer ist natürlich die Bewegung beträchtlicher als im Winter. Das Sinken der Temperatur nach Sonnenuntergang bewirkt die Rückwärtsdrehung, so daß dies mächtige Bauwerk sich in beständiger Bewegung befindet. (Der Stein der Weisen, 21. Band, 1899, Seite 55)



Bakterien als motorische Kraft. Ingenieur Melnikow in Odessa hat ein kleines Modell einer Maschine konstruiert, welche mit Hilfe der Produkte der vitalen Thätigkeit von Bakterien funktioniert. Man kann jetzt also, analog den Dampf-, Petroleum-, Wärme-Maschinen, auch von einer Bakterien-Maschine reden. Wenn auch diese Maschine natürlich keine praktische Bedeutung hat, so bietet sie doch das grösste Interesse, indem an ihr die Lebensthätigkeit der Bakterien studiert werden kann. Melnikow benützt den Vorgang der alkoholischen Gärung ... In ein kupfernes Gefäss bringt man Glukose, Phosphorsäure- und Salpetersäuresalze, Gelatine, Wasser (15 Prozent) und Hefe. Bei einer Temperatur von 20 Grad zeigt das Gefäss am folgenden Tage einen Druck von 41/2 Atmosphären. Wenn man das Gefäss mit den Bakterien hinreichend gross und den Durchmesser des Cylinders der Maschine entsprechend gross nimmt, so kann man ohne Unterbrechung 20 bis 30 Stunden arbeiten. (Bayerisches Industrie- und Gewerbeblatt, 85. Jg., No. 2, Seiten 14 bis 15)



Meßapparat für Bäume. Die Inhaltsberechnung größerer Stämme – von der Schätzung der unregelmäßig gewachsenen Kronen pflegt man abzusehen – geschieht in der Regel so, daß man den Durchmesser und die Stammhöhe mißt und aus beiden Ziffern nach einer Formel, die sich ohne Zweifel jeder herstellen kann, den Inhalt berechnet. Um die dabei vorkommenden Irrtümer möglichst zu vermeiden, ist ein neuer selbstregistrierender Baumzirkel von Jobez sehr geeignet. Man nimmt den Stamm an einer Stelle, wo er ungefähr seinen mittleren Durchmesser hat, zwischen die verschiebbaren Schenkel des Zirkels und braucht dann nur auf einen Hebel des kleinen an dem beweglichen Schenkel befestigten Registrierungsapparates zu drücken, um sofort den mittleren Umfang auf dem Papierstreifen des Apparates gedruckt zu haben. Die Höhe scheint auch bei Anwendung dieses Apparates nach wie vor geschätzt oder gemessen werden zu müssen. (Das Neue Universum, 20. Jg., Seite 162)


Aus: Spektrum der Wissenschaft 1 / 1999, Seite 125
© Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH
1 / 1999

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum der Wissenschaft 1 / 1999

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